Hauptlast bei Familienmanagement bleibt an Müttern hängen - unbezahlt

Anlässlich des Muttertages zum Nachdenken aus dem Leben gegriffen - wie Schieflagen entstehen: Die 15-jährige Julia entscheidet sich wie viele andere Mädchen in diesem Alter für eine Lehrausbildung zur Friseurin (dieser Lehrberuf liegt unter den Top 3 der am häufigsten gewählten Lehrberufe bei Mädchen). So startet Julia mit einer Lehrlingsentschädigung von 470 Euro brutto. Hätte sie sich z.B. für die Lehre zur KFZ-Technikerin entschieden, hätte sie bereits im ersten Lehrjahr um knapp 130 Euro mehr, im dritten Lehrjahr sogar um rund 350 Euro mehr verdient.

Später arbeitet Julia in Vollzeit als Friseurin mit einem durchschnittlichen Gehalt von ca. 1.285 Euro netto. Nach 5 Jahren bekommt sie ihr erstes Kind. Während ihrer Karenz wird sie mit ihrem zweiten Kind schwanger und bleibt insgesamt 5 Jahre zuhause bei den Kindern. Julias Partner, Thomas, wollte ursprünglich auch ein paar Monate in Karenz gehen. Aufgrund des geringen Einkommens von Julia, entschieden sie sich aber dagegen, da sie auf Thomas‘ Gehalt nicht verzichten wollten bzw. konnten. Zudem war der Arbeitgeber von Thomas nicht sehr erfreut darüber, dass dieser nach der Geburt des 2. Kindes die Familienzeit in Anspruch nehmen wollte (da kein Rechtsanspruch auf Familienzeit besteht, ist Thomas auf die Einwilligung des Arbeitgebers angewiesen). Nach der Karenz steigt Julia wieder bei ihrem alten Arbeitgeber mit 20 Stunden pro Woche ein. Julia wollte schon früher wieder arbeiten gehen, doch gibt es in der kleinen Gemeinde in der Julia und ihre Familie wohnen, keine Betreuungsmöglichkeiten für unter 3-Jährige und auch der Kindergarten, in den nun beide Kinder gehen, hat nur bis 13 Uhr geöffnet.

Mit Schulantritt ihrer größeren Tochter, muss Julia ihre Wochenstunden nochmals reduzieren, da es in der Volksschule keine Nachmittagsbetreuung gibt (nicht einmal jede 2. Schule bzw. 43 Prozent der Schulen außerhalb der Stadt Salzburg verfügt über eine Nachmittagsbetreuung).

Mit Ende der Volksschule beider Kinder erhöht Julia ihre Stunden wieder auf 20 Wochenstunden und arbeitet so weiter bis ans Ende der Pflichtschulzeit ihrer Kinder. Da sie in einem kleinen Friseurbetrieb arbeitet, ist die Möglichkeit Stunden aufzustocken und wieder Vollzeit zu arbeiten, nicht gegeben (einen Rechtsanspruch von Teilzeit auf Vollzeit zu wechseln gibt es nicht). Somit arbeitet Julia mehrere Jahre weiter in Teilzeit, was sie insgesamt als nicht problematisch erachtet, da das Haushaltseinkommen, aufgrund des guten Einkommens ihres Mannes, gut zum Leben der Familie reicht.

Nach 20 Jahren Ehe trennt sich ihr Mann von ihr. Julia versucht, schnellstmöglich eine Vollzeitanstellung zu finden, da ihr, nach Sichtung ihrer Pensionskonto-Gutschrift,  bewusst wird, dass sie aufgrund ihrer langen Teilzeitarbeit nur wenig in die Pensionsversicherung eingezahlt hat. Jetzt hat sie Angst davor, im Alter arm zu sein, obwohl sie ihr Leben lang viel gearbeitet hat – jedoch weitgehend unbezahlt…

Kinderbetreuung nach wie vor Müttersache

Seit dem Jahr 2006 hat sich in Salzburg der Anteil der Männer, die Kinderbetreuungsgeld in Anspruch nehmen, mehr als verdoppelt. Bei genauerem Hinschauen zeigt sich aber, dass 36,7 Prozent der Väter dafür gar keine und 39,3 Prozent nur eine sehr kurze Auszeit von der Arbeit nehmen. Lediglich etwa 16,2 Prozent der Väter bleiben drei bis sechs Monate und nur 7,8 Prozent mehr als sechs Monate beim Kind zuhause.

Frauenpensionen signifikant niedriger

Aufgrund gesetzlicher pensionsrechtlicher Grundlagen werden Zeiten der Kindererziehung auf Basis eines fiktiven Erwerbseinkommens von 1.864,78 Euro brutto monatlich zwar angerechnet. Zu lange Erwerbsunterbrechungen und anschließende lange Teilzeitphasen mit wenig Stunden wirken sich jedoch massiv auf die künftige Pensionshöhe aus. In Salzburg steigen nur rund 56 Prozent der Frauen nach 24 Monaten wieder ins Erwerbsleben ein. Auch arbeiten im Schnitt 80 Prozent der Frauen mit Kind(er) unter 15 Jahre in Teilzeit, während es bei den Männern lediglich 10 Prozent sind. „Kinderbetreuung ist also in Salzburg immer noch vorwiegend Müttersache“, resümiert AK-Frauenreferentin Ines Grössenberger und erklärt: „Die Beteiligung und Dauer der Unterbrechung des Partners haben einen wesentlichen Einfluss auf den Wiedereinstieg der Frauen. Bei einer Unterbrechung des Partners von über 6 Monaten sind 88,2 Prozent der Frauen zum 2. Geburtstag des Kindes wieder eingestiegen.

Lag die Armutsgefährdungsquote von alleinlebenden Frauen mit Pension 2017 noch bei 22 Prozent, steigt diese entgegen dem allgemeinen Trend im Jahr 2018 auf 26 Prozent. Das bedeutet: Jede 4. alleinlebende Pensionistin ist armutsgefährdet. Die aktuelle Armutsgefährdungsschwelle liegt 2018 bei 1.259 Euro pro Monat (12 Mal) für eine erwachsene Person.

Die durchschnittliche Alterspension bei Frauen lag Ende 2017 bei 1.086 Euro brutto, also um knapp 200 Euro unter der Armutsgrenze (Männer: 1.926 Euro brutto). Frauen bekommen also um etwa 840 Euro weniger Pension als Männer. Die Auswirkungen des Pensionskontos liegen auf der Hand: Nicht nur Erwerbslücken, sondern auch Teilzeitbeschäftigungen wirken sich im Vergleich zu einer Vollzeitbeschäftigung negativ auf die spätere Pensionshöhe aus, da jedes Jahr für die Berechnung der Pension herangezogen wird und nicht mehr nur eine bestimmte Anzahl der „besten“ Jahre. Mütter sind davon besonders betroffen.

AK-Forderungen

Was die Arbeiterkammer von der Politik fordert: „Um die bestehenden Schieflagen abzubauen und Mütter zu entlasten, brauchen wir neben Verbesserungen im Bereich der Kinderbetreuung  einen Rechtsanspruch auf Familienzeitbonus mit Kündigungsschutz sowie einen Rechtsanspruch auf Elternteilzeit, auch in kleineren Betrieben. Denn vor allem in kleinen Betrieben hängt es von der Bereitschaft des Unternehmens ab, ob Väterkarenz und damit eine bessere Aufteilung der Betreuungspflichten in Anspruch genommen werden kann oder nicht“, so AK-Präsident Peter Eder.

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