Gerechtigkeit muss überall sein: Wir sind auch für Migranten da

Österreich und Salzburg werden vielfältiger, Menschen verschiedenster Herkunft kommen, um hier zu leben und zu arbeiten. „Sie tragen zu Wohlstand und Wirtschaftswachstum bei, zahlen Steuern und Sozialabgaben. Und sie sind zum Teil stärker betroffen von schlechteren Zugängen zu Arbeitsmarkt und Bildung, und haben ein größeres Armutsrisiko“, so AK-Direktor Gerhard Schmidt. „Jede Form der Diskriminierung und Ausgrenzung eines Teils der Beschäftigten schwächt die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer als Gesamtes!“ Vor diesem Hintergrund hat die AK Salzburg einen breit angelegten Strategieprozess in Gang gesetzt und baut das Service- und Infoangebot für Migranten aus. Für Fairness und Gerechtigkeit!

„Wir haben als Interessenvertretung aller Salzburger Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer eine wesentliche wirtschaftliche und gesellschaftliche Verantwortung“, so Schmidt. „Deshalb haben wir mit diesem Strategieprozess quasi eine Bestandsaufnahme aller unserer Leistungen für Menschen mit Migrationshintergrund gemacht, analysiert und weitere Schritte vereinbart.“

Diskriminierung bekämpfen, Potenziale nutzen

Menschen mit Migrationshintergrund kommen täglich in die AK, weil sie Rat und Infos im Arbeitsrecht, bei Fragen der Sozialversicherung oder im Konsumentenrecht haben. „Im Beratungsalltag stellen wir immer wieder fest, dass diese Personen in vielen Bereichen des täglichen Lebens immer noch benachteiligt sind und häufiger von Armut, Diskriminierung und sozialer Ausgrenzung betroffen sind“, stellt AK-Direktor Gerhard Schmidt fest. „Weiters wollen wir auch unseren Beitrag zur Sicherung des qualifizierten Fachkräftebedarfs zu leisten, was vor allem verstärkter Investitionen in Ausbildung und Qualifizierung bedarf. Wir müssen die vorhandenen Potenziale nutzen und unfaire Benachteiligungen bekämpfen.“

Schlechte Arbeitsbedingungen, Lohn- und Sozialdumping sind ein Übel, das im Interesse aller Beschäftigten nicht zu dulden ist, so Schmidt. „Ungerechtigkeiten schaden der gesamten Gesellschaft und allen unseren Mitgliedern. Aber wenn man von Integration spricht, darf man besonders in der Arbeitswelt nicht hinnehmen, dass eine Gruppe tendenziell schwer benachteiligt wird!“

Arbeitsmarkt und Einkommen

2012 haben im Jahresschnitt mehr als 42.000 Migrantinnen und Migranten in Salzburg gearbeitet, das sind 17,4 Prozent der Beschäftigten. Die größte Gruppe kommt aus Ex-Jugoslawien mit rund 14.600 Personen, gefolgt von Deutschen mit knapp 11.800 Personen. Weiters arbeiten 3.470 aus der Türkei stammende Personen und knapp 3.000 Ungarn in Salzburg.

Insgesamt leben rund 13 Prozent Bürgerinnen und Bürger mit ausländischer Staatsbürgerschaft sowie weitere 5,5 Prozent mit Migrationshintergrund in unserem Bundesland.

Derzeit sind Migrantinnen und Migranten vor allem im Gastgewerbe und bei Leasingfirmen beschäftigt. Fast jede/r vierte Migrant/in arbeitet im Gastgewerbe, während es bei den Österreicher/innen 6,3 Prozent sind. Bei den Leasingfirmen (Arbeitskräfteüberlasser) macht ihr Anteil 11 Prozent aus, gegenüber 4 Prozent Einheimischen.

Das Bruttomedianeinkommen von Beschäftigten mit ausländischer Staatsbürgerschaft liegt rund 20 Prozent unter jenem von Personen mit österreichischer Staatsbürgerschaft. „Das ist nicht nur ein Mangel an Gerechtigkeit, sondern wir wissen auch, dass Migrantinnen und Migranten auch oft als Lohndrücker eingesetzt werden“, sagt Schmidt. „Deshalb geht dieses Thema uns alle an!“

Unser Beitrag

„Bildung und Bildungsabschlüsse sind ein ganz wesentliches Element“, betont Schmidt. „Wir brauchen – für alle - ein durchlässiges Bildungssystem, das faire Chancen bietet. Aber wir bieten auch konkrete Hilfe im täglichen Beratungsalltag.“ So hat die AK Salzburg Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Migrationshintergrund, die im Dienstleistungsbereich und in der Beratung mit ihren Sprachkenntnissen helfen. AK-Beschäftigte mit Kundenkontakt zu Migrantinnen und Migranten werden auch laufend speziell im Feld Interkulturalität geschult.

