9.6.2021

AK-Befragung der SALK-Beschäftigten: Arbeit zu hart und am Belastungslimit, 60 % schlagen Alarm

AK und IFES haben die Beschäftigten der Salzburger Landeskliniken zu ihren Arbeitsbedingungen befragt: 60 Prozent fühlen sich am absoluten Belastungslimit. Insgesamt jede/r Zweite, in der Pflege sogar 2 von 3, klagen über extremen Zeitdruck, das ist doppelt so hoch wie der Salzburg-Schnitt. Als Hauptgründe werden Personalknappheit und Umstrukturierungen angegeben. Auch Übergriffe sind ein Thema. Und: Es bleibt immer weniger Zeit für die Patienten. „Die SALK-Belegschaft leistet hervorragende Arbeit an den Patienten und damit auch an der Gesellschaft. Und das nach wie vor sehr gerne“, sagt AK-Präsident und ÖGB-Landesvorsitzender Peter Eder. Von der Landespolitik und der Geschäftsführung fordert Eder: „Die Arbeitsbedingungen müssen besser werden. Es braucht vor allem mehr Personal, und zwar im dreistelligen Bereich. Damit die Beschäftigten wieder durchschnaufen können und nicht zwischen Rufbereitschaft und Einspringerdiensten komplett ausbrennen.“    

Insgesamt über 6.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Salzburger Landeskliniken (mit Ausnahme der Ärzte) waren eingeladen, mittels Fragebogen Angaben zu ihren Arbeitsbedingungen zu machen. Der Rücklauf war mit 20 Prozent (rund 1.200 Personen) außergewöhnlich hoch. Das ernüchternde Fazit dieser Befragung, die das Institut für empirische Sozialforschung (IFES) im Auftrag der Salzburger Arbeiterkammer durchgeführt hat: Eine sehr niedrige Zufriedenheit und extrem hohe Belastungswerte. 

Vor 3 Jahren wurde diese Befragung schon einmal gemacht – mit ähnlich schlechten Werten. „Wir haben bereits damals Verbesserungen für die Beschäftigten eingefordert. Passiert ist seitens Landespolitik und Geschäftsführung aber nichts“, kritisiert AK-Präsident Peter Eder, „zu den schlechten Werten von 2018 gibt es keine Verbesserung. Und die Corona-Pandemie hat jetzt als negatives Sahnehäubchen die Situation noch einmal zugespitzt.“

Alarmierend: jede/r Zweite hält Zeitdruck kaum noch aus

Dass Gesundheitsberufe durch ein hohes Maß an Arbeitsdruck, Verantwortung und Stress geprägt sind, ist für die AK nichts Neues – regelmäßige Erhebungen bestätigen dieses Bild immer wieder. Aber das Ergebnis der aktuellen Befragung schockiert selbst den AK-Präsidenten: Insgesamt 53 Prozent können Zeitdruck und Stress kaum noch bewältigen. Im Pflegebereich sind es sogar 61 Prozent, also fast zwei Drittel. Das sind doppelt so viele wie bei den übrigen Salzburger Beschäftigten (laut allgemeinem Arbeitsklima Index 2020).

“Zeitdruck und Stress und die davon ausgelösten Belastungsfaktoren ziehen sich wie ein roter Faden durch alle Ebenen. Auch im freien Teil der Befragung, wo die Beschäftigten die Gelegenheit hatten, abseits der vorgegebenen Antwortkategorien eigene Kommentare und Anliegen anzuführen. Personalressourcen, Arbeitsklima und Zusatzbelastung durch Corona sind praktisch in jedem Kommentar zu finden“, so Eder, „trotzdem ist die so genannte intrinsische Motivation der SALK-Belegschaft sehr hoch, das heißt, dass der Großteil der Befragten (62 Prozent) sehr gerne diesen Job macht. Umso dringender sind Verbesserungen der Arbeitsbedingungen gefragt.“

Am Wochenende schon was vor? Ja, Rufbereitschaft

Ein seit Jahren schwelendes Problem und Hauptgrund für die schlechten Zufriedenheitswerte, stellt die Personalknappheit dar – 83 Prozent der Befragten sehen darin die Hauptursache für Zeitdruck und Stress. Dazu kommt, dass in den nächsten zwei Jahren zwischen 10 und 15 Prozent der Belegschaft das Pensionsalter erreichen werden.

