09.09.2022

Kinderbetreuung: Salzburg bleibt Nachzügler

Versorgungslücken, niedrige Betreuungsquoten, hohe Preise und Öffnungszeiten sowie Ferienschließzeiten, die kaum mit den Arbeitszeiten der Eltern zusammenstimmen. Unsere aktuelle Kinderbetreuungsstudie zeigt kaum Verbesserungen im Vergleich zum Vorjahr.  

Die politisch Verantwortlichen sind gefordert, die Versorgungslage zu verbessern. Denn: Flächendeckende, qualitätsvolle und für die Eltern leistbare elementare Bildungs- und Betreuungseinrichtungen für Kinder aller Altersgruppen sind entscheidende Voraussetzungen für die bestmögliche Entwicklung und Förderung aller Kinder. Und wesentliche Rahmenbedingung für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.


Salzburg erfüllt EU-Ziel für unter 3-Jährige nicht

Salzburg liegt auch 2021/2022 nach wie vor hinter dem Barcelona-Ziel zurück, wonach bereits im Jahr 2010 für 33 Prozent der unter 3-jährigen Kinder ein Platz in einer institutionellen elementaren Bildungseinrichtung zur Verfügung gestellt hätte werden müssen. Im Betreuungsjahr 2021/2022 wurden nur 24,3 Prozent der unter 3-jährigen Kinder institutionell betreut.

Salzburg bei Betreuungsquoten auch im Bundesländervergleich zurück

24,3 Prozent1 der Kinder unter 3 Jahren werden in Salzburg institutionell in elementaren Bildungseinrichtungen betreut. Im Österreichschnitt sind es 29,1 Prozent (z.B. Wien 44,3 Prozent, Burgenland 96,4 Prozent).

Hohe Betreuungsquoten im Kindergartenalter

Bei den 3- bis 5-Jährigen liegt die institutionelle Betreuungsquote in Salzburg bei 93,2 Prozent. Hier liegt Salzburg knapp unter dem Österreichschnitt von 93,8 Prozent (Besonders hoch ist die Betreuungsquote z.B. in Niederösterreich 98,3 Prozent und Burgenland 96,4 Prozent).

Mehr als die Hälfte der Angebote mit Vollzeitjob beider Eltern nicht vereinbar

Eine Analyse anhand des Vereinbarkeitsindikators für Familie und Beruf (VIF) zeigt: Nur 31 Prozent aller Einrichtungen im Bundesland Salzburg sind mit einem Vollzeitjob beider Elternteile vereinbar. Damit sind insgesamt 328 Einrichtungen im Bundesland nicht mit einer Vollzeitbeschäftigung vereinbar, weil sie z.B. keine berufsfreundlichen Öffnungszeiten anbieten oder mehr als 5 Wochen im Jahr geschlossen haben.

Qualität der Angebote und Erwerbsbeteiligung der Frauen

Je besser das Angebot, desto höher die Erwerbsbeteiligung und desto mehr Frauen arbeiten in Vollzeit. Je schlechter das Angebot in einer Gemeinde ausgestaltet ist, desto geringer ist die Erwerbsquote der Frauen.

Ferienbetreuung als große Herausforderung für Eltern

36,9 Prozent der Einrichtungen im Bundesland Salzburg haben zwischen 6 und 15 Wochen im Jahr geschlossen. Die Schließzeiten sind mit dem gesetzlichen Urlaubsanspruch von grundsätzlich 5 Wochen nicht vereinbar. In 50 der 119 Salzburger Gemeinden gibt es keine einzige Einrichtung, die maximal 5 Wochen im Jahr geschlossen hat.

Ausbau an sozialer Infrastruktur schafft Arbeitsplätze

AK-Berechnungen zeigen, dass mit Investitionen in Höhe von 1 Prozent des BIP innerhalb von
5 Jahren die Lücken beim Kinderbildungs- und -betreuungsangebot geschlossen werden könnten
und auch erhebliche Beschäftigungseffekte damit verbunden sind.

Personalsituation spitzt sich zu

Seit Jahren zeichnet sich ein Nachwuchs- und Personalmangel im Bereich der Elementarbildung
ab – was aktuell dazu führt, dass nicht alle vorhandenen Plätze vergeben werden können.

