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FAQs zur Lohnsteuerreform 2016

Rund um die Lohnsteuer-Reform gibt es viele Fragen und noch mehr Meinungen. Wir haben unsere Antworten auf häufige Fragen für Sie gesammelt. 

Was sind die wichtigsten Eckpunkte der Reform?

  • Der Eingangssteuersatz ist gesenkt worden. Wenn ein Einkommen steuerpflichtig wird, fallen nicht mehr 36,5 % sondern nur mehr 25 % Lohnsteuer an.

  • Die Sprünge zwischen den Steuerstufen verlaufen flacher. Statt bisher drei gibt es jetzt sechs Steuerstufen. Damit steigt die Lohnsteuer sanfter an.

  • Die Grenze für den 50-Prozent-Steuersatz wird von 60.000 auf 90.000 Euro pro Jahr hinaufgesetzt. Der Spitzensteuersatz für Einkommen ab einer Million Euro pro Jahr wird auf 55 Prozent angehoben. 

  • BezieherInnen von kleinen Einkommen (unter 11.000 Euro pro Jahr) werden entlastet, selbst wenn sie keine Lohnsteuer zahlen: GeringverdienerInnen erhalten eine jährliche Negativsteuer von bis zu 400 Euro jährlich (bisher max. 110 Euro).

  • Darüber hinaus erhalten auch PensionistInnen erstmalig eine Negativsteuer von bis zu 110 Euro pro Jahr. Die Negativsteuer ist als kleiner Ausgleich für die Teuerung gedacht.

  • Der steuerliche Kinderfreibetrag wird von 220 auf 440 Euro jährlich angehoben.

  • Der Pendlerzuschlag wird erhöht.
Steuertarif bisher Steuertarif seit 2016
Einkommen Lohnsteuer Einkommen Grenzsteuersatz
Bis 11.000 € 0 % Bis 11.000 € 0%
11.001 – 25.000 € 36,5 % 11.001 – 18.000 € 25 %
25.001 – 60.000 € 43,2 % 18.001 – 31.000 € 35 %
Ab 60.001 € 50 % 31.001 – 60.000 € 42 %
    60.001 – 90.000 € 48 %
    90.001 – 1.000.000 € 50 %
    Ab einer Million 55 %
Verkehrsabsetzbetrag
bisher
345 € Verkehrsabsetzbetrag seit 2016  400 €
Pensionisten-Absetzbetrag bisher 400 € Pensionisten-Absetzbetrag
seit 2016
400 €
Negativsteuer bisher

Negativsteuer 
seit 2016

ArbeitnehmerInnen           10 % der SV-Beiträge, max. 110 €  
 ArbeitnehmerInnen      

50 % der SV-Beiträge, max. 400 €

PensionistInnenkeine NegativsteuerPensionistInnen50 % der SV-Beiträge, max. 110 €
TIPP

Wie viel haben Sie nach der Steuerreform mehr im Börserl? Finden Sie es heraus mit unserem Brutto-Netto-Rechner! 

Beispiele für die Steuerersparnis

Beispiel 1: Das spart eine Familie mit zwei Kindern

  • Herr A. arbeitet als Angestellter und verdient 3.000 Euro brutto monatlich.
  • Frau A. arbeitet als Angestellte, aber nur Teilzeit. Sie verdient 1.000 Euro brutto monatlich
  • Familie A hat zwei Kinder im Alter von 7 und 9 Jahren.

So wirkt sich die Steuerreform 2016 auf Familie A. aus:

  Bezug/
Monat
Brutto jährl. Ersparnis monatl. Ersparnis jährl. Erparnis ANV
Ersparnis gesamt
Herr A
3.000 42.000 108,67 1.304 154 1.458 1)
Frau A
1.000 14.000  - 
283     283 2)

56.000


1.751

1) Herr A spart durch die Tarifreform Steuern, außerdem bekommt er bei der ArbeitnehmerInnenveranlagung (ANV) mehr raus, weil steuerliche Kinderfreibetrages von € 220 auf € 440 pro Kind erhöht wurde.

