16.01.2020

AK-Präsident Eder: Wo bleibt der Gratis-Kindergarten in Salzburg?

Bereits 5 Bundesländer bieten eine teilweise oder gänzlich kostenfreie Kinderbetreuung für unter 6-Jährige an. In Salzburg ist man davon meilenweit entfernt – kürzlich veröffentlichte Zahlen zeigen, dass die Elterntarife seit der letzten Erhebung weiter gestiegen sind. AK-Präsident und ÖGB-Landesvorsitzender Peter Eder: „Neben den exorbitant gewordenen Wohnpreisen stöhnen Familien auch zunehmend unter den hohen Kinderbetreuungskosten. Es ist höchste Eisenbahn, dass die Salzburger Landesregierung in Sachen Kostenfreiheit bei der Kinderbetreuung endlich in die Gänge kommt, andere Bundesländer zeigen vor, dass das möglich ist.“ Eine Familie mit 2 Kindern in Kindergarten und Krabbelstube zahlt durchschnittlich fast 470 Euro monatlich. 

Vor kurzem wurden von der Salzburger Landesstatistik die Elterntarife 2018/2019 publiziert. Dabei zeigt sich, dass die Durchschnittswerte der Elterntarife im Vergleich zu den letzten bekannten Daten aus 2016/2017 weiter angestiegen sind. Von einer finanziellen Entlastung für Familien kann also keine Rede sein.

Hohe monatliche Kosten – rund 470 Euro im Schnitt

Für eine Familie mit 2 Kindern, von denen eines eine Krabbelgruppe und eines einen Kindergarten besucht, betragen die monatlichen Kinderbetreuungskosten bei einer Ganztagesbetreuung mit Mittagessen durchschnittlich 468,40 Euro.

Die Kosten setzen sich wie folgt zusammen: Die mittleren Elternbeiträgen im Bundesland Salzburg betragen 300 Euro für die Krabbelgruppe und 95 Euro für den Kindergarten. Hinzu kommen durchschnittlichen monatliche Kosten für Mittagessen: Krabbelgruppe 60,5 Euro, Kindergarten 62,9 Euro, abzüglich der Landesförderung in Höhe von 25 Euro pro Kind für einen Ganztagesbetreuungsplatz.

Ausgehend von einem durchschnittlichen Nettoeinkommen von Männern in Höhe von 1.836 Euro und von Frauen in Höhe von 1.224 Euro beträgt das Haushaltsnettoeinkommen 3.060 Euro. Die Kinderbetreuungskosten machen in diesem Beispiel 15,3 Prozent des  Haushaltseinkommens aus.

Bei einer Alleinerzieherin in Vollzeitbeschäftigung mit einem Durchschnittsnettoeinkommen in Höhe von 1.976 Euro netto würden die Kinderbetreuungskosten 23,7 Prozent ihres Einkommens ausmachen (allfällige Unterhaltskosten wurden bei diesem Berechnungsbeispiel nicht miteinberechnet).

Salzburg im Hintertreffen

AK-Präsident Peter Eder erinnert: „Beim neuen Salzburger Kinderbildungs- und -betreuungsgesetz, das seit 1.9.2019 in Kraft ist, wurde vom Land wieder verabsäumt, erste Schritte in Richtung kostenlose Elementarbildung zu setzen.“

Denn es wurden lediglich die Mindesttarife minimal gesenkt sowie die Einkommensgrenzen für den Kinderbetreuungsfonds leicht angehoben. Daher befürchtet die Arbeiterkammer, dass die Tarife noch weiter ansteigen werden und Salzburger Eltern mit immer höheren Kosten für die Kinderbetreuung konfrontiert sein werden. Eder: „Salzburgs Familien brauchen aber keine Almosenleistungen, sondern eine qualitativ hochwertige und leistbare Kinderbetreuung. Für eine bessere Vereinbarkeit, die Chancengleichheit aller Kinder – unabhängig von finanziellen Möglichkeiten der Eltern – ist es unabdingbar, dass die Kinderbetreuung günstiger bis kostenlos wird.“

AK fordert Gratiskindergarten

Andere Bundesländer zeigen vor wie es geht:

  • In Wien ist die Bildung und Betreuung bis 6 Jahre gratis.
  • Das Burgenland hat mit November 2019 den Gratis-Kindergarten für alle Kinder unter 6 Jahren eingeführt.
  • Kärnten führt seit 2018 schrittweise Gebührensenkungen ein, mit dem Ziel, den Kindergarten gratis zu gestalten.
  • In Oberösterreich ist zumindest die Halbtags-Betreuung für 3- bis 6-Jährige kostenfrei.
  • In Niederösterreich ist der Vormittag ebenfalls kostenfrei.

„Warum ist das bei uns in Salzburg nicht möglich?“, fragt der AK-Präsident, „ich fordere die Salzburger Landesregierung auf, endlich Maßnahmen zu setzen, damit der Zugang kostengünstiger bis kostenlos wird.“

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