Schieflage bei Vermögen steiler als bisher bekannt

Das vermögensreichste eine Prozent der österreichischen privaten Haushalte besitzt 232 Milliarden Euro mehr als bisher bekannt. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie der Universität Linz, die von den Arbeiterkammern Wien und Oberösterreich in Auftrag gegeben wurde. Auf Basis der von der Österreichischen Nationalbank veröffentlichten Vermögensverteilung haben Ökonomen der Universität Linz das Privatvermögen an der – bisher lückenhaft erfassten – Spitze der Vermögenshierarchie neu berechnet.

„Schon bisher war bekannt, dass es bei der Vermögensverteilung eine enorme Schieflage gibt. Diese Studie zeigt, dass vor allem das reichste eine Prozent über ein viel größeres Vermögen verfügt, als wir bisher wussten. Diese Tatsache bestätigt uns einmal mehr in unserer Forderung nach einer Vermögenssteuer auf sehr große Vermögen“, so Siegi Pichler, Präsident der Arbeiterkammer Salzburg. Mit diesen Einnahmen könnte Arbeit steuerlich entlastet und in wichtige Bereiche mehr investiert werden, etwa in soziale Dienstleistungen wie Pflege, in Bildung, sozialen Wohnbau und Infrastruktur.

Das reichste 1 % verfügt über 37 % der Gesamtvermögen

Die Studie zeigt, dass das reichste Prozent nach neuen Berechnungen über fast eine halbe Billion Euro (rund 469 Milliarden Euro) verfügt. Das ist beinahe doppelt so viel wie bisher bekannt war. Der Anteil des obersten Prozents der privaten Haushalte am Gesamtvermögen steigt damit von 22,9 Prozent auf 37 Prozent des Gesamtvermögens an. „Mehr als ein Drittel der gesamten Privatvermögen konzentriert sich auf nur ein Prozent der privaten Haushalte. Das ist eine Bestätigung dafür, dass mehr Verteilungsgerechtigkeit unerlässlich ist. Eine Vermögenssteuer für Millionäre ist dafür ein wichtiger und richtiger Schritt“,betont Pichler. Eine solche Millionärssteuer betrifft nur die reichsten fünf Prozent der Haushalte, wie diese Studie erneut bestätigt. Erst unter den sehr reichen, obersten fünf Prozent aller Haushalte beträgt das durchschnittliche Nettovermögen mehr als eine Million Euro. „Eine Millionärssteuer ist, soll und kann daher keine Mittelschichtsteuer sein. Sie ist ein gerechter Beitrag der ganz Reichen“, so Pichler.

Weitere Ergebnisse der Studie im Überblick: 

  • Das geschätzte Gesamtprivatvermögen verändert sich durch die Neuberechnung vor allem im vermögensreichsten obersten Prozent der Verteilung: Das Durchschnittsvermögen im obersten Prozent verdoppelt sich durch die Hinzurechnung von 6,4 Millionen auf 12,7 Millionen Euro pro Haushalt.
  • Das gesamte Nettovermögen der privaten Haushalte erhöht sich um etwa ein Viertel der bisher bekannten etwa einen Billion Euro auf nun 1,25 Billionen Euro.
  • Die reichsten zehn Prozent haben mit 69 Prozent des Gesamtvermögens mehr als doppelt so viel wie die 90-prozentige Bevölkerungsmehrheit (31 Prozent des Gesamtvermögens).

Hintergrund: OeNB-Vermögenserhebung HFCS 2010

Die von der OeNB durchgeführte Vermögenserhebung HFCS 2010 (Household Finance and Consumption Survey) untersucht das private Haushaltsvermögen in Österreich. Damit liegen die bislang besten Informationen über das Vermögen der privaten Haushalte vor. Die Daten des HFCS leiden allerdings unter einer – auch von der OeNB selbst festgestellten – Untererfassung der besonders großen Vermögen: Besonders reiche Haushalte sind in der Stichprobe nicht enthalten, im obersten Bereich sind Falschaussagen und Antwortverweigerung überdurchschnittlich hoch. Das führt zu einer Unterschätzung der Vermögenskonzentration in den HFCS-Daten.

Das Ziel der von den Arbeiterkammern Wien und Oberösterreich in Auftrag gegebenen Studie, die unter der Leitung von Jakob Kapeller und Bernhard Schütz an der Johannes-Kepler-Universität Linz durchgeführt wurde, ist es, diese Top-Vermögen auf Basis des HFCS-Datensatzes und unter Anwendung international erprobter statistischer Methoden vollständiger zu erfassen. Die Wissenschaftler gehen dabei in ihren Annahmen konservativ und vorsichtig vor. So wurde eine obere Begrenzung der höchsten Vermögen bei einer Milliarde Euro eingeführt, um eine Überschätzung des Gesamtvermögens möglichst auszuschließen. Daher sind auch in der Neuberechnung keine privaten Vermögen von mehr als einer Milliarde Euro enthalten.

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