2) Bei Frau A liegt das Einkommen unter der Steuergrenze. Sie profitiert aber trotzdem von der Steuerreform, weil die Negativsteuer erhöht wurde. Im Rahmen der ArbeitnehmerInnenveranlagung erhält sie einen Teil ihrer Sozialversicherungsbeiträge zurück. 

Beispiel 2: Das spart eine Familie mit zwei vollen Einkommen 

  • Herr B ist Angestellter und verdient 2.000 Euro brutto monatlich.
  • Frau B ist Angestellte und verdient 2.500 Euro brutto monatlich
  • Familie B hat zwei Kinder im Alter von 8 und 12 Jahren

So wirkt sich die Steuerreform 2016 auf Familie B aus

  Bezug/
Monat
Brutto jährl. Ersparnis monatl. Ersparnis jährl. Ersparnis ANV Ersparnis 
gesamt

Herr B 2000 28.000 72,67 872 117,6 989,60 1)
Frau B 2500 35.000 78,67 944 117,6 1.061,60 1)






2051,20

 1) Herr und Frau B profitieren durch die Tarifreform, außerdem bei der ArbeitnehmerInnenveranlagung (ANV) durch die Erhöhung des Kinderfreibetrags von 132 auf 300 Euro.

Beispiel 3: Das spart eine Alleinerzieherin mit einem Kind 

  • Frau C. ist Angestellte und verdient 1.800 Euro brutto monatlich.
  • Sie ist Alleinerzieherin und hat ein Kind im Alter von 8 Jahren

So wirkt sich die Steuerreform 2016 auf die Alleinerzieherin aus:

  Bezug/
Monat
Brutto jährl. Ersparnis monatl. Ersparnis jährl. Ersparnis ANV Ersparnis 
gesamt

Frau C 1800 25.200 66,08 793 42 835 1)

1) Frau C spart durch die Tarifreform und profitiert zusätzlich bei der ArbeitnehmerInnenveranlagung (ANV), weil der Kinderfreibetrag von 132 auf 300 Euro erhöht wurde.

Beispiel 4: Das spart eine Angestellte

Frau D arbeitet als ganztags als Angestellte und verdient 4.000 Euro brutto pro Monat. 

So wirkt sich die Steuerreform 2016 auf die Angestellte aus

  Bezug/
Monat
Brutto jährl. Ersparnis monatl. Ersparnis jährl. Ersparnis ANV Ersparnis gesamt
Frau D 4.000 56.000 128,25 1539  -  1.539 1)

1) Frau D profitiert durch die Tarifreform. 

Beispiel 5: Das spart ein Facharbeiter

Herr E ist Facharbeiter und verdient pro Monat 2.300 Euro.

So wirkt sich die Steuerreform 2016 auf den Facharbeiter aus

  Bezug/
Monat
Brutto jährl. Ersparnis monatl. Ersparnis jährl. Ersparnis ANV Ersparnis gesamt
Herr E 2.300 32.200 76,25 915 - 915 1)

1) Herr E profitiert durch die Tarifreform. 

Profitieren kleine Einkommen von der Steuerreform?

Auf die kleineren Einkommen, für die gar keine Lohnsteuer anfällt, wurde bei der Steuerreform nicht vergessen:

  • Wer unter 11.000 Euro pro Jahr verdient, bekommt jährlich bis zu 400 Euro Negativsteuer vom Finanzamt zurück.   

  • PensionistInnen, die keine Lohnsteuer bezahlen, bekommen bis zu 110 Euro Negativsteuer zurück. Bisher bekamen sie keine Negativsteuer.

  • Lohnsteuerpflichtige Einkommen über 11.000 Euro pro Jahr profitieren durch einen niedrigeren Eingangssteuersatz und einen flacheren Anstieg der Lohnsteuerkurve.

  • Auch wenn sich die Tarifsenkung bei höheren Einkommen in absoluten Zahlen ausgedrückt stärker auswirkt: Prozentuell gesehen werden die kleinsten Einkommen am stärksten entlastet – für sie muss oft nur mehr einen Bruchteil der bisherigen Lohnsteuer gezahlt werden.

