AK-Frauenmonitor bestätigt beunruhigende Entwicklung

Armut ist weiblich, Altersarmut auch

Was viele Frauen, insbesondere Alleinerzieherinnen, beim Bezahlen der Miete, dem Stemmen von Kinderbereuungskosten oder Einkaufen täglich empfinden, bestätigt der neue AK-Frauenmonitor: Frauen sind stärker armutsgefährdet als Männer. Ein-Eltern-Haushalte, und das sind überwiegend Frauen mit ihren Kindern, weisen mit 31 Prozent die höchste Armutsgefährdungsquote auf und diese steigt sukzessive. „Neben der Einführung einer armutsfesten Geldleistung zumindest auf Höhe der Armutsgefährdungsschwelle, braucht es eine Neuverteilung unter den Geschlechtern zwischen bezahlter und unbezahlter Arbeit sowie bei Pflege und Kinderbetreuung eine flächendeckend qualitativ hochwertige Infrastruktur – und das rasch“, fordert AK-Präsident und ÖGB-Landesvorsitzender Peter Eder.  

Der neue AK-Frauenmonitor bestätigt einmal mehr, dass Frauen nach wie vor klar im Nachteil sind. Im Durchschnitt tragen Frauen ein höheres Risiko arm zu sein oder zu werden, als Männer (Frauen: 13,6 Prozent, Männer: 12,3 Prozent).

Studienautorin Ines Grössenberger, AK-Frauenreferentin: „Die Gründe liegen einerseits in der hohen weiblichen Teilzeitquote und darin, dass Frauen überwiegend in Branchen arbeiten, die schlechter bezahlt werden als jene Berufsgruppen, in denen vermehrt Männer tätig sind. Andererseits sind Frauen überwiegend für die unbezahlte Arbeit, also Kinderbetreuung, Haushalt und Pflege verantwortlich.“

Armut ist weiblich, Altersarmut auch

Besonders hoch ist das Armutsrisiko bei:  

  • Ein-Eltern-Haushalten: Dies sind zu 85 Prozent Frauen mit ihren Kindern. Die Armutsgefährdungsquote liegt bei 31 Prozent, ohne Sozialtransfers läge diese bei 54 Prozent.

Auch die kürzlich präsentierte Kinderkostenstudie bestätigt die schwierige Lage der Ein-Eltern-Haushalte. Ein Ein-Eltern-Haushalt mit einem Kind muss um 43 Prozent mehr Einkommen erzielen, um im Wohlstandsniveau gegenüber einem Ein-Erwachsenen Haushalt ohne Kind nicht zurückzufallen, ein Ein-Eltern-Haushalt mit 2 Kindern sogar um 68 Prozent mehr. Zum Vergleich: Bei einem Haushalt mit 2 Erwachsenen und einem Kind sind es 11 Prozent und mit 2 Kindern 23 Prozent, um die das Einkommen höher sein müsste. Auch die Differenz zwischen den Kinderkosten und den öffentlichen Transferleistungen fällt bei Ein-Eltern-Haushalten größer aus. Nur 36 Prozent der Kinderkosten können abgedeckt werden, während es bei einem Zwei-Erwachsenen-Haushalt 66 Prozent sind. 

  • Alleinlebenden Frauen in der Pension. Diese erreichen eine hohe Armutsgefährdungsquote von 25 Prozent, Tendenz steigend (2017: 22 Prozent).

Die durchschnittliche Pension von Frauen lag 2020 bei 1.199 Euro und damit um knapp 130 Euro unter der Armutsgefährdungsschwelle.

Teilzeitarbeit bei Salzburgerinnen weiter hoch im Kurs

49,9 Prozent der unselbstständig beschäftigen Salzburgerinnen arbeiteten 2020 in Teilzeit. Bei Eltern mit Kindern unter 15 Jahren erhöht sich die Teilzeitquote deutlich: 2020 arbeiteten österreichweit 72,8 Prozent der Frauen mit Kindern unter 15 Jahren in Teilzeit, aber nur 6,9 Prozent der Männer. In Salzburg beläuft sich die Teilzeitquote von Frauen mit Kindern unter 15 Jahren sogar auf 82,1 Prozent.  

weniger arbeiten vor allem wegen Kinderbetreuung und Pflege  

Frauen reduzieren ihre Erwerbstätigkeit überwiegend für die Betreuung von Kindern oder pflegebedürftigen Erwachsenen (38,5 Prozent), 16,3 Prozent nennen andere persönliche oder familiäre Gründe. 8,4 Prozent der Frauen hätten gerne in Vollzeit gearbeitet, aber keine passende Vollzeitstelle gefunden.

Klassische Berufswahl führt zu niedrigeren Einkommen

Die traditionelle Berufswahl bestimmt weitgehend die Einkommenschancen in der Zukunft: Knapp 40 Prozent der Mädchen entscheiden sich für einen von 3 Lehrberufen (Einzelhandel, Büro, Friseurin). Während die Top 3 Lehrberufe der Burschen im Schnitt mit insgesamt gut 31.000 Euro über die gesamte Lehrzeit entschädigt werden, fällt diese bei den Top 3 Lehrberufen der Mädchen durchwegs niedriger aus (rund 27.500 Euro).

Salzburg österreichweit bei Gender-Pay-Gap auf Platz 6

Frauen verdienen um 21,2 Prozent weniger als Männer. Vergleicht man ganzjährig Vollzeitbeschäftigte Einkommen, sind das sind 11.376 Euro im Jahr. Salzburg liegt damit an viertletzter Stelle im Bundesländer­vergleich. Bezieht man die Einkommen aus Teilzeitbeschäftigung bei der Berechnung der Einkommensschere mit ein, erhöht sich diese auf 37,1 Prozent oder 1.052 Euro. Salzburg liegt damit über dem Österreichschnitt von 35,0 Prozent.

Teilzeit und niedrige Löhne schröpfen Pensionen

Die nach wie vor vielfach bestehende innerpartnerschaftliche Rollenverteilung des männlichen Hauptverdieners und der weiblichen Zuverdienerin mündet für Frauen in der Alterspension bei einem Pensionsunterschied von 41,7 Prozent oder 858 Euro. Insgesamt betrachtet sind die Pensionsleistungen der Frauen um durchschnittlich 40,4 Prozent niedriger als jene der Männer. 

AK-Forderungen zur Bekämpfung weiblicher Armut

  • Einführung einer armutsfesten Geldleistung zumindest auf Höhe der Armutsgefährdungsschwelle.
  • Rascher und qualitätsvoller Ausbau an elementaren Bildungseinrichtungen und Ganztagesschulen
  • Rechtsanspruch auf einen professionell geführten und kostengünstigen Platz in einer elementaren Bildungseinrichtung ab dem 1. Geburtstags des Kindes
  • Eine staatliche Unterhaltsgarantie, mit der schnell und unbürokratisch auf den Regelbedarfssatz aufgestockt werden kann, wenn der Unterhalt oder Unterhaltsvorschuss nicht oder in unzureichender Höhe bezahlt wird.
  • Eine Neufestsetzung der Regelbedarfssätze auf Basis einer zeitgemäßen Kinderkostenerhebung. Der jetzt zugrundeliegende Warenkorb stammt aus dem Jahr 1964 und kann trotz jährlicher Indexanpassung die durchschnittlichen Bedürfnisse der Kinder nicht mehr abbilden.

Der neue Frauenmonitor der Salzburger Arbeiterkammer steht hier zum Download bereit

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