23.5.2019

Nachhilfe und Ferienbetreuung stellen viele Eltern vor Probleme

10.500 Salzburger Schulkinder brauchten im letzten Jahr bezahlte Nachhilfe – vor allem für Eltern mit geringem Einkommen ein Problem. Auch die Betreuung während der Sommerferien bedeutet für jede 4. Familie eine große organisatorische und finanzielle Herausforderung. Um Hilfestellung zu geben, bietet die AK heuer erstmals ein kostenloses MINT-Sommerbetreuungsangebot und unterstützt das Projekt ,Ferien im Betrieb‘, etwa bei der Firma Bosch. Auch die schulische Nachmittagsbetreuung an Volksschulen wurde abgefragt. Da schneidet die Stadt Salzburg am besten ab, während die Bezirke nachhinken. AK-Präsident und ÖGB-Landesvorsitzender Peter Eder: „Unsere Studie zeigt, dass eine qualitativ hochwertige schulische Nachmittagsbetreuung eine gute Lösung ist, um private Nachhilfe einzudämmen. Die Politik ist gefordert, solche Betreuungsangebote flächendeckend zu schaffen.“

Eine qualitativ hochwertige und leistbare Kinderbetreuungsmöglichkeit in Wohnnähe ist für Eltern der Schlüssel zu einer funktionierenden Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Diese Wahlfreiheit ist jedoch noch immer nicht gegeben – wie kürzlich die Kinderbetreuungsstudie der Arbeiterkammer gezeigt hat. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sorgt auch in den Sommerferien bei vielen Eltern für Kopfzerbrechen. Für viele Eltern und Schulkinder sind diese 9 Wochen alles andere als eine sorgenfreie Zeit:

Ob „Nachzipf“ oder Fragen „Wie vereinbare ich meine 5 Wochen Urlaub mit 9 Wochen Ferien der Kinder?“ und „Wie soll ich das alles bezahlen?“ können zur Belastung für Eltern und Kinder werden. Um Entlastungsvorschläge anbieten zu können, hat die Arbeiterkammer in Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsinstitut IFES im laufenden Schuljahr 2018/2019 rund 400 Haushalte mit insgesamt 620 Schülern zu Nachhilfe und Nachmittagsbetreuung befragt. Der Hauptwunsch der Befragten: Eltern brauchen mehr Unterstützung bei der Vereinbarkeit von Betreuung der Kinder und Berufstätigkeit.

16.500 Schülerinnen und Schüler im Bundesland Salzburg (das sind 25 Prozent aller Schüler, was eine Zunahme von 4 Prozent im Vergleich zum Jahr davor darstellt) haben im laufenden Schuljahr eine externe Nachhilfe benötigt. Davon erhielten 10.500 Schüler (ein Zuwachs von 2.000 Schülerinnen und Schülern) bezahlte Nachhilfe. Kostenpunkt: 550 Euro pro Kind und Schuljahr. Im Bundesland Salzburg belaufen sich die Ausgaben für Nachhilfe insgesamt auf 6 Millionen Euro. Die Eltern von 6000 Kindern hatten das Glück auf kostenlose Angebote zurückgreifen zu können. Nachhilfebedarf hätten noch weitere rund 2.500 Schülerinnen und Schüler gehabt. Viele Eltern waren aber nicht in der Lage, eine solche zu bezahlen. Übrigens: Die meiste Hilfe wurde im Fach Mathematik benötigt.

Alarmierende Ergebnisse:

  • 40 Prozent der Erziehungsberechtigten fühlen sich zeitlich sehr bzw. ziemlich belastet – was zu Konflikten und Ärgernissen in der Familie führt.
  • 52 Prozent der Salzburger Eltern, die für ihr Kind eine bezahlte Nachhilfe in Anspruch nahmen, gaben an, dass sie finanziell spürbar belastet sind.

„Unsere Studie zeigt schwarz auf weiß, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie immer schwieriger wird“, sagt AK-Präsident Eder. „Es braucht unbedingt einen Ausbau der schulischen Fördermaßnahmen. Es kann nicht sein, dass der schulische Erfolg der Kinder vom Engagement bzw. der Finanzkraft der Eltern abhängt.“

Hilla Lindhuber, Leiterin der Abteilung Bildung, Jugend und Kultur ergänzt: „Kinder profitieren – unabhängig vom familiären Hintergrund – von ganztägigen öffentlichen Schulformen mit hochwertiger Betreuung. Kinder, die diese Form der Betreuung genießen, müssen weit seltener bezahlte Nachhilfe in Anspruch nehmen. Ein Ausbau ganztägiger Schulformen würde zur finanziellen Entlastung vieler Familien führen.“

 

Zufriedenheit mit Nachmittagsbetreuung oft ortsabhängig

Eine andere Untersuchung hat sich den Themen Nachmittagsbetreuung und Ferienbetreuung von Volksschülern gewidmet. Dafür wurden 400 Salzburger Eltern von Volksschulkindern befragt.

