14.10.2021

Equal Pay Day: Einkommensschere schließt sich zu langsam

Am 15. Oktober 2021 ist Equal Pay Day - ab diesem Tag arbeiten Frauen also gratis. Anders gesagt: Bei den Vollzeitbeschäftigten verdienen Frauen immer noch um mehr als ein Fünftel oder um über 11.300 Euro im Jahr weniger als Männer. „Geht es mit der Gleichbehandlung so schleppend weiter wie bisher, dauert es noch 200 Jahre, bis Frauen über ein gleich hohes Einkommen wie Männer verfügen“, kritisiert AK-Präsident und ÖGB-Landesvorsitzender Peter Eder, „Gleichberechtigung darf kein Jahrhundertprojekt sein, es braucht eine Neuverteilung unter den Geschlechtern zwischen bezahlter und unbezahlter Arbeit sowie bei Pflege und Kinderbetreuung eine flächendeckend qualitativ hochwertige Infrastruktur – und das rasch.“

Der heurige Equal-Pay-Day im Bundesland Salzburg fällt auf den 15. Oktober 2021. Er markiert den Tag, ab dem Frauen in Salzburg statistisch gesehen bis Jahresende gratis arbeiten – das sind insgesamt 78 Tage. Frauen verdienen um 21,2 Prozent weniger als Männer. Vergleicht man ganzjährig Vollzeitbeschäftigte Einkommen, sind das sind 11.376 Euro im Jahr. Salzburg liegt damit an viertletzter Stelle im Bundesländer­vergleich.

Dieser so genannte Gender-Pay-Gap entsteht durch unterschiedliche strukturelle Rahmenbedingungen: Frauen arbeiten überwiegend in Branchen, die schlechter bezahlt werden als jene Berufsgruppen, in denen vermehrt Männer tätig sind. Außerdem sind Frauen überwiegend für die unbezahlte Arbeit, also Kinderbetreuung, Haushalt und Pflege verantwortlich.

Noch 200 Jahre bis zur echten Gleichberechtigung

„Die 10-Jahres-Betrachtung zeigt, dass sich die Einkommensschere zwischen den Geschlechtern nur sehr langsam schließt. Das Weltwirtschaftsforum hat berechnet, dass es – bei diesem eingeschlagenen Tempo – noch rund 200 Jahre dauern wird, bis die Einkommen von Frauen und Männern gleich sein werden“, so AK-Frauenreferentin Ines Grössenberger, „dass Frauen nach wie vor nicht ihr ganzes Potenzial am Arbeitsmarkt einsetzen können, hat nicht nur individuell negative Folgen wie niedrige Einkommen, wenig Aufstiegsmöglichkeiten oder Armutsgefährdung im Alter, sondern auch nachteilige Effekte für die Wirtschaft.

Viel Luft nach oben bei Gleichstellung

Wie die Berechnungen zum Gleichstellungsindex Arbeitsmarkt des WIFO belegen, ist das Potential zur Verbesserung der Gleichstellung von Frauen und Männern auf dem heimischen Arbeitsmarkt nach wie vor hoch, insbesondere für Frauen in Haushalten mit Kindern. „Gemäß den Modellsimulationen von EIGE 2017A (European Institute of Gender Equality) könnte in Österreich durch eine Verbesserung der Gleichstellung zwischen Männern und Frauen, insbesondere durch eine Verringerung der Geschlechterunterschiede in Bezug auf die Bildung in den MINT-Fächern und auf die Erwerbsbeteiligung, im Jahr 2030 ein um bis zu 7 Prozent höheres BIP pro Kopf erreicht werden“, gibt Grössenberger zu bedenken.

So arbeitet nach wie vor jede zweite Frau in Salzburg in Teilzeit, um unbezahlte Arbeit wie Kinderbetreuung, Haushalt oder die Pflege von Angehörigen zu übernehmen. Bezieht man die Einkommen aus Teilzeitbeschäftigung bei der Berechnung der Einkommensschere mit ein, erhöht sich diese auf 37,1 Prozent oder 1.052 Euro. Die nach wie vor vielfach bestehende innerpartnerschaftliche Rollenverteilung des männlichen Hauptverdieners und der weiblichen Zuverdienerin mündet dann für Frauen in der Pension bei einem Pensionsunterschied von 41,7 Prozent oder 858 Euro.

AK: Gleichstellung ist Win-Win-Situation

Um zu verhindern, dass es weitere 200 Jahre dauert, bis sich die Einkommensschere endlich geschlossen hat, braucht es: „Eine grundsätzliche Neubewertung weiblicher Arbeit, eine Umverteilung von unbezahlter und bezahlter Arbeit zwischen den Geschlechtern sowie eine flächendeckend und qualitativ hochwertig ausgebaute soziale Infrastruktur vor allem bei Kinderbetreuung und Pflegedienstleistungen“, fordert AK-Präsident Peter Eder, „damit allen Frauen endlich die Möglichkeit offensteht, einer existenzsichernden Erwerbsarbeit nachgehen zu können – wovon nicht zuletzt auch die Volkswirtschaft profitieren würde.“

AK-Angebote: Frauenakademie und „Arbeit, lebensnah“

Auch heuer bieten die Salzburger Arbeiterkammer und die Frauenservicestelle „Frau & Arbeit“ spezielle Lehrgänge an, um Frauen in ihrer beruflichen Entwicklung zu unterstützen und ihre Persönlichkeit zu stärken. Die Seminare im Rahmen der Frauenakademie 2021 bieten einen interessanten Mix mit Schwerpunkt „Stärkung Deines Selbst“: Von Entwicklung der eigenen Zuversicht über hemmende Stereotypen und Rollenbilder bis hin zu Chancen aus der Krise. Der erste Workshop zur Frauenakademie 2021 startet am 29. Oktober 2021.

Am 9. November 2021 veranstaltet die AK im OFF Theater in Salzburg das Portraittheater(stück) „Arbeit, lebensnah“: Den Fragen ‚Wie sehen die Arbeitsbedingungen für Frauen in Österreich aus?‘ und ‚Wie gehen Menschen mit Arbeitslosigkeit um?‘ wird dabei anhand der Lebenserinnerungen von Käthe Leichter und Maria Jehoda auf den Grund gegangen.

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