I-Pension verspricht viel - Aber Fragezeichen hinter Umsetzung

Die größte Reform im Bereich der vorzeitigen Pensionierungen ist die Neuregelung der Invaliditäts- und Berufsunfähigkeitspensionen ab 2014. Dreh- und Angelpunkte sind berufliche und medizinische Rehabilitation: Es soll zu weniger Invaliditätspensionen und einer verstärkten Arbeitsmarktintegration von gesundheitlich beeinträchtigten Menschen kommen. Zu diesem komplexen Thema hielt die AK eine Veranstaltung mit Fachreferaten und einer Experten-Podiumsdiskussion mit knapp 150 Teilnehmern ab. AK-Präsident Siegfried Pichler resümiert: „In dieser Reform liegt jede Menge Potential. Nicht nur wirtschaftliche Motive, sondern auch der sozialpolitische Aspekt, das Menschliche, müssen aber berücksichtigt werden.“

Ab 1.1.2014 haben nur Personen, die dauerhaft invalide sind und bei denen berufliche Rehabilitationsmaßnahmen weder zweckmäßig noch zumutbar sind, Anspruch auf eine I-Pension. Von den rund 7.000 Menschen unter 50 Jahren die jährlich in die I-Pension gehen, kommen lediglich 20 Prozent aus einem aufrechten Dienstverhältnis. Beinahe 80 Prozent von diesen Anträgen werden erst nach einer längeren Phase der Arbeitslosigkeit oder des Krankenstandes eingereicht. Gesundheitspolitischer Effizienz kommt in der Reform eine Schlüsselfunktion zu, Karin Beer, AK-Expertin für Gesundheitsfragen verdeutlicht das: „Prävention und Gesundheitsförderung muss vor allem in den Betrieben forciert werden, als prophylaktische Maßnahme sozusagen.“

I-Pensionisten haben wenig zu lachen

Ein verfrühter Ruhestand voller Lebenslust und Vergnügen auf Staatskosten in der I-Pension? Mitnichten, denn die durchschnittliche Höhe einer Invaliditäts- und Berufsunfähigkeitspension in Salzburg liegt mit 957 Euro (brutto) deutlich unter der Alterspension. Dazukommt, dass I-Pension Bezieher im Schnitt zehn Jahre früher als Alterspensionisten sterben.

PVA entscheidet über Invalidität

Die Grundentscheidung über das Vorliegen von Invalidität und über die Rehabilitation obliegt der Pensionsversicherungsanstalt (PVA). Dafür wird ein Kompetenzzentrum für Invaliditätspension und Pflegegeldfälle eingerichtet. Die Begutachtung setzt sich bei Bedarf aus einer medizinischen, beruflichen und arbeitsmarktbezogenen Komponente zusammen und klärt die Arbeitsfähigkeit. „Derzeit gibt es keine Qualitätsstandards für die Begutachtung. Wir begrüßen daher, dass es bald Richtlinien geben bzw. eine Gutachterakademie aufgebaut wird,“ betont Beer.

Brennpunkt berufliche Rehabilitation

Je schwerer und je länger jemand krank ist, desto größer ist die Gefahr des Arbeitsplatzverlustes und späterer Invalidität. Allerdings gilt der Rechtsanspruch auf berufliche Rehabilitationsmaßnahmen nur für Personen mit Berufsschutz. Ab 2014 wird es zumindest zur Pflichtaufgabe des AMS, Schulungsmaßnahmen auch für Unqualifizierte anzubieten. Dafür werden bis 2018 kalkulierte 280 Millionen Euro veranschlagt. Generell basieren AMS-Maßnahmen auf einem Gutachten, müssen zielorientiert umgesetzt werden und zumutbar sein.

Unter „zumutbar“ versteht man: die Invalidität kann beseitigt und eine dauerhafte Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt sichergestellt werden. Daneben werden eine physische und psychische Eignung, das Alter sowie der Gesundheitszustand evaluiert. Eine Rehabilitation nach unten ist nur mit Zustimmung des Versicherten möglich. Das Umschulungsgeld während der Reha wird vom AMS ausbezahlt und liegt 22 Prozent über dem Arbeitslosengeld. Bei der Umschulung gibt es strenge Mitwirkungspflichten.

„Prävention“ als Triebfeder

„Prävention“ ist eine der Leitlinien, denn durch rechtzeitige Unterstützung und Hilfe lassen sich die meisten Leiden rechtzeitig eindämmen. Dabei bedarf es aber eines grundlegenden Mentalitätswandels, bei dem die Dienstgeber miteinbezogen werden müssen. Prävention und Gesundheitsförderung muss vor allem in den Betrieben stattfinden. Prognosen zufolge ließe sich die Zahl der unter 50jährigen I-Pension-Beziehern mit vernünftiger psychosozialer Betreuung um fast 80 Prozent oder annähernd 5.500 Betroffene reduzieren. Ein wirkungsvolles und zielgerichtetes Sachleistungsangebot ist dabei unumgänglich, „zentral ist hier eine funktionsfähige psychotherapeutische Versorgung“, ist sich Karin Beer sicher.

Fit2Work: Institution mit Herz & Hirn

Für eine reibungslose Umsetzung der Reform ist ein wirksames Zusammenspiel zwischen den verschiedenen beteiligten Institutionen notwendig. Fit2work kommt dabei eine tragende Rolle als Anlauf- und auch Schnittstelle zu. Zielgruppe sind unselbstständig und selbstständig Erwerbstätige, die krankheitsbedingt Schwierigkeiten am Arbeitsplatz haben, ebenso wie Personen, die aufgrund von Krankheit ihren bereits verloren haben. Aber auch Betrieben und Belegschaftsvertretungen steht die Personenberatung zur Verfügung.

Die Ziele von Fit2Work sind die Förderung und der Erhalt der Arbeitsfähigkeit und die Arbeitsplatzsicherung. Dabei werden neue Perspektiven für Arbeitnehmer und Betriebe geschaffen. Nach einer Bestandsaufnahme zur Arbeits-, Gesundheits- und psychosozialen Situation wird über andere Angebote zuallererst informiert. Mit dabei ein profundes Case-Management mit einem arbeitsmedizinischen Basischeck in Zusammenarbeit mit dem Arbeitsmedizinischen Dienst Salzburg. Handlungspläne werden erstellt und die Umsetzung begleitet. „Erst im Wechselspiel zwischen den Institutionen, den Beteiligten und Betrieben lässt sich gesundheitspolitische Effizienz tatsächlich umsetzen“, bestätigt Karin Beer.

  • © 2018 AK Salzburg | Markus-Sittikus-Straße 10, 5020 Salzburg, +43 (0)662 86 87

  • Datenschutz
  • Impressum