3.4.2019

Wahlfreiheit bleibt für viele Eltern ein Fremdwort

Die aktuelle Studie „Elementare Kinderbildung und –betreuung“ der Salzburger Arbeiterkammer zeigt erneut, dass unser Bundesland nicht nur weit hinter dem so genannten „Barcelona-Ziel“, sondern auch im Österreichvergleich nach wie vor hinterherhinkt. Demnach kommt Salzburg bei den unter 3-jährigen Kindern nur auf eine Betreuungsquote von 19,9 Prozent (Barcelona, bzw. EU-Vorgabe sind 33 Prozent und der Österreichschnitt beträgt 26,1 Prozent) und ist damit im Tabellenkeller des Bundesländer-Rankings zu finden. Auch bei den 3- bis 5-Jährigen liegt Salzburg hinter dem Österreichschnitt. Problematisch ist, dass nicht einmal ein Drittel (29,7 Prozent) der Einrichtungen mit einem Vollzeitjob beider Eltern vereinbar ist. Dazu kommen hohe Kosten: Eltern mit 2 Kindern, eines im Kindergarten und eines in der Krabbelgruppe, müssen im Schnitt fast 400 Euro auf den Tisch legen. Das sind 13 Prozent eines durchschnittlichen Haushaltseinkommens, bzw. 20 Prozent bei Alleinerziehenden.

Unsere Forderungen

Für eine wirkliche Chancengleichheit aller Kinder, unabhängig von den finanziellen Möglichkeiten der Eltern und für eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie und eine echte Wahlfreiheit der Salzburgerinnen und Salzburger fordern wir:

  • Rechtsanspruch eines jeden Salzburger Kindes auf einen professionell geführten und kostengünstigen Platz in einer elementaren Bildungseinrichtung. Nur mit Rechtssicherheit können Eltern tatsächlich frei entscheiden.
  • Konkrete und verpflichtende Bestimmungen zur Bedarfsplanung der Gemeinden ohne „Schlupflöcher“ (a la „nach Maßgabe der finanziellen Mittel“); kürzere Intervalle bei den Bedarfserhebungen.
  • Ein kostenloses, ganztägiges letztes Kindergartenjahr sowie ein 2. kostenloses Kindergartenjahr.
  • Langfristig muss der Zugang zu elementaren Bildungseinrichtungen bis 2025 kostenfrei sein. Es ist sozial- und bildungspolitisch notwendig, dass der Besuch von elementaren Bildungseinrichtungen nicht an die finanziellen Möglichkeiten der Eltern gebunden ist.
  • Der Ausbau muss verpflichtend anhand der VIF-Kriterien erfolgen, um eine echte Vereinbarkeit für die Eltern zu ermöglichen.
  • Ausbau und Förderung betrieblicher Kinderbetreuungsangebote.
  • Verbesserung und Sicherung der Qualität der Angebote durch kleinere Gruppengrößen und bessere Betreuungsschlüssel, denn: Elementare Bildungseinrichtungen sind Bildungsträger und wesentlich verantwortlich für frühkindliche Förderung und Vermittler von sozialem Lernen.
  • Umsetzung weiterer qualitativer Änderungen, z.B. Erhöhung des Männeranteils, Ausbildung aller Pädagoginnen und Pädagogen auf tertiärem Niveau sowie entsprechende Entlohnung. Förderung von Bildungsschwerpunkten von Einrichtungen.
  • Wahlrecht der Eltern: Generell sollte künftig die Wahl des Ortes der Kinderbetreuung vollkommen unabhängig vom Wohnsitz des Kindes sein. Das würde berufstätigen Eltern jene Mobilität und Flexibilität geben, um den Gegebenheiten am Arbeitsmarkt entsprechen zu können.
  • Förderung von Gemeindekooperationen bei der Ausweitung des Angebots an elementaren Bildungseinrichtungen.

AK-Studie im Detail

Salzburg erfüllt EU-Ziel für 3-Jährige nicht

Salzburg liegt auch 2017/2018 nach wie vor hinter dem Barcelona-Ziel zurück, wonach bereits im Jahr 2010 für 33 Prozent der unter 3-jährigen Kinder ein Platz in einer institutionellen elementaren Bildungseinrichtung zur Verfügung gestellt hätte werden müssen. Im Betreuungsjahr 2016/2017 wurden nur 19,9 Prozent der unter 3-jährigen Kinder institutionell betreut.

Salzburg hinkt im Bundesländervergleich hinterher

19,9 Prozent der Kinder unter 3 Jahre werden in Salzburg institutionell in elementaren Bildungseinrichtungen betreut. Im Österreichschnitt sind es 26,1 Prozent (z.B. Wien 44,2 Prozent, Burgenland 31,4 Prozent).