„Du kannst was!“: Dieses Projekt wurde von der AK initiiert und ermöglicht Personen, die gute einschlägige Kenntnisse und Fähigkeiten in ihrem Beruf haben, aber keinen Lehrabschluss, diesen mit relativ wenig Aufwand nachzuholen. Nach einer Bestandsaufnahme der faktischen Qualifikationen müssen nur noch individuell und gezielt Kurse absolviert werden und ein relativ unbürokratischer und kostengünstiger Weg zum Lehrabschluss ist geebnet. Das Projekt wurde im Herbst des Vorjahres gestartet und wird zu rund einem Drittel von Personen genutzt, die im Ausland einen Bildungsabschluss erworben haben, der in Österreich nicht anerkannt wird.

Special Day: Das ist ein Berufsorientierungstag, an dem Eltern und Kinder – mit und ohne Migrationshintergrund – Infos über das österreichische Bildungssystem und mögliche Berufe bekommen, und auch Eignungstests machen können. Für Personen, die der deutschen Sprache (noch) nicht ausreichend mächtig sind, stehen Dolmetscher für Türkisch und für die Sprachen Ex-Jugoslawiens zur Verfügung.

Am Arbeitsplatz in den Deutschkurs: Der Verein VeBBAS, der von der AK kofinanziert wird, organisiert Deutschkurse direkt in den Betrieben, wobei die AK Teile der Kurskosten übernimmt.

„Apropos Betriebe: Auch die Arbeitgeber müssen ihren Beitrag leisten“, betont Schmidt, „und jungen Migrantinnen und Migranten eine Chance geben und sie unterstützen!“ Eine Schlüsselstelle dafür ist der Zugang zu einem Lehrplatz. In den Polytechnischen Schulen sind 25 Prozent der Schülerinnen und Schüler mit nicht-deutscher Muttersprache, in den Berufsschulen sind es 10 Prozent. „Wo bleibt die Differenz?“, fragt Schmidt. „Wenn es so viele junge Migrantinnen und Migranten nicht von der Pflichtschule in den Lehrberuf schaffen, müssen bei uns alle Alarmglocken schrillen. Da werden persönliche Berufswege schon im Keim erstickt, und es geht ein beträchtliches Potenzial verloren.“

Verschenktes Potenzial

Ein weiteres gravierendes Problem ist, dass Migrantinnen und Migranten ihre im Ausland erworbenen Ausbildungen und Qualifikationen hier nicht anerkannt bekommen und häufig keine adäquaten Arbeitsplätze bekommen.

Weitere Schritte für 2014

„Wir werden unsere Dolmetschleistungen bei Beratungen weiter ausbauen und mehr fremdsprachige Folder und Broschüren auflegen“, sagt Schmidt. „Die Themen in der Beratung sind häufig so komplex, dass es sehr hilfreich ist, wenn die Kundinnen und Kunden sich erst die grundlegenden Informationen in der Muttersprache holen können, bevor wir für sie aktiv werden.“ Derzeit verfügbar sind Folder zur Sozialversicherung und zu Betriebskosten, ein weiterer mit den Grundlagen des Arbeitsrechts ist in Arbeit.

Ein wichtiger Punkt in dem Strategieprozess war und ist auch die Vernetzung mit anderen Akteuren. Djuja Becirevic ist Vorstandsmitglied der AK Salzburg und stammt selber aus dem ehemaligen Jugoslawien. „Ich merke es in meiner täglichen politischen Arbeit, wie wichtig es für die Menschen ist, als Personen mit allen biographischen Gegebenheiten angenommen zu werden, und wenn nötig Unterstützung zu bekommen. Mein Anliegen ist es auch, die Kontakte zu Vereinen, NGOs und anderen Aktivisten zu verstärken und die Vernetzung mit den Aktivitäten der AK Salzburg zu intensivieren.“

Wichtige Punkte

  • Schwerpunktthema „Antidiskriminierung und aktive Gleichstellungspolitik in den Betrieben: Für mehr Fairness für Betroffene sollen Betriebsräte und –rätinnen sowie Multiplikatoren sensibilisiert und geschult werden
  • Schwerpunktthema „Unterqualifikatorische Beschäftigung von Migrantinnen und Migranten“ wird auch kommendes Jahr weitergeführt mit dem Ziel, in Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften und NGOs das Problembewusstsein und Wissen zu verstärken und Druck auf die Unternehmen auszuüben
  • „Bildungspotenziale in Salzburg“ wird als Studie in Auftrag gegeben, um das Qualifikationsniveau und den Anerkennungs- und Ergänzungsausbildungsbedarf zu analysieren
  • Studie „Wohnen“: Erhebung über Qualität, Zugang und mögliche Diskriminierungen
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