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Salzburg-Takt für Bahn und Bus jetzt endlich umsetzen!

Die Arbeiterkammervollversammlung fordert seit Jahren - zuletzt 2007, 2010 und 2013 - von der Landesregierung, insbesondere vom zuständigen Landesverkehrsreferenten, einen integrierten Taktfahrplan für Bahn und Bus nach Schweizer Muster umzusetzen. 

Nun ist es wieder einmal so weit, Mitte August dieses Jahres hat die Landesregierung das neue Landesmobilitätskonzept „salzburg.mobil 2025“ (2016 bis 2025)  vorgelegt und wenig überraschend steht ein „landesweiter integrierter Taktfahrplan für Bahn und Bus“ auf der Liste der acht Handlungsfelder. Damit wird neuerlich ein integrierter Bahn- und Bus-Taktverkehr angekündigt. Dieser integrale Bahn- und Bus-Taktverkehr wurde nämlich schon 2006 im „Salzburger Landes-Mobilitätskonzept“ beschlossen. Und 2009 hat die Landesregierung im Regierungsübereinkommen den Bahn-Bus-Taktverkehr nochmals auf die Agenda des für Verkehr zuständigen Landesregierungsmitglieds gesetzt. Schließlich wurde das Projekt mit starker Verzögerung im Dezember 2009 erstmals in Angriff genommen. Anstatt aber auf die Erfahrungen der Sozialpartner und Pendler sowie insbesondere die Expertise von erfahrenen Verkehrsplanern im Bundesland Salzburg zurückzugreifen, wurde im Dezember 2009 ein Schweizer Verkehrsplanungsbüro mit der Ausarbeitung eines „Salzburg-Taktes 2014“ beauftragt. Aber bereits nach einem halben Jahr und zwei Arbeitsgruppensitzungen mit zum Teil absurden Fahrplanschemen (ein konkreter Taktfahrplan wurde leider nie vorgelegt)  ist das Projekt des Landes für einen „Salzburg-Takt-2014 wieder von der Agenda verschwunden, obwohl für Sommer 2010 sogar eine Ausschreibung des Salzburg-Takt 2014 angekündigt war. Jedenfalls teilte das damalige für Verkehr zuständige Landesregierungsmitglied der Arbeiterkammer im Dezember 2012 auf schriftliche Nachfrage hin mit, dass das Projekt nicht mehr weiterverfolgt werde.

Als Ausrede musste einmal mehr der Bund herhalten, denn der habe das Grundangebot im Jahre 2011 bis 2019 bei der ÖBB vertraglich bestellt. Daher seien dem Land Salzburg quasi die Hände gebunden. Dieses Argument war in keiner Weise nachvollziehbar. Im Gegenteil - durch die erstmals klare Definition des Grundangebotes durch den Bund - bestand nun für das Land die Möglichkeit durch Zusatzbestellungen, das Grundangebot des Bundes soweit zu ergänzen, dass daraus ein salzburgweiter Bahn-Bus-Taktverkehr entsteht. In Tirol wird dieser Weg übrigens schon seit Jahren beschritten. Mit dem Effekt das der öffentliche Verkehr dort wesentlich besser ist. Tirol gibt denn auch pro Landesbürger dreimal so viel für Zusatzbestellungen bei der ÖBB aus wie Salzburg. 

In Wahrheit dürfte der Salzburg-Takt-2014 an den Kosten gescheitert sein, denn die verantwortlichen beim Land glaubten damals, ein Bahn-Taktverkehr sei zu denselben Kosten wie der damals aktuelle Bestandsfahrplan zu haben. Auch war eine Koordination mit den Regionalbussen gar nicht im Auftrag der Planer enthalten. Fazit: Das Projekt wurde unter falschen Voraussetzungen betrieben und war wohl deshalb und mangels politischen Willen von Anfang an zum Scheitern verurteilt.

Wenn jetzt also wieder einmal ein integraler Bahn-Bus-Taktverkehr für Salzburg im neuen Landesmobilitätskonzept „salzburg.mobil 2025“ versprochen wird, stellt sich die Frage, ob dieses Vorhaben auch mit den entsprechenden, langfristig notwendigen Budgetmitteln hinterlegt ist. Es ist nämlich zu befürchten, dass das Projekt Salzburg-Takt in Konkurrenz mit den teuren „Hardwareprojekten“ wie Gitzentunnel und unterirdische Stadtregionalbahn den Kürzeren ziehen wird. 

Eine Verkehrspolitik die einerseits neue milliardenteure Verkehrsinfrastrukturneubauten forciert, macht sich allerdings vollends unglaubwürdig, wenn sie andererseits bereits vereinbarte und zugesagte Fahrplankonzepte aus den letzten 10 bis 20 Jahren noch immer nicht umgesetzt hat. 

Der richtige Weg für eine glaubwürdige Verkehrspolitik kann daher nur sein, die noch offenen Hausaufgaben zu erledigen indem man bestehende Projekte (wie das S-Bahn Y-Konzept im Zentralraum und den integralen Salzburg-Takt für Bahn und Bus nach Schweizer Muster) umsetzt und erst dann neue Projekte forciert.  

Der ehemalige Landeshauptmannstellvertreter und Verkehrsreferent sowie ehemalige Vorstands-sprecher der Salzburg AG, Arno Gasteiger, schrieb dem aktuellen Verkehrsreferenten treffend ins Stammbuch: „Sein  Einsatz für die Stadtregionalbahn soll wohl den Blick auf die Untätigkeit des Verkehrslandesrats vernebeln. Heute und morgen haben wir zwar Notstand, aber 2030 oder 2040 oder 2050 wird alles besser. Zur Erinnerung: Schon im Jahr 1992 war die Stadtregionalbahn im Forderungsprogramm einer wahlwerbenden Gruppe aufzufinden“. (zitiert aus „Regionale Schienen Express“, 9/2016) 

Mit anderen Worten, die Verwirklichung der zum Teil unterirdisch verlaufenden Stadtregionalbahn ist ein Versprechen für die Zukunft, welches auch nicht alle Verkehrsprobleme auf einen Schlag lösen wird, und schon gar nicht ersetzt es eine glaubwürdige Verkehrspolitik im Hier und Jetzt. Die Umsetzung eines integralen Salzburg-Takts für Bahn und Bus hingegen kann allerdings im Gegensatz zu den langwierigen und teuren „Hardwareprojekten“ sofort gestartet werden. Worauf will man da jetzt noch warten!

Mit der Einführung des integrierten, salzburgweiten Bahn-Bus-Taktverkehrs müssen allerdings Haltestellenbedienstandards wie auf der S1, der Salzburger Lokalbahn, im gesamten Zentralraum  und in den südlichen Bezirken (durch S-Bahn- und Bus-Takte im Pinzgau und Pongau sowie Bus-Takt im Lungau) eingeführt werden. Denn es ist ja nicht einzusehen, dass Regionen über einen Fahrplanbedienstandard verfügen, der sprichwörtlich alle „Stückeln“ spielt (15- und 30-Minuten-Takt sowie Taktverkehre teilweise bis in die Nacht hinein), während andere Regionen mit Ausdünnungskonzepten, halbfertigen oder nur versprochenen S-Bahn-Konzepten konfrontiert sind.

Die AK-Vollversammlung hat die Salzburger Landesregierung daher 2016 einmal mehr aufgefordert den integrierten Salzburg-Takt für Bahn und Bus, wie bereits im „alten“ Salzburger Landes-Mobilitätskonzept aus 2006 und im Regierungsprogramm 2009  beschlossen bzw. versprochen, umgehend umzusetzen!

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