490 Euro Jahresticket bringt Salzburg bei Verkehrspolitik unter Zugzwang

Ab 1. Juni fährt man in Tirol öffentlich sehr günstig. Denn die Jahresnetzkarte für das benachbarte Bundesland ist dann für 490 Euro zu haben. Das ist insbesondere deshalb spannend, weil Tirol eine ähnliche Fläche und Struktur des öffentlichen Verkehrs aufweist wie Salzburg.  Vor der Öffi-Offensive kostete das Jahresnetzticket bei den Nachbarn unerschwingliche 2.000 Euro. In Salzburg sind es derzeit 1.550 Euro. „Damit kommt die Salzburger Landesregierung in den Argumentationsnotstand. Denn Jahreskarten für Pendler, die nicht das ganze Netz in Tirol nutzen, kosten sogar maximal 380 Euro. Pensionistinnen und Pensionisten zahlen überhaupt nur 125 bis 250 Euro. Dabei ist das benachbarte Bundesland flächenmäßig sogar größer und hat ein dichteres Verkehrsnetz“, sagt AK-Verkehrsexperte Christian Laireiter.

Öffentlich Fahren ist in Salzburg im Vergleich teuer

Auch hinter viele andere Bundesländer fällt Salzburg deutlich zurück: In Wien gibt es seit 2010 ein 365-Euro-Jahresticket. In Vorarlberg seit 2015. Kein Wunder, dass die vier Mal so teure Jahresnetzkarte in Salzburg ein Ladenhüter ist. Die letzte Ticketpreis-Senkung gab es hierzulande übrigens im Jahr 2009 auf Basis einer Forderung der AK: Durch einen „Umweltbonus“ sank der Jahrespreis auf das Äquivalent von 8 statt 10 Monatskarten.

„Mit Kernzone zahlt man damit heute von Bischofshofen nach Salzburg 1.211 Euro. Von Schwarzach in die Landeshauptstadt 1.311 Euro und vom direkten Umland aus Seekirchen und Hallein 706 Euro oder aus Neumarkt 805 Euro“, rechnet Christian Laireiter vor. Das ist immer noch deutlich mehr als in Tirol ab Juni.

Wildwuchs regionaler Regelungen zum Schaden der Pendler

Ein Problem aller Jahrestickets: Meist ist an der Bundesländer-Grenze Schluss. Die Fahrkarte gilt nicht darüber hinaus. „Das ist für viele Menschen nur mehr realitätsfremd. Denn die Schul- und Arbeitswege in grenznahen Regionen enden selten mit dem Übergang ins nächste Bundesland“, kritisiert Christian Laireiter. Zudem kocht jede Region beim Namen der Öffi-Aktionen, den Zugangsvoraussetzungen, Preisen und der Verwaltung etwa von Jugend- oder Seniorentickets ihr eigenes Süppchen. Außerdem: Der Stau in Salzburg entsteht hauptsächlich durch die Pendler aus den Regionen. Gerade für sie braucht es einen starken Anreiz zum Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel.

AK fordert 450 Euro Jahresticket und mehr Einheitlichkeit

„Für die Öffi-Pendler im Bundesland wäre eine Jahresnetzkarte für 490 Euro wie in Tirol ein starker Schritt in die richtige Richtung. Noch besser 450 Euro, denn das Salzburger Liniennetz ist kleiner!“, fordert AK-Präsident Siegfried Pichler. Kurz vor den Landtagswahlen ein Seniorenticket einzuführen, das mit 299 Euro immer noch 20 Prozent teurer ist als in Tirol ist jedenfalls nicht genug. Und auch das 2014 eingeführte 365 Euro-Stadtticket wieder auf seinen Anfangspreis zurückzustellen ist wenig ambitioniert – er hielt genau ein Jahr, dann stieg er. „Wäre der Preis erst gar nicht nach oben geklettert, müsste jetzt in einer Pressekonferenz nicht wieder großartig verkündet werden, dass man ihn senkt“, so Siegfried Pichler. Eine Errungenschaft ist es jedenfalls nicht, eher Augenauswischerei: In Wien hält der 365 Euro-Preis fürs Stadt-Ticket seit 7 Jahren. In Linz und Graz kostet die Jahreskarte 285 beziehungsweise 241 Euro.

Umweltbonus in Städten – Tarife überregional harmonisieren

AK-Präsident Siegfried Pichler: „Man könnte etwa in der Stadt einen Umweltbonus für Hauptwohnsitz-Bewohner einführen, der das Ticket zum Beispiel auf 285 Euro drückt.  Und landesweit könnte Salzburg das Tiroler Konzept samt noch günstigeren Tickets für Kleinregionen eins zu eins übernehmen. Ich glaube einfach nicht, dass das 30 Millionen kosten würde, wie der zuständige Landesrat kolportiert. Im größeren Tirol fallen 11 Millionen an.“ Natürlich darf niemand schlechter aussteigen als bisher. „Jetzt ist eine gute Gelegenheit, für mehr Einheitlichkeit im öffentlichen Verkehr zu sorgen – auch über Bundesländergrenzen hinweg“, so Pichler: „Das spart Kosten, nutzt Synergien und vereinfacht die Verwaltung. Es geht um praxistaugliche Lösungen für alle Fahrgäste. Tirol macht es vor. Jetzt ist die Salzburger Landesregierung gefragt!“

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