Der Personalmangel bringt einen zusätzlichen Belastungsfaktor mit sich: Vor allem im Pflegebereich stehen kurzfristig angeordnete Rufbereitschaften und Einspringerdienste an der Tagesordnung. Anders gesagt: Die Beschäftigten dort wissen nie, wann sie frei haben. Demensprechend schwierig bis unmöglich ist die Freizeitplanung. „Freizeit soll der Erholung, Hobbies und Familie dienen“, so AK-Präsident Peter Eder, „es kann nicht sein, dass eine Familie am Wochenende nichts unternehmen kann, weil Vater oder Mutter sicherstellen müssen, in kürzester Zeit am Arbeitsplatz sein zu können.“

AK fordert dreistelliges Personalplus bei Planposten

„Um den (Zeit)Druck von den Beschäftigten zu nehmen, bedarf es neben einer Besetzung der budgetierten Planposten einer weiteren Aufstockung beim Personal. In Summe also ein Personalplus im dreistelligen Bereich“, fordert Eder, „denn die bereits jetzt herrschende Überbelastung der SALK-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wird durch die bevorstehenden Pensionierungen natürlich nicht besser werden.“

Ein deutlicher Mitarbeiter-Zuwachs würde auch die oft sehr kurzfristig angesetzten Einspringerdienste ohne ausreichende Einlernzeit reduzieren.      

Mehr Aufgaben für Pflegepersonal, weniger Zeit für Patienten

Die Aufgaben der Pflegerinnen und Pfleger haben in den letzten Jahren durch Übernahme ärztlicher Tätigkeiten und steigende Dokumentationspflichten stetig zugenommen. Mehr qualifiziertes Pflegepersonal würde daher nicht nur den Stressfaktor dämpfen und die Erholungsmöglichkeiten verbessern, sondern auch wieder mehr direkten Patientenkontakt ermöglichen, der in der momentanen Situation von zwei Drittel der Befragten als immer eingeschränkter beschrieben wird.

Ein weiteres Problem sind unausgereifte Schnittstellen bei der Pflegedokumentation. Diese verlorene Zeit fehlt dann bei der Arbeit an den Patientinnen und Patienten. Damit hat sich auch der Druck auf Pflegekräfte, Stichwort Haftungsfragen, erhöht. Eder: „Die Digitalisierung soll erleichtern, nicht erschweren - zeitsparendere und mitarbeiterfreundlichere IT-Lösungen bei der Pflegedokumentation sind hier gefragt.“

Betroffenheit über verbale oder körperliche Gewalt

Ein weiterer Punkt, der die SALK-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter belastet, sind Übergriffe seitens Patientinnen und Patienten oder deren Angehörigen: 56 Prozent der Befragten sind beinahe täglich von verbalen Übergriffen betroffen und 14 Prozent waren schon einmal mit Tätlichkeiten und Handgreiflichkeiten in der Arbeit konfrontiert. Auch daran hat sich seit dem Jahr 2018 nichts verbessert. „Hier ist der Dienstgeber gefordert, seiner Fürsorgepflicht gegenüber den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nachzukommen und für ausreichend Sicherheitspersonal zu sorgen und nötigenfalls Anzeigen zu erstatten“, fordert AK-Präsident Eder.  

Was es braucht – was die AK fordert

Für die Arbeiterkammer sind SALK-Geschäftsführung und Land in der Pflicht, nun Nägel mit Köpfen statt Ankündigungspolitik zu machen. „Wer mich kennt, weiß, dass ich lösungsorientiert arbeite“, bekräftigt Eder, „mir geht es um Verbesserungen für die Beschäftigten einerseits und um einen fairen Umgang auf Augenhöhe und eine produktive Gesprächskultur mit den Verantwortlichen auf der anderen Seite. Ziel muss sein, dass nachhaltige Maßnahmen erarbeitet werden, von der alle Seiten etwas haben, aber kein Flickwerk betrieben wird. Daran müssen wir arbeiten, die AK steht gerne unterstützend zur Seite.“ Und das braucht´s, um die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Salzburger Landeskliniken nachhaltig zu entlasten und die Arbeitsbedingungen effektiv zu verbessern: 

  • Deutlich mehr Stammarbeitsplätze: Personalaufstockung im dreistelligen Zahlenbereich

  • Transparentes und arbeitnehmerfreundliches Personal-Berechnungssystem: Die derzeit verwendeten Systeme bilden die Realität des Personalbedarfs nicht ab. Deshalb müssen in Abstimmung mit dem Betriebsrat Tools eingeführt werden, die eine praxisnahe Neubewertung der Arbeit ermöglichen

  • Dienstplansicherheit in der Pflege erhöhen: Rufbereitschaften, bzw. Einspringerdienste begrenzen, damit die Beschäftigten ihre familiären Vereinbarungspflichten und Freizeit besser planen können

  • Verbesserter Kündigungsschutz: Angleichung an die Landesbediensteten, bei denen nach 2 Jahren ein Kündigungsschutz wirksam wird (in den SALK sind das derzeit 7 Jahre)

  • Stärkere Wahrnehmung der Fürsorgepflicht des Arbeitgebers in Fällen von Übergriffen auf die Belegschaft
     

Demnächst auch Befragung in Privatspitälern

„Nach den beiden Befragungen in den SALK, werden wir in absehbarer Zeit auch in den privaten Krankenanstalten und bei den mobilen Diensten nachfragen, wie es um die Arbeitssituation und -bedingungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bestellt ist“, kündigt AK-Präsident Peter Eder an. 

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