02.07.2019

Parlament setzt wichtige Schritte für Gleichstellung von Frau und Mann

„Der heutige Parlamentstag ist ein guter Tag für Frauen. Die beschlossene gesetzliche Anrechnung von Karenzzeiten sowie der Rechtsanspruch auf den Papa-Monat sind wichtige Schritte für mehr Gleichstellung zwischen Frauen und Männern“, zeigt sich AK-Präsident und ÖGB-Landesvorsitzender Peter Eder erfreut über die heute im Parlament gefallenen Beschlüsse. Aus seiner Sicht waren diese dringend notwendig, um die Einkommensschere zwischen Frauen und Männern etwas zu schließen und die Gleichstellung in der Familienarbeit zu fördern. Wermutstropfen: Der volle Lohnausgleich beim Papa-Monat lässt weiter auf sich warten.

Bislang hatten Frauen mit Kindern mehrere finanzielle Nachteile, wenn sie längere Zeit in Karenz verbracht haben. Ihr Verdienst fiel niedriger aus, weil sie langsamer im Lohn- und Gehaltsschema vorrückten, daraus resultierten kleinere Pensionen und sie mussten länger auf den Anspruch der sechsten Urlaubswoche warten. Die fehlende volle Anrechnung von Karenzzeiten hat sich darüber hinaus negativ auf Kündigungsfristen und die Dauer der Entgeltfortzahlung im Krankenstand ausgewirkt. Ausschlaggebend dafür war, dass von zwei Jahren Karenzzeit maximal 10 Monate angerechnet worden waren. Mit dem heutigen Parlamentsbeschluss gehört diese Benachteiligung der Vergangenheit an.

Lebensverdienstsumme steigt wesentlich

„Zwar konnte die Anrechnung der Karenzzeiten bereits in einigen Kollektivverträgen verankert werden. Gerade in frauendominierten Branchen ist diese kollektivvertragliche Gleichstellung allerdings an den Arbeitgebern gescheitert. Die gesetzliche Regelung begrüße ich daher sehr“, stellt ÖGB-Landesfrauenvorsitzende Petra Berger-Ratley klar. Sie streicht insbesondere die positiven Auswirkungen auf das Lebenseinkommen von Frauen hervor. Dieses steigt um rund drei Prozent, wenn Karenzzeiten voll angerechnet werden. In Zahlen: Pro Kind wird sich die Lebensverdienstsumme durch die frühere Vorrückung im Lohn- und Gehaltsschema mit mehr als 5.000 Euro erhöhen.

Papa-Monat gut, aber ausbaufähig

Ausdrücklich begrüßt wird auch der Rechtsanspruch auf den Papa-Monat. Zwar konnten Väter bislang die „Familienzeit“ von maximal 31 Tagen in Anspruch nehmen, waren dabei jedoch vom guten Willen des Arbeitgebers abhängig. Dass viele Jungväter diesen Schritt scheuen, belegt ein Blick in die Statistik: Von März 2017 bis Juni 2018 wurden in Salzburg bei 7.700 Geburten nur 439 Anträge auf Familienzeitbonus gestellt, das entspricht einem Anteil von rund 5,5 Prozent.

Bei der Freude über das nunmehrige Recht der Väter den ersten Monat nach der Geburt mit Frau und Kind zu Hause verbringen und so eine noch engere Bindung aufbauen zu können, bleibt doch ein Wermutstropfen. „Der Familienzeitbonus beläuft sich auf rund 700 Euro monatlich. Der Papa-Monat wird nur dann wirklich attraktiv, wenn finanzielle Absicherung gegeben ist. Es braucht daher den vollen Lohnausgleich während dieser Zeit“, stellt AK-Frauenreferentin Ines Grössenberger klar.

„Ein erster Schritt ist gesetzt, weitere werden hoffentlich folgen. Auch wenn die jetzige Regelung noch nicht perfekt ist, so stellt sie doch einen wichtigen Beitrag für die partnerschaftliche Teilung von Betreuungs- und Sorgearbeit dar, welche nicht zuletzt maßgeblich für die Erwerbsbeteiligung und die unabhängige finanzielle Existenzsicherung von Frauen ist“, so Grössenberger abschließend.

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