4.2.2020

35-Stunden-Woche: Wichtiger Ansatz gegen den drohenden Pflege-Kollaps

Der Pflege gehen die Fachkräfte aus. Berechnungen des WIFO zufolge wird sich der Pflegepersonalbedarf in den stationären und mobilen Pflegediensten im Bundesland Salzburg bis zum Jahr 2030 um 43 % erhöhen – das sind 1.300 zusätzliche Vollzeitkräfte. „Die Pflegeanbieter tun sich bei der Personalsuche immer schwerer, da zu wenige Junge nachkommen und die Drop-Out-Quote vergleichsweise hoch ist. Als ein Mittel gegen den drohenden Personalnotstand ist eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Pflege das Gebot der Stunde“, erklärt AK-Präsident und ÖGB-Landesvorsitzender Peter Eder. Die gewerkschaftliche Forderung bei den laufenden Kollektivvertragsverhandlungen nach einer Arbeitszeitverkürzung auf 35 Stunden bei vollem Lohnausgleich unterstützt er zu 100 %.

„Unser Pflegesystem muss dringend zukunftsfit gemacht werden. Zwar sind die Maßnahmen, die beispielsweise im Rahmen der Plattform Pflege erarbeitet wurden, gut, gehen aber zu wenig weit“, sagt AK-Präsident Eder. „Um dem Mangel an Pflegekräften entgegenzuwirken, braucht es Arbeitsplätze, die so attraktiv sind, dass die ausgebildeten Pflegenden ihren Beruf mit Freude langfristig ausüben können und wollen. Es muss gelingen mehr Junge für eine Ausbildung zu begeistern, bestehende Kräfte im Job zu halten und Menschen, die den Pflegeberuf bereits aufgegeben haben, in die Branche zurückzuholen. Die Arbeitszeitverkürzung ist aber nur eine wichtige Stellschraube, um die anspruchsvolle Tätigkeit attraktiver zu machen“, so Eder. Langfristig komme die Branche an höheren Einkommen nicht vorbei, da diese aktuell weit unter dem Durchschnitt liegen. „Die Sozialberufe tragen wesentlich zum Funktionieren unserer Gesellschaft bei. Die Beschäftigten haben sich Gerechtigkeit in Sachen Einkommen, Arbeitszeit und Arbeitsdruck verdient.“

Es braucht Gerechtigkeit: Pflegeberufe aufwerten

Von der Politik mahnt Peter Eder volle Unterstützung für die Branche ein. „In Sonntagsreden wird gerne betont, wie wichtig Pflegekräfte für unsere Gesellschaft sind. In der Tagespolitik fehlt hingegen die entsprechende Unterstützung“, erklärt der AK-Präsident. Heruntergebrochen auf Salzburg fordert Eder die Anerkennung des SWÖ-Kollektivvertrags sowie anderer geltender Kollektivverträge durch die Landespolitik sowie höhere Gehälter in der Pflege. „Es braucht Gerechtigkeit für die Beschäftigten. Die hohe Verantwortung und Professionalität der Pflegekräfte muss endlich entsprechend honoriert werden“, so Eder.

Aus Sicht der AK ist die 35-Stunden-Woche freilich nur ein Schritt zur Verbesserung der Situation in der Branche. Weitere AK-Forderungen zur Attraktivierung des Pflegeberufs sind u.a.:

  • Die Zahl der Ausbildungsplätze muss erhöht werden
  • Kostenloser Zugang zur Ausbildung
  • Der Lebensunterhalt während der Ausbildung muss gewährleistet sein – es braucht ein faires Praktikumsentgelt
  • Gleicher Lohn für gleichwertige Pflegearbeit
  • Personalausbau, damit der Arbeitsdruck reduziert wird und mehr Zeit für die Patientinnen und Patienten bleibt
  • Auch im Sozialbereich haben sich die Beschäftigten eine planbare Arbeits- und Freizeit verdient
  • Massiver Ausbau flächendeckender, qualitätsvoller und leistbarer mobiler Pflegeangebote

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