Beispiele
  • Arbeitnehmer A verdient 3.000 € brutto. Bisher musste er eine jährlich eine Lohnsteuer von 6.886 € zahlen. Durch die Steuerreform zahlt er nun um 19 % weniger. 

  • Arbeitnehmer B verdient 1.300 € brutto. Durch die Lohnsteuerreform beträgt seine jährliche Lohnsteuer nun 444 Euro. Das ist eine Ersparnis von 62 %.

Wie wird die Lohnsteuersenkung finanziert? 

90 Prozent werden von Unternehmen, durch Einnahmen aus der Bekämpfung des Steuerbetrugs, durch sinnvolles Sparen beim Staat und durch die Stärkung der Kaufkraft finanziert.

Wichtigste Maßnahmen im Kampf gegen den Steuerbetrug sind: 

  • die Einführung der Registrierkassenpflicht
  • die Abschaffung des Bankgeheimnisses

Vermögensbezogene Steuern

Zudem wurden auch Schritte bei vermögensbezogenen Steuern gesetzt durch...

  • die Anhebung der KESt auf Dividenden
  • durch die Anhebung der Immobilienspekulationssteuer und
  • die Anpassungen bei der Grunderwerbssteuer

Privatkonsum wird angekurbelt

Wenn den Menschen mehr Geld im Börsel bleibt, wird das zu einem großen Teil in den privaten Konsum fließen. So wird die Wirtschaft angekurbelt: In Zeiten schwacher Konjunktur ist das dringend nötig. Auf diesem Wege werden auch zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen.

Müssen sich die ArbeitnehmerInnen die Reform selbst zahlen?

Nur zu einem sehr kleinen Teil. Die Vorteile der Reform überwiegen bei weitem. Folgende Änderungen stehen im Regierungspaket: 

1. Mehrwertsteuer wird teilweise von 10 auf 13 % angehoben

Die ermäßigten Steuersätze in der Umsatzsteuer sollen bei einigen Produktgruppen von 10 % auf 13 % erhöht werden, und zwar für:

  • Beherbergung
  • Lebende Tiere, Saatgut, Pflanzen
  • Kulturelle Dienstleistungen
  • Futtermittel
  • Holz
  • Jugendbetreuung
  • Luftverkehr
  • Bäder
  • Museen, Tiergärten
  • Filmvorführung

Beispiele
  • Ein Kinoticket um netto 6,3 Euro könnte also künftig  7,1 Euro statt  7 Euro inklusive Mehrwertsteuer kosten.

  • Eine Übernachtung um netto 90 Euro könnte künftig 102 statt 99 inklusive Mehrwertsteuer kosten.

  • Das Tierfutter, das bisher 50 € monatlich gekostet hat, könnte künftig 51,4 € kosten.

Das setzt allerdings voraus, dass die erhöhte Steuer zur Gänze an die Kundinnen und Kunden weitergegeben wird.

Das prognostizierte Mehraufkommen von 250 Mio. Euro aus dieser Steuererhöhung zeigt, dass nur ein geringer Teil des fünf Milliarden schweren Steuerpakets durch die die teilweise Anhebung der Mehrwertsteuer finanziert wird. Wichtig ist aus unserer Sicht, dass die begünstigten Sätze für sensible Produkte wie Lebensmittel, Mieten und Medikamente unangetastet bleiben und es keine Erhöhung von Massensteuern gibt. 

Nachgefragt

Frisst die MwST-Erhöhung auf Tierfutter meinen Steuervorteil auf? Dazu ein Beispiel:


  • Einer Angestellten, die im Monat 1.900 Euro brutto verdient, bleibt durch die Tarifreform 2016 jährlich 858 Euro mehr im Börsel. 

  • Durch die Erhöhung der Umsatzsteuer kostet das Futter für den Hund 12,27 Euro mehr im Jahr. 

  • Der Steuervorteil der Angestellten würde erst aufgefressen werden, wenn sie 72 Hunde hätte – oder 2.652 Wellensittiche.