Hohe Betreuungsquoten im Kindergartenalter

Bei den 3- bis 5-Jährigen liegt die institutionelle Betreuungsquote in Salzburg bei 92,8 Prozent. Dennoch liegen wir hinter dem Österreichschnitt von 93,4 Prozent (z.B. Burgenland 97,2 Prozent, Niederösterreich 96,7 Prozent).

Besonders in den Bezirken fehlen Angebote für unter 3-Jährige

Überhaupt kein institutionelles Angebot an elementaren Bildungseinrichtungen (Krabbelgruppe oder alterserweiterte Gruppe) für Kleinkinder gibt es in 22 Salzburger Gemeinden: 5,4 Prozent der Gemeinden im Bezirk Salzburg-Umgebung, 20 Prozent im Bezirk St. Johann im Pongau, 53,3 Prozent im Bezirk Tamsweg und 25 Prozent im Bezirk Zell am See. Nur im Bezirk Hallein gibt es in allen Gemeinden ein Angebot für unter 3-Jährige.

2/3 der Angebote nicht mit Vollzeitjob beider Eltern vereinbar

Eine Analyse anhand des Vereinbarkeitsindikators für Familie und Beruf (VIF) zeigt: Nur 29,7 Prozent aller Einrichtungen im Bundesland Salzburg sind mit einem Vollzeitjob beider Elternteile vereinbar. Zudem zeigt sich ein starkes Stadt-Land-Gefälle: Während in der Stadt Salzburg 37,7 Prozent der Einrichtungen die VIF-Kriterien erfüllen, sind es im Bezirk Tamsweg nur 16 Prozent der Einrichtungen. Damit sind insgesamt 345 Einrichtungen im Bundesland nicht mit einer Vollzeitbeschäftigung vereinbar, weil sie z.B. keine berufsfreundlichen Öffnungszeiten anbieten oder mehr als 5 Wochen im Jahr geschlossen haben.

Herausforderung Ferienbetreuung

49 Prozent der Einrichtungen im Bundesland Salzburg haben zwischen 6 und 12 Wochen im Jahr geschlossen. Die Schließzeiten sind mit dem gesetzlichen Urlaubsanspruch von grundsätzlich 5 Wochen nicht vereinbar. In mehr als jeder  2. Salzburger Gemeinde fehlen Einrichtungen, die maximal 5 Wochen im Jahr geschlossen hat.

Öffnungszeiten müssen mit Erwerbstätigkeit vereinbar sein

Weniger als die Hälfte aller Einrichtungen in Salzburg bietet tägliche Öffnungszeiten von mindestens 9 Stunden an. Bei den Kindergärten sind es 59 Prozent. Erst bei Öffnungszeiten von mindestens 45 Stunden ist eine tägliche Arbeitszeit von 8 Stunden plus Fahrtzeit zwischen Arbeitsplatz und Einrichtung tatsächlich möglich.

Hohe monatliche Kosten

Salzburger Eltern sind mit hohen monatlichen Kosten für elementare Bildungseinrichtungen konfrontiert. Die mittleren Elternbeiträge betrugen im Jahr 2016/2017 bei Krabbelgruppen 280 Euro, bei Kindergärten 92 Euro, bei alterserweiterten Gruppen 166 Euro und bei Horten 87,5 Euro. Dazu kommen noch die Kosten für ein Mittagessen in der durchschnittlichen Höhe von 3,1 Euro pro Tag und Kind dazu.

Für eine Familie mit 2 Kindern, von denen eines eine Krabbelgruppe und eines einen Kindergarten besucht, betragen die monatlichen Kinderbetreuungskosten bei einer Ganztagesbetreuung rund 390 Euro. Ausgegangen wird von den mittleren Elternbeiträgen im Bundesland Salzburg (Krabbelgruppe 280 Euro, Kindergarten 92 Euro) zuzüglich den durchschnittlichen Kosten für Mittagessen (Krabbelgruppe 56,9 Euro, Kindergarten 60,7 Euro) abzüglich der Landesförderung in Höhe von 50 Euro pro Kind für einen Ganztagesbetreuungsplatz. Beispiele:

Ausgehend von einem durchschnittlichen Nettoeinkommen von Männern in Höhe von 1.812 Euro und von Frauen in Höhe von 1.202 Euro beträgt das Haushaltsnettoeinkommen 3.014 Euro. Die Kinderbetreuungskosten machen in diesem Beispiel 13 Prozent des Haushaltseinkommens aus.

Bei einer Alleinerzieherin in Vollzeitbeschäftigung mit einem Durchschnittsnettoeinkommen in Höhe von 1.932 Euro netto würden die Kinderbetreuungskosten 20 Prozent ihres Einkommens ausmachen. (Allfällige Unterhaltskosten wurden bei diesem Berechnungsbeispiel nicht miteinberechnet.)

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