29.6.2018
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Mythos "Gesundheit"

Jeder und jede hat freien Zugang zu seinen Leistungen – ob arm ob reich, ob jung ob alt, ob krank oder gesund. Es gilt als eines der Besten rund um den Globus. Der Rest der Welt beneidet uns darum. Was das ist? Es ist das österreichische Gesundheitssystem, das auf einer solidarischen Versicherung basiert. Trotzdem meinen manche, in diesem System herumdoktern zu müssen: „schlanker“ und „effizienter“ müsse es werden. Weil es angeblich bald nicht mehr leistbar sein soll …

Die AK Salzburg hat die gängigsten Mythen, etwa über die Überalterung der Bevölkerung oder die Kostenexplosion im Gesundheitswesen einem Faktencheck unterzogen. Damit Sie mit Sachlichkeit punkten können.

Das Gesundheitssystem ist nicht mehr leistbar?

Falsch: Die Gesundheitsausgaben sind seit Jahrzehnten stabil - bei rund 9 bis 10 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP).

Aber: Das Geld könnte viel effektiver eingesetzt werden. Zum Beispiel gibt es immer noch zu viele unnötige Spitalsaufenthalte. Da hapert es an der Struktur des Gesundheitssystems - zu viele Köche verderben hier den Brei.

Deshalb: Neue Wege beschreiten – Integrierte Versorgung

Alle an der Behandlung Beteiligten (Ärztinnen und Ärzte verschiedener Fachrichtungen, Krankenhaus) arbeiten zusammen. Die Vorteile: effektivere, schnellere und günstigere Versorgung. Beispiel Primärversorgungsgesetz: Verschiedene Gesundheitsbereiche - Ärzte, Pflegekräfte, Ernährungsberater, Sozialarbeiter, Physiotherapeuten, Psychologen – arbeiten im Team. Ergebnis: Die Patientinnen und Patienten werden nicht mehr im Kreis geschickt, sondern am „best point of service“ versorgt.

Die Gesellschaft altert – steigen die Kosten?

Das ist ein Trugschluss. Mehr Ältere heißt nicht automatisch, dass auch die Gesundheitsausgaben im gleichen Ausmaß steigen.

Denn durch den medizinischen Fortschritt werden wir künftig länger gesund bleiben. Die Jahre der Krankheit (auch Morbidität genannt) verschieben sich nach hinten. Das Geheimnis: Vorsorge und Gesundheitsförderung.

Deshalb: Prävention

Eine Kostenexplosion heraufzubeschwören, ist kontraproduktiv. Stattdessen: Auf Prävention setzen. Denn: Mehr gesunde Jahre bringen nicht nur dem Einzelnen mehr Lebensqualität, sondern sparen dem Steuerzahler viel Geld.

Herrscht eine 2-Klassen-Medizin?

Verkürzen sich lange Wartezeiten auf Untersuchungs- oder Operationstermine, wenn man privat zahlt?

Nein: Wenn Ärztinnen und Ärzte so vorgehen, ist das illegal. Ein Kassenarzt darf niemanden bevorzugen, nur weil er oder sie eine Zusatzversicherung hat. Auch ein öffentliches Krankenhaus darf keine früheren Termine anbieten, nur weil jemand privat dafür gezahlt hat.

Aber: Es ist oft schwer herauszufinden, wo man am schnellsten einen Termin bekommt. Es braucht mehr Transparenz - einen zentralen Einblick in die Wartezeiten einzelner Krankenhäuser, etwa über das Internet. Das Gesetz dazu gibt es bereits, alleine das Land Salzburg ist bei der Umsetzung säumig.

Bessere Versorgung für die, die es sich leisten können? Die Zahl der Wahlärzte steigt.

Deshalb: Das System neu denken – über den Tellerrand hinausblicken

Kassenarzt in einer Einzelordination hat offenbar an Attraktivität verloren. Viele Ärztinnen und Ärzte möchten lieber im Team mit anderen Gesundheitsberufen arbeiten. Die letzten gesetzlichen Vorstöße in Richtung Primärversorgung lassen auf ein Umdenken hoffen.

Ist es billiger, wenn jeder für sich selbst sorgt?

Falsch - warnendes Beispiel USA

Dort ist gerade einmal 1/3 der Bevölkerung öffentlich krankenversichert,  2/3 haben eine private Krankenversicherung. Österreich: hier sind 99,9 Prozent der Bevölkerung in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert.

In den USA kostet das Gesundheitssystem 17,2 Prozent des BIP - in Österreich nur 10,4 Prozent. Pro Kopf betragen die Gesundheitsausgaben in den USA 9.892,3 US-Dollar, in Österreich 4.169,2 Euro.

Doch wo man mehr Geld hineinsteckt, kommt nicht automatisch mehr Gesundheit heraus. Die Lebenserwartung beträgt in den USA 81,2 Jahre und in Österreich 83,7 Jahre.

Deshalb: Solidarität bringt´s!

Unser Gesundheitssystem ist nicht nur günstig, sondern auch gerecht. Das Zauberwort: Solidarität. Die Gesunden unterstützen die Kranken, die Jungen die Alten und sozial besser Gestellte die Schwächeren. Jeder hat Zugang, auch wenn er kein Einkommen oder Vermögen hat. Kein Kranker wird von der Versicherung ausgeschlossen, nur weil er vielleicht ein größeres Risiko darstellt. Jeder bekommt die gleiche gute Versorgung.

Was wir fordern – was wir brauchen
  • Vereinbarungen im Rahmen der Gesundheitsreform endlich umsetzen
  • Entlastung des stationären Bereiches in den Akutkrankenanstalten – Verlagerung in den tagesklinischen bzw ambulanten Bereich
  • Fokus auf Primärversorgung und integrierte Versorgungskonzepte – stärkere Vernetzung und Zusammenarbeit zwischen Gesundheitsdienste Anbietern
  • Umgehende Umsetzung eines transparenten Wartelistenmanagements – Veröffentlichung durchschnittlicher Wartezeiten
  • Anreize für Ärztinnen und Ärzte und andere Gesundheitsberufe, sich innergebirg niederzulassen
  •  Besserer Zugang zu psychosozialen und psychotherapeutischen Angeboten
  • Mehr Geld für Prävention und Gesundheitserhaltung
  • Stärkung der Gesundheitskompetenz der Bevölkerung mit geeigneten Maßnahmen
  • Ausbau der Betrieblichen Gesundheitsförderung – auch im regionalen kleingewerblichen Bereich

 

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