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Arbeitsrechtlicher Graubereich: Gütesiegel für faire Praktikumsplätze

Viele Schul- und Studienpläne schreiben ein Pflichtpraktikum vor, wobei die jungen Leute dann leider oft als billige Arbeitskräfte ausgenützt werden. Betriebsräte kennen das Problem: Außer im Tourismus und in einigen wenigen Kollektivverträgen sind Praktika nämlich arbeitsrechtlich kaum geregelt. Mit einem Gütesiegel will die Salzburger Arbeiterkammer nun gemeinsam mit der Hochschülerschaft für mehr Fairness und Gerechtigkeit in diesem arbeitsrechtlichen Graubereich sorgen. Und die Betriebsräte können dabei helfen: Gesucht werden Betriebe, die sich um das Gütesiegel bewerben!

Kontakt und Information

Mag. Dr. Stephanie Posch, Sozialpolitische Abteilung der AK Salzburg, Tel. (0662) 8687-409 oder E-Mail sowie

Andreas Eisl, ÖH-Sozialreferent, Tel.: (0662) 80 44 60019

Kriterien für das Gütesiegel

Das Gütesiegel soll ausbeuterische Verträge in Zukunft verhindern helfen und eine Messlatte für die Qualität eines Praktikums sein. Es stellt außerdem einen wichtigen Ansatzpunkt für eine insgesamt bessere Qualitätssicherung dar. Die Bedingungen für Praktika dürfen nicht dem Markt überlassen werden, sind sich ÖH und AK einig.

Folgende Kriterien müssen erfüllt sein:

  • Schriftlicher Vertrag, der Dauer, Beschäftigungs- und Versicherungsform, Entgelt, Ansprechperson, Ausbildungsziele, Feedbackmechanismen und Anwesenheitszeiten festlegt
  • Zeitliche Beschränkung des Praktikums auf die in den Ausbildungsrichtlinien festgelegte Dauer (oder kürzer)
  • Übereinstimmung der Ausbildungsziele im Betrieb mit dem Bildungsziel der (Fach-)Hochschule
  • Vorhandensein einer adäquaten Betreuungsperson; Kontakt zum Betriebsrat (wenn vorhanden)
  • Bereitstellung aller notwendigen Betriebsmittel und Infrastruktur durch das Unternehmen

Das Gütesiegel wird auf ein Jahr verliehen. Zur begleitenden Qualitätskontrolle wird nach dem Praktikum mit einem anonymen Fragebogen erhoben, ob die Kriterien erfüllt wurden. Davon abhängig wird das Gütesiegel für ein weiteres Jahr verliehen.

Druck auf Praktikanten

Da es immer mehr Pflichtpraktikanten gibt, besteht echter Handlungsbedarf. Denn heute sind es nicht mehr nur die berufsbildenden Schulen, die Pflichtpraktika vorschreiben. In vielen Ausbildungen, vor allem in Fachhochschul- und Bachelorstudienplänen, sind Praktika vorgeschrieben.

„Die Studierenden haben einen hohen Druck, überhaupt eine Praktikumsstelle zu finden“, sagt der Sozialreferent der Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH) in Salzburg, Tobias Aigner. „Da akzeptieren sie auch Verträge, die gesetzlichen Bestimmungen nicht genügen und ausbeuterisch sind.“

Wir fordern: Pflichtpraktika nur als echtes Dienstverhältnis

Die rechtliche Grauzone bei Praktika besteht vor allem darin, dass ein echtes Dienstverhältnis umgangen werden kann, wenn der Ausbildungszweck in den Vordergrund gestellt wird und nicht die Erbringung einer Arbeitsleistung. „Wir fordern deshalb, dass alle Pflichtpraktika nur im Rahmen eines echten Dienstverhältnisses und mit Sozialversicherungspflicht zulässig sein sollen“, sagt Stephanie Posch, AK-Frauenreferentin und Referatsleiterin Jugend.


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