2. Einschränkungen bei den Sonderausgaben

Die so genannten Topf-Sonderausgaben laufen aus. Ausgaben für Personenversicherungen, Wohnraumschaffung und Wohnraumsanierung können künftig nicht mehr im Rahmen der ArbeitnehmerInnenveranlagung abgeschrieben werden. Für bestehende Verträge können sie noch 5 Jahre lang geltend gemacht werden.

Bei anderen Sonderausgaben ändert sich nichts: Spenden, Steuerberatungskosten und Beiträge für Kirchen und gesetzlich anerkannte Religionsgemeinschaften können weiterhin abgeschrieben werden. 

Nachgefragt

Was kostet es mich, wenn ich Topf-Sonderausgaben nicht mehr abschreiben kann? Das hängt vom Einkommen ab und davon, ob der Alleinverdiener- bzw. Alleinerzieherabsetzbetrag zusteht. Für eine alleinstehende Person, die bisher den Höchstbetrag geltend machen konnte, wird der Entfall der Sonderausgaben rund 300 Euro pro Jahr kosten. 

Wird es teurer, Grundstücke zu vererben oder zu verschenken? 

Ja und nein. Es kann nämlich auch sein, dass es billiger wird. Bisher wurde als Berechnungsbasis der sogenannte Einheitswert herangezogen. Ab 2016 soll der Verkehrswert herangezogen werden. Zudem werden die Steuersätze gestaffelt und progressiv angewendet. Ist eine Immobilie also 500.000 Euro wert, fällt folgendes an Steuern an:

  • Bis 250.000 Euro: 0,5 %
  • Zwischen 250.000 und 400.000: 2%
  • Ab 400.000 Euro: 3,5%

Das Vererben bzw. Verschenken einer Immobilie kann daher auch billiger werden.

Beispiel

Ein Einfamilienhaus hat einen Einheitswert von 20.250 Euro und einen Verkehrswert von 186.500 Euro.

  • Steuer alt: Es wurde der 3-fache Einheitswert herangezogen, der Steuersatz lag bei 2%. Daher zu zahlen: 20.250 x 3, davon 2% = 1.215 Euro

  • Steuer neu: Es wird der Verkehrswert herangezogen, der Steuersatz liegt bei 0,5%. Daher zu zahlen: 0,5% von 186.500 = 932,50 Euro

Reicht die Gegenfinanzierung aus?

Diese Sorge haben viele. Was ist, wenn das Gegenfinanzierungsmodell nicht hält, was es verspricht? Natürlich kann in der Zukunft immer etwas Unvorhergesehenes passieren, aber die Berechnungen zur Gegenfinanzierung beruhen auf Zahlen des Finanzministeriums. Uns wurde mehrfach bestätigt, dass diese wasserdicht und valide sind. Was wir uns jedenfalls gewünscht hätten, wäre die Einführung einer Steuer auf sehr große Erbschaften und Vermögen. Hier heißt es, weiterkämpfen und weiterhin harte Bretter bohren.  

Ist das wirklich die „größte Steuerreform aller Zeiten“?

Lange hieß es immer nur kategorisch „Nein!“, wenn ÖGB und AK eine Lohnsteuersenkung forderten. Dass die Reform überhaupt von der Regierung angegangen wurde und nun wirklich eine spürbare Entlastung für die ArbeitnehmerInnen bringt, freut uns sehr und ist auch den vielen Menschen zu verdanken, die unsere Kampagne unterstützt haben.

Auch in Zahlen betrachtet ist die Reform beeindruckend: Die Menschen werden mit einer nie dagewesenen Summe von 5 Milliarden Euro entlastet. 90 % der Entlastung entfallen auf kleinere und mittlere Einkommen. Und die ArbeitnehmerInnen müssen sich ihre Entlastung nicht selbst zahlen – etwa durch eine höhere Besteuerung von Urlaubs- oder Weihnachtsgeld. Das lag bei den Verhandlungen lange am Tisch, konnte aber erfolgreich verhindert werden. Große Zugeständnisse an die Wirtschaft wurden ebenfalls abgewendet.

Steuerentlastung

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