"Rosa Luxemburg würde sich im Grab umdrehen!"

Zu Ehren des internationalen Frauentags 2017 holten Arbeiterkammer und Gewerkschaft das Portrait-Theater „Geheimsache Rosa Luxemburg“ nach Salzburg. Der Andrang war groß: Mit über 150 Gästen war gestern Abend (6. März) der Veranstaltungssaal im Parkhotel Brunauer bis auf den letzten Platz gefüllt.

Das Portrait-Theater – bestehend aus Anita Zieher (Schauspiel), Ingrid Oberkanins (Percussions) – zeigte das Leben einer Frau, die noch heute als eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der europäischen ArbeiterInnenbewegung gilt.

Ihre Ansichten, ihr Kampf für die Rechte der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer waren einzigartig in der Geschichte – nicht zuletzt kostete ihr dieses unermüdliche Engagement ihr Leben. „Ihr Kampfgeist wirkt bis heute nach und soll Frauen dazu ermutigen, für ihre Rechte und ihre Unabhängigkeit einzustehen“, so AK-Vizepräsidentin Gabi Proschofski. 

Frauen verdienen (noch immer) um ein Viertel weniger

Am 8. März jährt sich der internationale Frauentag bereits zum 106. Mal. „Seit 1911 hat sich – dank Frauen wie Rosa Luxemburg – viel getan. Es gibt das allgemeine Frauenwahlrecht, Arbeitsschutzgesetze, Mutterschutz usw.“, so AK-Frauenreferentin Ines Grössenberger. „Dennoch sind Forderungen der ersten Stunde, wie ,gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit‘, bis heute noch nicht umgesetzt.“

Dies bestätigen einmal mehr die aktuellen Einkommenszahlen des Bundeslandes Salzburg: Frauen verdienen mit 2.633 Euro brutto im Monat um ein Viertel weniger als ihre männlichen Kollegen. Der Grund: Weiblich dominierte Berufsfelder sind deutlich schlechter bewertet und bezahlt. 100.000 Salzburgerinnen (71,7 Prozent) verdienen unter 1.500 Euro netto im Monat, bei Männern sind es 45,7 Prozent.

Und: Jede zweite Frau arbeitet in Teilzeit bzw. befindet sich in einem prekären Arbeitsverhältnis. „Denn nur so können unbezahlten Haus- und Pflegearbeiten mit der Erwerbsarbeit vereinbart werden“, sagt ÖGB-Landesfrauenvorsitzende Sissy Dobernig. „Was zur Folge hat, dass sich viele Frauen somit ihre Existenz nicht selbständig sichern können.“

ÖGB warnt vor Folgen der Flexibilisierung

In diesem Zusammenhang verwies ÖGB-Landesgeschäftsführerin Heidi Hirschbichler auf das aktuelle Thema Arbeitszeitflexibilisierung „Die von der Wirtschaft angestrebte Flexibilisierung ist in Wahrheit Lohnraub durch die Hintertür. Bei mehrjährigen Durchrechnungszeiträumen wird es künftig keine Überstundenzuschläge mehr geben.“ Außerdem würde der immer wieder ins Spiel gebrachte 12-Stunden-Tag dazu führen, dass weniger Frauen am Erwerbsleben teilnehmen können. „In Salzburg gibt es so gut wie keine Kinderbetreuungseinrichtung, die zwölf Stunden geöffnet hat. Wer betreut also die Kinder, wenn Mama und Papa wieder einmal zum 12-Stunden-Tag eingeteilt werden?“

Zudem ging Hirschbichler auf die aktuelle Debatte bezüglich 1500 Euro Mindestlohn ein. „Es ist eine Schande, wenn Menschen bei Vollzeitarbeit weniger als 1500 Euro verdienen. Der ÖGB wird sich dafür einsetzen, dass in naher Zukunft 1500 Euro Mindestlohn – als Zwischenetappe zur gewerkschaftlichen Forderung nach 1700 Euro Mindestlohn – umgesetzt werden. Da die Einkommen vor allem in frauendominierten Branchen unter dieser Marke liegen, würden überwiegend Frauen von dieser Erhöhung profitieren“, so Hirschbichler.

ÖGB-Frauensekretärin Sarah Nelwek: „Auch wenn seit 1911 viel umgesetzt worden ist, ist es aufgrund bestehender Ungerechtigkeiten unabdingbar, den internationalen Frauentag als Anlass zu nehmen, Schieflagen in den Geschlechterverhältnissen aufzuzeigen und dagegen anzukämpfen!“

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