6.9.2021

Schulkostenstudie zeigt: Schulen müssen offen bleiben

Hohe Ausgaben für die technische Ausrüstung im Distance Learning, starke psychische Belastungen für Eltern wie Kinder: Die Ergebnisse der aktuellen AK-Schulkostenstudie decken die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Eltern und Schüler schonungslos auf. AK-Präsident Peter Eder fordert angesichts der Ergebnisse einmal mehr: „Es braucht mehr Personal an den Schulen und dringend eine finanzielle Entlastung durch einen Bonus zur Familienbeihilfe.“ Und die Lehren aus der Vergangenheit zeigen: „Die Schulen dürfen im Herbst auf keinen Fall wieder heruntergefahren werden!“

Ein guter Schulerfolg ist davon abhängig, ob die Eltern über ausreichend Zeit, Bildung und Geld verfügen. Dies zeigt die brandaktuelle AK-Schulkostenstudie, an der sich österreichweit knapp 3.000 Eltern mit mehr als 4.300 Kindern beteiligt haben. In Salzburg führten 270 Eltern mit 400 Kindern Buch und trugen die Kosten mittels Online-Erhebung ein. „Dank der hohen Beteiligung können aussagekräftige Schlüsse gezogen werden. An dieser Stelle möchte ich mich daher bei allen Eltern für ihre Teilnahme und beim Land Salzburg sowie bei den Elternvertretern Sabine Gabath und Helmut Schütz für ihre Unterstützung bei der Bewerbung bedanken“, sagt AK-Präsident Eder.

SCHULBESUCH KOSTET IM SCHNITT KNAPP 1.200 EURO JÄHRLICH

Aus der Studie ergibt sich, dass im Bundesland Salzburg der Schulbesuch im Schnitt aller Kinder mit 1.189 Euro pro Kind und Schuljahr zu Buche schlägt. Je nach Schulstufe fielen die Kosten unterschiedlich aus: Während für ein Kind in der Volksschule im Schnitt 879 Euro ausgegeben wurden, beliefen sich die durchschnittlichen Kosten in der Sekundarstufe 1 auf 1.218 Euro und in der Sekundarstufe 2 bereits auf 1.923 Euro.

Besonders hoch waren in diesem Schuljahr die Ausgaben für Computer, Tablets und andere EDV-Ausrüstung. 55 Prozent der befragten Eltern auf Bundesebene hatten derartige Kosten und wendeten pro Kind im Schnitt 458 Euro auf, um die Teilnahme am Distance Learning zu ermöglichen. „Diese kurzfristigen hohen Anschaffungskosten für technische Geräte waren besonders für jene Familien herausfordernd, die schon vor der Covid-Krise mit Armut kämpften“, weiß AK-Präsident Peter Eder. Er fordert eine Bonuszahlung der Familienbeihilfe in Höhe von 200 Euro pro Schulkind, um zumindest einen Teil der Kosten nachträglich abzufedern.

PSYCHISCHE BELASTUNG DURCH CORONA

Zusätzlich zur Kostenerhebung hat die Arbeiterkammer die Studie genutzt, um die psycho-soziale Belastung von Kindern und Eltern in der Pandemie zu erheben. Hier zeigt sich: Die psychische Gesundheit jedes dritten Kindes hat sich während der Corona-Pandemie verschlechtert, unabhängig von den familiären Ressourcen. „Kinder und Jugendliche sind gereizter und verängstigter – die emotionale Voraussetzung zum Lernen hat sich infolgedessen sehr verschlechtert. Es ist wichtig, dass die dadurch verstärkten Bildungsrückstände jetzt aufgeholt werden“, hält AK-Bildungsexpertin Hilla Lindhuber fest.

EDER: „KEIN KIND ZURÜCKLASSEN“

AK-Präsident Peter Eder fordert in diesem Zusammenhang ein besseres Betreuungsverhältnis an den Schulen sowie zusätzliche Stellen für pädagogisches Unterstützungspersonal. Von den Verantwortlichen erwartet er sich eine gute Planung für den nahenden Schulstart. „Mit umsichtigem und vorausschauendem Handeln lassen sich neuerliche großflächige Schulschließungen verhindern“, so Eder. Von den verantwortlichen Politikern fordert er zudem volle Unterstützung für Schüler und Eltern, damit kein Kind zurückgelassen wird und Bildungsrückstände schnellstmöglich abgebaut werden.

NOTWENDIGE ENTLASTUNGEN FÜR SCHÜLER UND DEREN FAMILIEN

  • Bonus zur Familienbeihilfe: Insbesondere in diesem Schuljahr waren Eltern durch Ausgaben für die technische Ausstattung der Kinder, Nachhilfe, Betreuungskosten etc. finanziell stark gefordert. Eine Ausschüttung von 200 Euro als einmaliger Bonus zur Familienbeihilfe würde diese Kosten abfedern.
  • Schülerbeihilfe: Neben einer Bonuszahlung kann eine gerechte Erhöhung unter Erweiterung des Bezieherkreises der Schülerbeihilfe mehr Kinder aus Familien mit niedrigem Einkommen dazu verhelfen, an Bildung teilzuhaben.
    Treffsicher investieren – Schulfinanzierung nach dem AK-Chancenindex: Der Chancenindex sieht eine bedarfsorientierte Finanzierung der Schulen vor, bei der Maßnahmen wie mehr Personal die Förderung jedes einzelnen Kindes ermöglichen.
  • Schulschließungen im Herbst vermeiden: Die Ergebnisse der AK-Schulkostenstudie haben auf den hohen psychischen Druck für Familien und Kinder durch die Schulschließungen aufmerksam gemacht. Schon im normalen Schulbetrieb verfügen nicht alle Kinder über die gleichen Bildungschancen. Durch offene Schulen soll dem entgegengewirkt werden, dass die familiären Ressourcen zuhause noch mehr über den Lernerfolg der Kinder entscheiden.
  • Mehr Mittel für Personal: Damit insbesondere im nächsten Schuljahr individuelles Lernen stattfinden kann, braucht es ein besseres Betreuungsverhältnis an Schulen. Außerdem sollen vermehrt Stellen für SozialarbeiterInnen geschaffen werden.
  • Ganztagesschulen ausbauen: Genug Lernzeit für alle: Eine kostenlose Ganztagesschule in der Wohnumgebung jedes Kindes würde die Eltern bei der Betreuung und Nachhilfe bzw. dem Lernen mit ihren Kindern entlasten. 


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