Trotz Verbesserungen noch Luft nach oben bei Anerkennung von Ausbildung

Noch immer ist rund ein Viertel der Migrantinnen und Migranten für ihre gegenwärtige berufliche Tätigkeit überqualifiziert. AK-Vizepräsident Othmar Danninger wies deshalb  in seiner Eröffnungsrede der Veranstaltung „Anerkannt!? Hürden und gesetzliche Initiativen im Kontext der Anerkennung von aus dem Ausland mitgebrachten Qualifikationen“ darauf hin, wie wichtig für Arbeiterkammer und Gewerkschaften eine ausbildungsadäquate Arbeitsmarktintegration sei – und ein Schlüssel dazu ist eben eine möglichst rasche, einfache und kostengünstige Anerkennung ausländischer Qualifikationen und Bildungsabschlüsse.

Existierende Beratungsangebote noch wenig bekannt

Den Organisatoren der Fachtagung - neben der AK waren dies der Verein zur Betreuung und Beratung von AusländerInnen in Salzburg (VeBBAS), das Zentrum für MigrantInnen Oberösterreich („migrare“) und das Beratungszentrum für Migrantinnen und Migranten (Wien) -  war es ein besonderes Anliegen, bei der Fachtagung auch die Anlaufstellen für im Ausland erworbenen Qualifikationen (AST) vorzustellen, um diese spezialisierte Beratungseinrichtung bekannter zu machen. So bietet die AST in Salzburg derzeit zwei Mal wöchentlich im Arbeitsmarktservice (AMS) die Möglichkeit einer kostenlosen, mehrsprachigen Information und Beratung für alle Personen mit im Ausland erworbenen formellen Qualifikationen mit Fragen zur Anerkennung, bzw. beruflichen Verwertung.

Dequalifikation frustriert und behindert Integration

Die berufliche Karriere hängt eng mit den in Schule und Ausbildung erworbenen Kompetenzen zusammen – das ist nichts Neues. Schwierig wird es aber, wenn Qualifikationen im Ausland erworben wurden und in Österreich geltend gemacht werden sollen. Dann nämlich ist es in vielen Fällen notwendig, einen Antrag auf Anerkennung zu stellen. Unterbleibt dies und nehmen Betroffene eine Berufstätigkeit unter ihrer eigentlichen Qualifikation auf, so spricht man von „Dequalifkation“. 

Bereits im Jahr 2013 veranstaltete die AK eine Tagung mit dem Titel „Verschenktes Potenzial“, bei der namhafte Migrationsexperten nach Salzburg eingeladen wurden. Motivation zur Veranstaltung war der Versuch, die Salzburger Öffentlichkeit ein Stück weit für die Problematik der Dequalifikation als Hürde für eine nachhaltige Arbeitsmarktintegration zu sensibilisieren.

„Es geht darum, dass wir nicht hinnehmen können, wenn an sich gut ausgebildete Menschen in schlecht bezahlten Jobs landen, aus denen sie womöglich ein ganzes Arbeitsleben lang nicht mehr herauskommen. Wird hier eine Abwärtsspirale in Gang gesetzt, dann schadet dies nicht nur den Betroffenen selbst, sondern der gesamten Arbeitnehmerschaft und auch der Volkswirtschaft als Ganzes“,  so AK-Vizepräsident Danninger.

Studie im Auftrag der AK untersucht „Anerkennungshürden“

Vor diesem Hintergrund hat die Arbeiterkammer Salzburg den Fachbereich Soziologie der Universität Salzburg beauftragt, zu untersuchen, warum bereits erworbene Bildungs- und Berufsabschlüsse im aktuellen Erwerbsleben nicht umgesetzt werden können und warum nur wenige Migrantinnen und Migranten eine Anerkennung ihrer Ausbildung anstreben. Das Besondere an dieser Analyse war, dass die Sicht der Betroffenen stärker in den Fokus gerückt wurde: Es wurde danach gefragt, wie diese mit dem System zurechtkommen und welche Erfahrungen sie gemacht haben.

