AK-Studie Kinderbetreuung

Damit Familie und Beruf unter einen Hut gebracht werden können, braucht es echte Wahlfreiheit. Von einem solchen Privileg sind Salzburgs Familien aber noch weit entfernt. Das zeigt unser aktuelle Studie: „Kinderbetreuung in Salzburg“.

Kinderbetreuung ausbauen

Das derzeitige Angebot an elementaren Bildungseinrichtungen in Salzburg weist große Lücken auf. So zeigt sich bei Angeboten und Öffnungszeiten immer noch ein großes Stadt-Land-Gefälle. Elementare Bildungseinrichtungen mit Öffnungszeiten, die Vollzeitarbeit für beide Elternteile ermöglichen, sind nach wie vor Mangelware: Derzeit erfüllt nur jede dritte Institution den Vereinbarkeits-Indikator für Familie und Beruf (VIF-Kriterien). So wundert es kaum, dass die Betreuungsquote bei den unter 3-Jährigen lediglich bei 19 Prozent liegt – weit weg vom Barcelona-Ziel der EU, wonach bereits 2010 eine Betreuungsquote von 33 Prozent hätte erreicht werden sollen.

„Wenn Berufstätige nicht wissen, wie sie alles unter einem Hut bringen sollen, weil die Krabbelstube später aufsperrt als der Job beginnt, in den Ferienzeiten schließt und der Urlaubsanspruch dafür nicht ausreicht, dann gibt es keine echte Wahlfreiheit“, kritisiert AK-Präsident Peter Eder. „Deswegen fordere ich den Ausbau der institutionellen Kinderbetreuung, insbesondere für die unter 3-Jährigen. Nur dann ist Vereinbarkeit von Beruf und Familie möglich.“

Wiedereinstieg fördern

Wie die AK-Studie weiter zeigt, sind die Salzburgerinnen gezwungen – aufgrund des fehlenden Angebots – die Arbeit zu reduzieren, zu beenden oder länger als geplant, zuhause zu bleiben: Der Großteil der Frauen (56 Prozent) steigt erst mit dem 2. Geburtstag des Kindes wieder in das Berufsleben ein. Der Wiedereinstieg würde in vielen Fällen schneller verlaufen, wenn sich auch mehr Männer an der Betreuung des Kindes beteiligen würden. Die Männerbeteiligung liegt im Bundesland Salzburg mit 14 Prozent weit unter dem Österreichschnitt (18 Prozent).

Eine spätere Rückkehr ins Berufsleben ist mit gravierenden Folgen verbunden: Auch wenn der Wunsch nach einem Vollzeitjob besteht - haben Frauen oft keine Wahl und können nur in Teilzeit arbeiten, weil sie sonst Familie und Beruf nicht unter einen Hut bringen würden. Das heißt: Weniger Geld zum täglichen Leben und geringere Pensionen – Stichworte: Working Poor und Altersarmut.

„Das muss sich ändern“, sagt AK-Präsident Peter Eder an die Adresse der Politik: „Damit Frauen schneller ins Berufsleben einsteigen können, braucht es unter anderem auch endlich einen Rechtsanspruch auf Familienzeitbonus mit Kündigungsschutz, um die partnerschaftliche Teilung zu fördern. Und: Genügend Arbeitgeber, die auf die Bedürfnisse der Eltern Rücksicht nehmen und den Wiedereinstieg in den Beruf unterstützen – etwa durch flexible Arbeitszeitmodelle. Die Betreuung des Kindes darf nicht nur an den Frauen hängenbleiben. Das hat nichts mit Gleichberechtigung zu tun.“

Kinderbetreuungsangebot in Salzburg

Um Vereinbarkeit von Beruf und Familie überhaupt gewährleisten zu können, braucht es flächendeckende und qualitätsvolle Kinderbetreuungsplätze für unter 3-Jährige. Wie sieht das Angebot in Salzburg aus? Um diese Frage zu beantworten hat die Arbeiterkammer Salzburg 549 Betreuungseinrichtungen unter die Lupe genommen.

Betreuungsquote: Salzburg hinkt hinterher

  • Nur 19 Prozent der unter 3-jährigen Kinder werden im Bundesland Salzburg institutionell betreut. Die höchste Betreuungsquote mit 25,6 Prozent weist die Stadt Salzburg auf. Das Schlusslicht bildet der Bezirk Zell am See mit 14,9 Prozent.
  • Damit liegt Salzburgs Betreuungsquote bei den unter 3-jährigen Kindern weit hinter dem Barcelona Ziel: Schon 2010 hätte für 33 Prozent der unter 3-Jährigen Kinder ein Betreuungsplatz zur Verfügung gestellt werden müssen.
  • Im Bundesländervergleich (sowohl bei den unter 3-Jährigen als auch bei den 3 bis 5-Jährigen) belegt Salzburg einen Platz im hinteren Drittel.
  • Überhaupt kein institutionelles Betreuungsangebot für Kleinkinder (weder Krabbelgruppe noch alterserweiterte Einrichtung) gibt es zum Erhebungsstichtag 15. Oktober 2016 in 22 Gemeinden (16,9 Prozent der Salzburger Gemeinden).
  • Es gibt ein deutliches Nord-Süd-Gefälle: In den Bezirken Salzburg und Hallein gibt es flächendeckend Kinderbetreuungsplätze für unter 3-Jährige. Ein anderes Bild zeichnen die südlichen Bezirke: Jede vierte Gemeinde im Bezirk Zell am See bzw. jede zweite Gemeinde im Bezirk Tamsweg besitzt kein Kinderbetreuungsangebot.