Hohe monatliche Kosten als weitere Herausforderung

Salzburger Eltern sind mit hohen monatlichen Kosten für elementare Bildungseinrichtungen konfrontiert. Die mittleren Elternbeiträge betrugen im Jahr 2018/2019 bei Krabbelgruppen 300 Euro, bei Kindergärten 95 Euro, bei alterserweiterten Gruppen 175 Euro und bei Horten 90 Euro. Dazu kommen noch die Kosten für ein Mittagessen in der durchschnittlichen Höhe von 3,2 Euro pro Tag und Kind dazu.

 

unsere forderungen

Für eine wirkliche Chancengleichheit aller Kinder, unabhängig von den finanziellen Möglichkeiten der Eltern und für eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie und eine echte Wahlfreiheit der Salzburgerinnen und Salzburger fordern wir:

  • Rascher und qualitätsvoller Ausbau an elementaren Bildungseinrichtungen und Ganztagsschulen. Erst mit einem Angebot hochwertiger und flächendeckender sozialer Infrastruktur wird Vollzeitarbeit bzw. Teilzeitarbeit mit einem existenzsichernden Einkommen aller Geschlechter ermöglicht.
  • Ausbau und Förderung von betrieblichen Kinderbetreuungsangeboten.
  • Umsetzung des Barcelona-Ziels bei den unter 3-Jährigen in den nächsten 2 Jahren.
  • Rechtsanspruch eines jeden Salzburger Kindes auf einen professionell geführten und kostengünstigen Platz in einer elementaren Bildungseinrichtung. Zentral ist die Herstellung von Wahlfreiheit für alle Salzburger Familien. Nur mit einem Rechtsanspruch haben Eltern Rechtssicherheit und können tatsächlich frei entscheiden.
  • Der Zugang zu elementaren Bildungseinrichtungen muss bis 2025 kostenfrei sein: Es ist sozial- und bildungspolitisch unabdingbar, dass Bildung und Frühförderung durch elementare Bildungseinrichtungen nicht an die finanziellen Möglichkeiten der Eltern gebunden ist.
  • Forcierter Ausbau aller Angebote und Abstimmung der Anforderungen an die elterliche Arbeitswelt. Eltern brauchen eine funktionierende Infrastruktur, um Erwerbsaufnahme sowie Arbeitsplatzerhaltung gewährleisten zu können.
  • Verlässliche Öffnungszeiten insbesondere auch in den Ferienzeiten.
  • Verbesserung und Sicherung der Qualität der Angebote, denn: Elementare Bildungseinrichtungen sind Bildungsträger und wesentlich verantwortlich für frühkindliche Förderung und Vermittler von sozialem Lernen
  • Maßnahmen, um dem Personalmangel in den Kinderbildungs- und betreuungseinrichtungen
    entgegenzuwirken,
    • insbesondere kleinere Gruppengrößen und bessere Betreuungsschlüsse
    • mehr gruppenarbeitsfreie Zeit um der Vielzahl der zusätzlichen verpflichtenden
      Aufgabenfelder der Pädagoginnen und Pädagogen gerecht zu werden
    • planbare Arbeitszeiten und mehr Personal – für eine gute Vereinbarkeit auch für
      Beschäftigte in der Elementarbildung
    • ergonomisch ausgestattete Arbeitsplätze und lärmdämpfende Maßnahmen
    • Aufwertung der Elementarpädagogik und bessere Bezahlung
    • verpflichtende, regelmäßige Fortbildungen für alle Berufsgruppen in der Arbeitszeit
    • einheitliche Anstellungserfordernisse für Fachkräfte in der Elementarbildung
    • Qualifizierungsangebote für Zusatzkräfte, um sie zu pädagogischen Assistent:innen
      auszubilden
  • Wahlrecht der Eltern: Generell sollte künftig die Wahl des Ortes der Kinderbetreuung vollkommen unabhängig vom Wohnsitz des Kindes sein. Das würde berufstätigen Eltern jene Mobilität und Flexibilität geben, um den Gegebenheiten am Arbeitsmarkt entsprechen zu können.
  • Förderung von Gemeindekooperationen bei der Ausweitung des Angebots an elementaren Bildungseinrichtungen.
  • Schaffung eines flächendeckenden Angebots an Ganztagsschulen, bei denen Unterricht und Freizeitphasen verschränkt sind und eine Einheit bilden.

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