Ao. Univ.-Prof. Dr. Martin Weichbold, einer der beiden Studienautoren, präsentierte vor rund 100 interessierten Zuhörerinnen und Zuhörern zentrale Ergebnisse: In der Studie wurde deutlich, dass aufgrund unterschiedlichster Hürden oftmals von einer Anerkennung der Qualifikationen abgesehen wird. Fehlende Informationen über den Anerkennungsprozess, Unklarheit über die zuständigen Stellen bzw. Anforderungen, fehlende Unterlagen oder Zweifel, dass eine Anerkennung bessere Chancen am Arbeitsmarkt nach sich zieht, aber auch zeitliche und finanzielle Belastungen sind Faktoren, die dazu führen können.

Es zeigt sich aber auch, dass neben einer guten Sprachkompetenz und Zugang zu Netzwerken eine entsprechende Unterstützungs- und Beratungsstruktur sich förderlich auf den Anerkennungsprozess auswirken kann.

Dass in Sachen Information rund um den Anerkennungsprozess noch Luft nach oben besteht, führt auch AK-Experte Stefan Bogner ins Treffen: „2014 haben von 827.000 Personen im erwerbsfähigen Alter mit ausländischen Bildungsabschlüssen gerade einmal 200.000, also nur knapp ein Viertel, einen Antrag auf Anerkennung ihrer mitgebrachten formalen Qualifikationen gestellt.“

Neues Gesetz bringt Verbesserungen, aber ist ausbaufähig

Im Sommer 2016 ist nach zweijährigen Vorarbeiten das „Anerkennungs- und Bewertungsgesetz“ (AuBG) in Kraft getreten. Zwei Vertreterinnen des Außenministeriums und Sozialministeriums erläuterten dem Publikum die Verbesserungen, die dieses Gesetz mit sich bringt. Bernadette Zsoldos (BMEIA) und Sigrid Röhrich (BMASK) hoben insbesondere den nunmehrigen Rechtsanspruch von Migrantinnen und Migranten auf eine Bewertung ihrer erworbenen Qualifikationen, eine maximal viermonatige Entscheidungsfrist (dauerte bisher oft Jahre) über die Anerkennung von Bildungsabschlüssen oder auch neue Service-Einrichtungen wie etwa das Anerkennungsportal http://www.berufsanerkennung.at/ hervor.

In der anschließenden Publikumsdiskussion zeigte sich, dass trotz dieser Maßnahmen, noch Verbesserungspotential bestehe. So wurde etwa kritisiert, dass die bestehenden Verfahren zur Anerkennung im Ausland erworbener Qualifikationen nach wie vor durch einen hohen Grad an Zergliederung sowie durch Unübersichtlichkeit in Bezug auf Zuständigkeiten gekennzeichnet sind und zudem oft mit hohen Kosten einhergehen. Klar positiv wurde die bisher geleistete Arbeit im Bereich der Anerkennungsberatung gewertet. 

Neue Geschäftsführung bei veBBAS

AK-Vizepräsident Othmar Danninger, seit einem Jahr Obmann der arbeitsmarktpolitischen Betreuungseinrichtung „VeBBAS“, konnte zum Abschluss der Veranstaltung noch mit einer interessanten Personal-Info aufwarten: Die langjährige VeBBAS-Geschäftsführerin Margit Öppmayr geht im kommenden Frühjahr in den wohlverdienten Ruhestand - Elisabeth Zelger wird ihr in dieser Funktion nachfolgen und mit Ihrem Team 2017 neu durchstarten. „Als AK und ÖGB sichern wir dem Verein VeBBAS dafür unsere volle Unterstützung zu. Einfach deshalb, weil gerade Migrantinnen und Migranten den Arbeitnehmerstatus haben und daher interessenspolitisch von großer Bedeutung sind.“  

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