Drei von zehn Befragten gaben an, dass bei ihren Kindern die Möglichkeit der schulischen Nachmittagsbetreuung an der eigenen Schule fehlt. Anzumerken ist, dass die Zufriedenheitslage in der Stadt Salzburg besser ist als Innergebirg. Der Anteil von Schulen mit Nachmittagsbetreuung ist in der Stadt Salzburg mit 92 Prozent am höchsten. In den Bezirken haben zwischen 34 und 45 Prozent der Volksschulen eine Nachmittagsbetreuung. Schlusslicht ist der Lungau. Das schlägt sich natürlich auf die Zufriedenheit der Eltern nieder. In Schulnoten: Stadt Salzburg 1,6 – Pongau und Lungau 2,3.

AK-Expertin Lindhuber: „Die meisten Eltern (81 Prozent) sind mit der derzeitigen Form der Nachmittagsbetreuung zufrieden. Darin sind allerdings aber auch jene enthalten, die ihr Kind selbst betreuen oder auf die Hilfe der Großeltern oder Nachbarn zählen können. Jede fünfte befragte Familie wünscht sich eine andere externe Betreuung, was aber daran scheitert, dass es in erreichbarer Nähe kein Angebot gibt, dass man sich die Nachmittagsbetreuung nicht leisten kann, dass die Öffnungszeiten zu kurz sind oder dass man keinen Platz bekommen hat.“

„Wir brauchen eine Schule, die Chancengerechtigkeit fördert und den modernen Anforderungen gerecht wird. Deshalb fordere ich die Einführung eines flächendeckenden Angebots an schulischer Nachmittagsbetreuung. Alle Schulen sollten nach Bedarf ein ganztägiges Angebot führen“, sagt AK-Präsident Peter Eder, „eine Ganztagesschule ermöglicht mehr Chancengleichheit und besseren Zugang zu Bildung. Die Schule muss die Förderung aller Kinder, der schwächeren und der begabteren, garantieren.“

 

Große Herausforderung Ferienbetreuung

Für rund ein Viertel aller Eltern war es schwierig, im letzten Sommer die Ferienbetreuung für ihr Kind zu organisieren. Ganz besonders waren davon Alleinerzie­hende betroffen – von ihnen gab die Hälfte an, große Probleme mit der Ferienbetreuung gehabt zu haben.

Die Kosten für die gesamte Ferienbetreuung machten im Schnitt rund 270 Euro aus. Am vergleichsweise höchsten waren sie bei Feriencamps (ca. 320 Euro) und bei der Betreu­ung durch eine Tagesmutter (ca. 330 Euro). Für eine Hortbetreuung gab man im Mittel 240 Euro aus. Für vier von zehn Eltern, die Ausgaben für die Sommerbetreuung ihres Kindes hatten, stellte das eine große finanzielle Belastung dar. Besonders schwer zu stemmen war die Finanzierung für Eltern mit einem eher geringen monatlichen Haushaltseinkommen (bis zu 2.000 Euro): Für 60 Prozent in dieser Gruppe bedeuteten diese Ausgaben eine große Be­lastung. Dasselbe gilt für die Alleinerziehenden, die größtenteils in diese untere Einkom­mens­gruppe fallen.

Was wünschen sich Salzburgs Eltern?

Zum einen wünscht man sich mehr Urlaub, der auch im Sommer konsumierbar ist, um mög­lichst viel Zeit selbst mit dem Kind verbringen zu können. Dies wäre für 38 Prozent der Befragten sehr hilfreich. In eine ähnliche Richtung zielt der Wunsch nach einer Verkürzung der Sommerferien, um den externen Betreuungsaufwand zu verringern. Dafür plädieren knapp drei von zehn Eltern. Alle anderen Wünsche beziehen sich auf einen Ausbau der ex­ter­nen Betreuungsangebote. Jeweils drei von zehn Eltern in Salzburg hätten gerne generell mehr Betreuungsangebote in den Ferien und mehr Betreuungseinrichtungen in erreich­ba­rer Nähe. Ebenso viele wünschen sich billigere bzw. leistbarere Betreuungsein­richtungen. Rund ein Fünftel der Eltern plädiert für einen Aus­bau der Ferienbe­treu­ungsangebote an den Schulen. Ebenfalls viele hätten gerne, dass Horte während der ganzen Sommerferien offen haben, dass die Betreu­ungseinrichtungen längere Tagesöf­fnungs­zeiten haben und dass man die Anmeldung für eine Ferienbetreuung vereinfacht.

 

AK-Forderungen zu Nachmittags- und Ferienbetreuung

Um Familien mit Schulkindern organisatorisch und finanziell zu entlasten, fordert die Arbeiterkammer

  • Schulen müssen für eine Ausweitung der Betreuung gerüstet sein – sowohl hinsichtlich ihrer personellen Ausstattung als auch durch Investitionen in die schulische Infrastruktur. Ziel ist der Ausbau der (kostenfreien) Ganztagesschulen in der Stadt Salzburg auf 100 Prozent und in den Bezirken auf 75 Prozent bis zum Jahr 2025.
  • Für eine Forcierung schulischer Tagesbetreuung braucht es einen entsprechenden Infrastrukturausbau.
  • Es braucht einen Ausbau der Ferienangebote an Schulen, vor allem jener Angebote, die auch finanziell leistbar sind. Dieser Ausbau darf allerdings nicht auf Kosten der schulischen Nachmittagsbetreuung gehen. 

