Sozialwirtschaft stabilisiert und ist wichtige „Wirtschaftslokomotive“

„Die Sozialwirtschaft ist keine Last, sondern ein Wert für eine lebenswerte Gesellschaft und einem Wohlfahrtstaat angemessen. Gerade angesichts der aktuellen Spar-Debatten wollen wir eine Gegenöffentlichkeit schaffen und mit Veranstaltungen wie dieser auf das große Potential der Sozialwirtschaft hinweisen!“, betonte AK-Direktor Gerhard Schmidt Dienstagnachmittag auf der AK/ÖGB-Tagung „Sozialwirtschaft als produktiver Wirtschaftsfaktor“, an der unter anderem auch Soziallandesrätin Cornelia Schmidjell teilnahm.

Die Zahlen, Fakten und Beispiele der Referentinnen und Referenten sprachen vor einem zahlreichen Publikum im Parkhotel Brunauer für sich und untermauerten die These des AK-Direktors auf nachdrückliche Weise. Nur ein Beispiel: Die Beschäftigungseffekte von Investitionen im Sozialbereich sind doppelt so hoch wie im Bauwesen. Fazit: Der Sozial- und Gesundheitsbereich ist bei weitem nicht Kostenfaktor allein, sondern Werte schaffend und sein Ausmaß eine politische Werteentscheidung. Investitionen in den Sozialstaat und der Ausbau sozialer Dienste erweisen sich als Multiplikatoren, die Arbeitsplätze schaffen und das Budget auch nachhaltig entlasten können. Somit hat sich der Sozialstaat gerade in der Wirtschaftskrise als stabilisierender Faktor erwiesen und gehört auf Grund demographischer und gesellschaftlicher Entwicklungen weiter ausgebaut!

Direktor Schmidt: „Es wäre absurd, hier zu sparen, wenn sich Investitionen in diese Bereiche rechnen. Kürzungen in der Sozialwirtschaft sind nicht nur aus sozialpolitischer Sicht abzulehnen, sondern auch wirtschaftspolitisch der falsche Weg.“ Dem schloss sich auch Soziallandesrätin Schmidjell an und meinte unter anderem: „Wir müssen auf gesellschaftliche Entwicklungen wie den wachsenden Bedarf an Pflege und Betreuung reagieren. Das heißt, wir müssen vor allem auch in den Ausbau von Sachleistungen investieren und die Ressourcen in der Zukunft effizient einsetzen. Damit schaffen wir zudem wichtige Arbeitsplätze. Das aber ist letztlich eine Verteilungsfrage, eine politische und gesellschaftliche Entscheidung!“

Sozialwirtschaft finanziell aufwerten

In seinem Referat ging der Salzburger Sozial- und Wirtschaftswissenschafter Nikolaus Dimmel unter anderem auf die Rahmenbedingungen in der Sozialwirtschaft ein und machte auf deren Arbeitsbedingungen aufmerksam. Diese seien stark durch atypische Beschäftigung, häufige Teilzeit und das hohe Ausmaß der unbezahlten Arbeit von Frauen geprägt. Dimmel: „Auffallend ist bei den tendenziell schlecht bezahlten sozialen Berufen die Diskrepanz zwischen Bezahlung und Qualifikation.“ Er fordert unter anderem mittelfristige Leistungsverträge, einheitliche Standards und existenzsichernde Mindestlöhne sowie Mindestspersonalschlüssel.

Auch Landtagsabgeordneter und Gewerkschafter Walter Steidl schloss sich in der Podiumsdiskussion der Experten-Forderung nach einer Weiterentwicklung und finanziellen Aufwertung der Sozialwirtschaft an und meinte unter anderem ebenfalls: „Die Bereitschaft, finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen, ist eine politische Entscheidung, wie sich derzeit gerade auch an der Schuldenbremsen-Debatte zeigt.“

Caritas-Direktor Hans Kreuzeder betonte: „Die Diskussion macht klar, dass die sozialen Dienste nicht nur menschlich wichtig sind, sondern auch ein ganz beträchtlicher Wirtschaftsfaktor. Das sollte uns mit Selbstbewusstsein auf den Weg in die Zukunft bringen – wir müssen dringend weg von dem Argument ‚das kostet nur’!“ Der Halleiner Bürgermeister Christian Stöckl bestärkte ihn: „Für die Gemeinden ist der Wandel in der Gesellschaft und der damit verbundene Bedarf enorm spürbar – ohne die Anbieter aus der Sozialwirtschaft könnten wir zusperren!“

Arbeitgeber Sozialwirtschaft – eine Zukunftsbranche

Die Volkswirtin und Wirtschaftspädagogin Michaela Neumayr von der Wiener Wirtschaftsuniversität verwies auf die Sozialwirtschaft als einen wesentlichen Arbeitgeber: In Salzburg sind von den rund 230.000 unselbstständig Beschäftigten 9,4 Prozent im Sozial- und Gesundheitsbereich beschäftigt. Sie zeigte auf, dass die Sozialwirtschaft eine wichtige „Wirtschaftslokomotive“ ist, die nicht nur Kosten verursacht. So hätten zum Beispiel Investitionen in den sozialen Sektor höhere Wertschöpfungseffekte als in das Bauwesen. Ihre These: Der Ausbau der Sozialwirtschaft kurbelt das Wirtschaftswachstum an und schafft eine hohe Anzahl von Arbeitsplätzen. Aber auch der soziale Profit ist groß: Ein Ausbau entlastet vor allem Frauen von unbezahlter Care-Arbeit und hat eine stabilisierende Funktion.

Anna Faustmann, Migrations- und Globalisierungsexpertin an der Donau-Universität Krems, beschäftigte sich vor allem mit der Sozialwirtschaft als Zukunftbranche. Mit sozialen Diensten würden Arbeitsplätze für Personen mit einfachen, mittleren und höheren Qualifikationen geschaffen, die zur Standortsicherung beitrügen. Schwierig ist die Situation in Österreich vor allem in ländlichen Gebietet, hier sind Kooperationen und Arbeitsteilungen zwischen den Kommunen gefordert.

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