ÖBB-Fahrkartenschalterschließungen gestoppt

Die ÖBB haben in den letzten Jahren einen neuen Vertriebsplan erstellt: Die „Vertriebsstrategie 2020“. Das Konzept setzt beim Fahrkartenverkauf auf externe Vertriebspartner wie Trafiken, Banken und den Einzelhandel sowie auf mehr online- und elektronischen Fahrkartenverkauf. Die Umsetzung sollte schon 2016 starten. Damit wäre auch eine „Zusperrstrategie“ verbunden, wie man sie von der Post kennt und die schon dort fehlgeschlagen ist – es finden sich nämlich kaum externe Partner.

Statt ohnehin nur 88 Personenkassen hätte es mit 18 Stellen noch einmal deutlich weniger gegeben. Im Bundesland Salzburg sollte es neben dem Kundencenter am Hauptbahnhof der Landeshauptstadt nur noch eine Personenkasse in Zell am See geben. Saalfelden, St. Johann, Hallein sowie die Bahnknotenpunkte Bischofshofen und Schwarzach-St.Veit wären dem „Kürzungskonzept“ zum Opfer gefallen.

Auch die vor einigen Jahren neu geschaffenen BahnStores in Schwarzach-St. Veit und Hallein wären gestrichen worden. Dort und in fünf weiteren Bahnhöfen in Österreich hat man die Personenkassen zu kleinen Nahversorgern ausgebaut und somit die Bahnschalter stark aufgewertet. Das wurde vor einigen Jahren zu Recht als zukunftsweisend gefeiert. Nun, ein paar Jahre später will man die BahnStores sang- und klanglos zusperren – obwohl sie bei geringen Anschaffungs- und laufenden Kosten stetige Erträge liefern und neue Kundengruppen erschließen konnten.

Darüber hinaus haben sich die wenigen noch vorhandenen Bahnschalter als wichtige Kontaktstellen und „Trou­b­le­shoo­ter“ für alle Probleme rund ums Bahnfahren entwickelt. Offenbar eine Rolle, die den ÖBB-Zentralstellen in Wien gar nicht klar ist – oder aber bewusst nicht gewünscht wird, weil das in den Businessplänen so gar nicht vorgesehen ist. Mit den Kunden kommuniziert die ÖBB in den letzten Jahren offenbar lieber per E-Mail.

Vertriebsstrategie wird dank AK und Betriebsräten überdacht

Österreichweit hätten durch diese Maßnahmen rund 150 Mitarbeiter ihre Arbeitsstelle verloren und sich ÖBB-intern einen neuen Arbeitsplatz suchen müssen. In Salzburg wären davon etwa 25 Mitarbeiter betroffen gewesen – auch die zahlreichen Lehrlinge, die für diesen Bereich bisher ausgebildet wurden.  

Besonders ärgerlich ist diese „Kundenvertreibungspolitik“, weil ja parallel auch immer weniger Züge mit Zugbegleiter/Schaffner geführt werden und nur noch in Fernverkehrszügen der ÖBB gegen Aufpreis Fahrkarten verkauft werden. Mit ganz wenigen Ausnahmen werden die Strecken der ÖBB im Nah- und Regionalverkehr als Selbstbedienungsstrecken definiert. Die ohnehin wenigen Zugbegleiter kontrollieren da nur noch die Fahrkarten, dürfen aber streng genommen keine Karten mehr verkaufen, sondern nur die Mehrgebühr von 70 bis 100 Euro kassieren.

Eine solche Vorgangsweise schließt immer größere Teile der Bevölkerung vom Öffentlichen Verkehr regelrecht aus, besonders alte Menschen und Personen mit besonderen Bedürfnissen. Nicht jeder verfügt über Internet, ein Smartphone und Kreditkarten. Deshalb müssen in diesem Zusammenhang die Richtlinien für Barrierefreiheit ernst genommen werden. Sie dürfen sich nicht nur auf bauliche Aspekte beschränken. Was nützt der enorm wichtige barrierefreie Zugang zu Gebäuden und Zügen, wenn dann beim Fahrkartenverkauf neue Hürden aufgebaut werden!

Die neue Vertriebsstrategie der ÖBB steht auch im Widerspruch zu Grundsätzen des österreichischen Gesamtverkehrsplans sowie  dem Vorstandsleitbild des ÖBB-Personenverkehrs, darin ist nämlich unter anderem folgendes festgehalten:

  • „Die Erfolgsfaktoren dafür, dass öffentlicher Verkehr von den Menschen genutzt wird, sind ein einfacher Zugang zum ÖV-System sowie hohe Qualität des Angebots.“
  • „Verkehrspolitik muss auf die Bedürfnisse unterschiedlicher Anspruchs- und Nutzergruppen Rücksicht nehmen.“ (zitiert aus: BMVIT Gesamtverkehrsplan 2012)
  • „Durch die richtige Balance von Wirtschaftlichkeit und Serviceorientierung stellen wir unsere Fahrgäste zufrieden.“ (zitiert aus: PV Vorstandsleitbild)

Der Verkehrsausschuss der Arbeiterkammer Salzburg nahm sich auf Initiative der ÖBB-Betriebsräte des Themas an. Bei der 5. AK-Vollversammlung wurde schließlich ein Beschluss gegen diese massive Verschlechterung des Services beim Fahrkartenverkauf mit den Stimmen aller Fraktionen angenommen. Seitens der ÖBB wurde verlautet, dass die Umsetzung der Vertriebsstrategie gestoppt und eine Neubewertung durchgeführt wird.

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