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Die Gleichberechtigung tritt weiterhin auf der Stelle

Der Equal-Pay-Day im Bundesland Salzburg – jener Tag ab dem Frauen bis Jahresende statistisch gesehen gratis arbeiten – fällt heuer schon auf den 3. Oktober. Der Beweis: Die Gleichberechtigung tritt weiterhin auf der Stelle. Der Einkommensunterschied zwischen Mann und Frau hat sich gegenüber dem Vorjahr kaum verändert. Vollzeitbeschäftigte Frauen verdienen noch immer um ein Viertel (24,6 Prozent) weniger als ihre männlichen Kollegen. 2016 waren es 24,7 Prozent. 

Bezirksvergleich: Die Frauen in der Stadt Salzburg sind der Einkommensgerechtigkeit am nächsten. Hier fällt der „Equal Pay Day“ auf den 15. Oktober (Differenz: 21,1 Prozent). Am größten ist der Einkommensunterschied im Tennengau, wo Frauen um 28 Prozent weniger als Männer verdienen. Dazwischen liegen der Pongau (27,2 Prozent), der Salzburg-Umgebung (27,1 Prozent), der Lungau (25,7 Prozent) und der Pinzgau (25,4 Prozent).

In Geld ausgedrückt beträgt der jährliche Einkommensunterschied etwa 12.000 Euro brutto. Auf zehn Jahre hochgerechnet „verliert“ jede vollzeitbeschäftigte Frau 120.000 Euro. 

Schieflage: Frauen verdienen um ein Viertel weniger

Seit 2006 hat sich die Einkommensschere zwischen den Geschlechtern um nur 4,7 Prozent verringert (2006: 29,4 Prozent). Jede zweite Frau arbeitet in Teilzeit bzw. befindet sich in einem prekären Arbeitsverhältnis. 

„Nur so können unbezahlte Haus- und Pflegearbeiten mit der Erwerbsarbeit vereinbart werden“, sagt ÖGB-Frauensekretärin Sarah Nelwek. „Die Folgen sind finanzielle Abhängigkeit und eine geringere Pension. Gerade im Alter sind Frauen deutlich öfter von Armut betroffen. Eine Schieflage, denn Frauen erbringen jeden Tag in Job und Haushalt enorme Leistungen – was das Ausmaß einer reinen 40-Stunden-Arbeitswoche weit überschreitet.“ 

Vor allem Frauen profitieren vom Anheben des Mindestlohns

Die Einigung auf einen kollektivvertraglichen Mindestlohn von 1.500 Euro – eine langjährige Forderung von Arbeiterkammer und Gewerkschaft – ist ein erster wichtiger Schritt, der vor allem Frauen zugutekommt. „Denn es sind überwiegend weibliche Beschäftigte, die im Niedriglohnsektor arbeiten. Steigende Mindestlöhne bedeuten steigenden Stundenlöhne und höhere Pensionsversicherungsbeiträge“, so Grössenberger.

Weibliche Aufsichtsräte: Noch Luft nach oben

Eine langjährige Forderung der Arbeiterkammer wurde heuer endlich umgesetzt: eine verpflichtende Frauenquote in Aufsichtsräten. Ab 2018 sind alle börsennotierte Unternehmen sowie Betriebe mit mehr als 1.000 Beschäftigten dazu verpflichtet, mindestens ein Drittel ihrer Aufsichtsratsposten mit Frauen zu besetzen. „Die Einführung dieser Quote ist ein wichtiges Signal für eine gleichgestellte Arbeitswelt“, so die AK-Frauenreferentin. „Und abgesehen davon belegen verschiedene Studien, gemischte (Führungs-)Teams sind erfolgreicher."

Wie aktuelle Zahlen zeigen, geht Deutschland mit positivem Beispiel voran: Seit Inkrafttreten des Gesetzes im Mai 2015 hat sich im Nachbarland der Frauenanteil in Aufsichtsräten um 6 Prozentpunkte erhöht und beträgt nun 28 Prozent.

In Österreich zeigt sich ein gemischtes Bild. Auf der einen Seite kommen staatsnahe Betriebe ihrer Verpflichtung mehr als nach. Dort beträgt die Frauenquote knapp über 40 Prozent. Im Vergleich dazu hinkt Österreichs Privatwirtschaft in Sachen Frauenquote deutlich hinterher, lediglich 18 Prozent der Aufsichtsräte sind weiblich.

Sarah Nelwek: „Große Fortschritte in der Frauenpolitik gibt es heutzutage nicht mehr. Man könnte sogar sagen, dass die Gleichberechtigung vielerorts in Salzburg auf der Stelle tritt. Wir wollen Gerechtigkeit! Wir greifen ein, wo Zwänge und Schieflagen ohne sachliche Rechtfertigung bestehen!“

Wichtige Forderungen von Arbeiterkammer und Gewerkschaft

  • Rechtsanspruch für Teilzeitbeschäftigte auf Vollzeitarbeitsplatz
  • Ein kollektivvertraglicher Mindestlohn von EUR 1.700,- brutto/Monat.
  • Gleicher Lohn für gleiche Arbeit, gleiche Möglichkeiten für Männer und Frauen
  • Gleiche Repräsentanz von Männern und Frauen auf allen betrieblichen Hierarchieebenen – gesetzliche Frauenquote
  • Gleichwertige Arbeitsbedingungen in Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigung sowie in männer- und frauendominierten Sektoren und Branchen
  • Gleiche berufliche Aufstiegs- und Weiterbildungsmöglichkeiten
  • Gleiche Verteilung und Anerkennung bezahlter und unbezahlter Arbeit von Frauen und Männern – höhere Väterbeteiligung bei der Kindererziehung
  • Rechtsanspruch auf „Papamonat“ bzw. „Familienzeit“ für alle, auch in der Privatwirtschaft
  • Normierung eines Rechtsanspruches eines jeden Salzburger Kindes auf einen professionell geführten und kostengünstigen Elementarbildungsplatz
  • Forcierter Ausbau der Kinderbetreuungsangebote anhand allgemeiner Qualitätskriterien (Zum Beispiel VIF-Modell der AK) sowie Abstimmung der Öffnungszeiten auf die Anforderungen der elterlichen Arbeitswelt

Frauentag 2017: Kritik an Einkommensschere

Salzburgerinnen verdienen noch immer um ein Viertel weniger als ihre männlichen Kollegen.

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