Nur jede 3. Einrichtung ermöglicht Vereinbarkeit mit Beruf

  • Der VIF-Indikator wurde bereits 2003 von der Arbeiterkammer entwickelt, um festzustellen, ob ein Betreuungsangebot die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglicht. Denn: ein vorhandenes Angebot allein entscheidet noch nicht darüber, ob insbesondere Mütter Vollzeit oder Teilzeit arbeiten oder überhaupt nicht erwerbstätig sind. 

    Kriterien: 45 Stunden Öffnungswochenzeit, mindestens 9,5 Stunden an vier Wochentage sowie ein Angebot fürs Mittagessen und maximal 5 Wochen Schließzeiten im Jahr.
  • Im Bundesland Salzburg sind 2016/2017 nur 29,9 Prozent und damit nur 158 Einrichtungen von 528 Einrichtungen mit einem Vollzeitjob beider Elternteile kompatibel.
  • Damit sind 370 Einrichtungen nicht mit einer Vollzeitbeschäftigung vereinbar, weil sie z.B. keine berufsfreundlichen Öffnungszeiten anbieten oder mehr als 5 Wochen im Jahr geschlossen haben.
  • Ein Blick in die Salzburger Bezirke zeigt zudem ein starkes Stadt-Land-Gefälle: Stadt Salzburg 40,7 Prozent, Bezirk Hallein 36,4 Prozent und Bezirk Tamsweg nur 11,5 Prozent.

Unsere Forderungen

Wie die AK-Studie zeigt, hat die „Qualität“ der Kinderbetreuungsplätze einen großen Einfluss auf die Erwerbstätigkeit der Mütter: Je besser das Angebot, desto höher ist die Erwerbsquote. Die Vollzeitquote steigt – Teilzeit geht zurück.

In vielen Gemeinden in Salzburg ist die Realität ein andere: Wegen des fehlenden Angebots, sind Mütter dazu gezwungen, die Arbeit zu reduzieren oder gar zu beenden. Echte Wahlfreiheit sieht anders aus. Sie ist nur dann gegeben, wenn es genügend ganztägig geöffnete und leistbare elementare Bildungseinrichtungen gibt, die auch in der Ferienzeit betreuen.

Deswegen fordert die Arbeiterkammer Salzburg einen massiven Ausbau der Kinderbetreuung der unter 3-Jährigen: Bis 2025 soll eine Betreuungsquote von 50% erreicht werden. Positiver Nebeneffekt: der Ausbau der institutionellen Kinderbetreuung für unter 3-Jährige würde im Bundesland Salzburg bis zum Jahr 2025 5.700 zusätzliche Plätze und rund 3.400 neue Jobs (2.400 direkt in den Einrichtungen) schaffen.

Der Ausbau der Kinderbetreuung in Salzburg führt langfristig zu Mehreinnahmen vor allem aus der gestiegenen Beschäftigung (Steuern, Sozialversicherung und Lohnsummenabgaben) sowie von Einsparungen im Bereich der Arbeitslosen-versicherung, die die angefallenen Investitionskosten in Summe übersteigen. Mittelfristig übersteigen auf gesamtstaatlicher Ebene betrachtet die Rückflüsse die Ausgaben deutlich und es entsteht ein positiver Saldo.

Und schließlich ist die institutionelle elementare Kinderbetreuung für die Entwicklung des Kindes wichtig. Stichwort: bestmögliche Förderung oder Investition für die Zukunft. Vererbbare Bildungsdefizite in der Familie können so auch ausgemerzt werden.

Deswegen lohnt es sich auch aus bildungspolitischer Sicht den Ausbau der Kinderbetreuung zu forcieren. Bildung beginnt schon bei den Kleinsten. 


Weitere Forderungen:

  • Rasche Umsetzung eines neuen Salzburger Kinderbildungs- und 
    -betreuungsgesetz und qualitätsvoller Ausbau an elementaren Bildungseinrichtungen und Ganztagsschulen. Erst mit einem Angebot hochwertiger und flächendeckender sozialer Infrastruktur wird Vollzeitarbeit bzw. Teilzeitarbeit mit einem existenzsichernden Einkommen aller Geschlechter ermöglicht
  • Anhebung der institutionellen Betreuungsquote der unter 3jährigen Kinder auf 50 Prozent im Jahr 2025
  • Rechtsanspruch eines jeden Salzburger Kindes auf einen professionell geführten und kostengünstigen Platz in einer elementaren Bildungseinrichtung.
  • Der Zugang zu elementaren Bildungseinrichtungen muss bis 2025 kostenfrei sein
  • Forcierter Ausbau aller Angebote und Abstimmung der Anforderungen an die elterliche Arbeitswelt: Verlässliche Öffnungszeiten insbesondere auch in den Ferienzeiten, Verbesserung und Sicherung der Qualität der Angebote.
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