Die AK zeigt vor, wie es geht

Die Arbeiterkammer Salzburg bringt ihre Vorschläge nicht nur in den politischen Prozess ein, sondern macht den Eltern konkrete Angebote, um die Misere der Ferienbetreuung zu lösen. Mit „Freizeitspaß trifft MINT“ stellt die AK in Kooperation mit dem BFI Salzburg und den Kinderfreunden 220 Jugendlichen zwischen 11 und 15 Jahren eine kostenlose einwöchige Ferienbetreuung bereit – und schlägt damit zwei Fliegen mit einer Klappe. Einerseits werden die Eltern finanziell entlastet, andererseits soll bei den Kindern die Neugierde für den wichtigen MINT-Bereich geweckt werden.

„Ausgeprägte Kompetenzen im MINT-Sektor werden künftig für jeden Einzelnen ein wichtiger Erfolgsfaktor am Arbeitsmarkt sein. Zudem werden ganze Volkswirtschaften davon abhängen, wie gut sich eine Gesellschaft auf den digitalen Wandel einstellen kann. Mit unserem Ferienprogramm ,Freizeitspaß trifft MINT‘ wollen wir Jugendlichen Einblick in diesen Bereich gewähren und Lust auf mehr machen“, erklärt Eder. Wichtiger Nebeneffekt: Wer bereits in jungen Jahren versteht, wie wichtig eine fundierte Ausbildung ist, wird sich später viel eher dafür entscheiden.

Als Teil des Zukunftsprogramms „AK extra“ ist die Betreuung für Kinder von AK-Mitgliedern kostenlos. Angeboten wird die Ferienbetreuung an den BFI-Standorten Salzburg (19. bis 23. August und 26. bis 30. August), St. Johann (22. bis 26. Juli und 29. Juli bis 2. August) und Zell am See (29. bis 2. August und 5. bis 9. August). Insgesamt stehen 220 Betreuungsplätze zur Verfügung. Die Anmeldung kann online unter www.ak-salzburg.at/akextra erfolgen.

AK unterstützt "Ferien im Betrieb"

Ein weiteres Best-Practice-Beispiel aus Sicht der Arbeiterkammer ist das Projekt „Ferien im Betrieb“ der Kinderfreunde Salzburg. Bei diesem Angebot kommt pädagogisch geschultes Personal der Kinderfreunde direkt in die Betriebe, um vor Ort die Betreuung anzubieten. Dies hat mehrere positive Effekte: Eltern sparen sich lange Wege, weil gerade in den Ferien viele Betreuungsangebote weiter entfernt sind. Außerdem sind die Kinder davon begeistert die Arbeitsstätte ihrer Eltern kennenzulernen.

„Die Ferienzeit ist für viele Familien sehr herausfordernd. Eltern wollen den Kindern tolle Ferienerlebnisse bieten – am liebsten die ganzen Ferien lang. Aus den unterschiedlichsten Gründen ist das nicht möglich. Unser Ferienteam hat sich daher zum Ziel gesetzt, jeden Tag zu etwas Besonderem für die Kinder zu machen, während die Eltern ihren beruflichen Verpflichtungen nachgehen können – ohne sich Sorgen um die Kinder machen zu müssen“, erklärt Vera Schlager, Geschäftsführerin der Kinderfreunde Salzburg.

Beim Halleiner Industriebetrieb Bosch gibt es das Angebot heuer zum zweiten Mal. Der Andrang ist nach dem Start im vergangenen Jahr derart groß, dass heuer auf 2 Gruppen erweitert wurde, die über einen Zeitraum von 5 Wochen angeboten werden. Zwischen 30 und 40 Kinder je Woche erleben erlebnisreiche Tage mit Spiel und Spaß, sportlichen Aktivitäten, Kreativangebot, Ausflügen und vielem mehr. Für Beschäftigte der Firma Bosch ist das Angebot kostenlos, die Finanzierung trägt die Firma.

„So viel Einsatz für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie gehört gefördert“, findet Peter Eder. Die Arbeiterkammer unterstützt Bosch daher und übernimmt alle anfallenden Eintrittskosten bei diversen Ausflügen. „Dieses Angebot gilt für alle Betriebe mit Betriebsrat, die in den Ferien eine Betreuung im Betrieb anbieten und so ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entlasten.“

Aus Sicht des AK-Präsidenten ist es noch ein langer Weg zu wirklicher Wahlfreiheit für Eltern und Kinder, aber: „Wenn alle politischen Kräfte an einem Strang ziehen, bewegen wir uns in die richtige Richtung. Dies zeigen die AK mit ,Ferienspaß trifft MINT‘ und Bosch mit den ,Ferien im Betrieb‘ vor.“

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