Jugendbeschäftigung und die Zahl der Lehrlinge steigen endlich wieder

Atypische Arbeit ist weiter auf dem Vormarsch. Da wundert es nicht, dass die Jugend in den vergangenen 10 Jahren mit berücksichtigter Teuerung sogar Einkommensverluste hinnehmen musste. Und: Schon in jungen Jahren leisten die Arbeitnehmer einiges an Überstunden. Dafür erreicht Salzburg sehr gute Werte bei der Jugendbeschäftigung, die Zahl der Lehrlinge steigt und sie sind im Großen und Ganzen zufrieden mit ihrer Ausbildung. AK-Präsident Peter Eder: „Wir machen unser Service für junge Menschen jetzt noch besser und gehen verstärkt in die Bildung- und Berufsberatung.“  

Seit 2012 erstellt die Arbeiterkammer jährlich einen Jugendmonitor. Er leuchtet wichtige Bereiche des Lebens und Arbeitens der 100.461 Salzburgerinnen und Salzburger im Alter von 15 bis 29 Jahren aus. Positiv: Immer mehr junge Menschen bis 24 Jahre sind in Beschäftigung – 2017 waren es 1,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Allerdings stehen 1,1 Prozent weniger junge Frauen in Lohn und Brot. Sie arbeiten in diesem Alter wegen der Schulbildung und ihrem geringeren Anteil in der Lehre seltener. Besonders aber wegen Betreuungspflichten, die sie nach wie vor überwiegend wahrnehmen. Die meisten Jungen finden sich übrigens in der Bauwirtschaft sowie in der Gastronomie und Beherbergung – dort ist jeder 5. Beschäftigte „U25“. Mit 9,8 Prozent hatte Österreich 2017 eine der niedrigsten Jugendarbeitslosigkeit-Quoten der EU. Die Arbeitslosigkeit der bis 25-Jährigen sank in Salzburg zum Beispiel um 0,7 Prozentpunkte.

Atypische Arbeit weiter auf dem Vormarsch

„Große Sorgen macht uns, dass immer mehr junge Menschen atypisch arbeiten – geringfügig, mit befristeten Arbeitsverträgen oder nur saisonal statt ganzjährig Vollzeit. Auch die Zahl der Leasingbeschäftigten nimmt wieder zu“, so Stephanie Posch, Jugendreferentin der AK Salzburg. Aktuell sind 2 Prozent mehr Jugendliche bis 24 geringfügig beschäftigt, und das meist in einfachen Jobs, obwohl mehr als die Hälfte der Jungen die Matura hat. Frauen dominieren mit 64,7 Prozent die Geringfügigkeit. Ein Grund ist, dass immer mehr neben Schule und Studium arbeiten (müssen). Auch nach der Karenz wird oft geringfügig gearbeitet. Im Gegenzug ist der Anteil junger Männer bei Leasingarbeit hoch.

Statt mehr Geld verdient die Jugend immer weniger

Unter 19-Jährige verdienen im Mittel inklusive Teuerung 5,7 Prozentpunkte weniger als noch vor zehn Jahren. Bei den 20- bis 24-Jährigen sind es minus 0,3 Prozent. Zwischen 25- und 29 Jahren minus 1,7 Prozentpunkte. Mit höchstens Pflichtschule liegt das Durchschnittseinkommen bei 1.298 Euro netto. Mit Lehrabschluss sind es bereits 1.980 Euro netto. Männer erreichen im Schnitt Anfang 20 ein höheres Einkommen als Frauen am Zenit ihrer Gehaltskarriere. Stephanie Posch: „Ein Grund ist die traditionelle Berufswahl. Während etwa die Top-3-Lehrberufe bei Männern im technischen Bereich liegen, wählen Frauen kaufmännische Berufe sowie Friseurin/Stylistin. Das Gehalt liegt dort bis zu 20 Prozent niedriger. Während der Lehre summiert sich das auf 1.000 bis 7.000 Euro weniger Entschädigung. Maurer – Platz 6 bei den Burschen – kommen in 3 Lehrjahren sogar auf fast 30.000 Euro mehr als zum Beispiel Friseurinnen und Friseure.“

Zahl der Lehrlinge steigt endlich wieder

Ein Grund zur Freude: Ende 2017 gab es 40 Lehrlinge mehr als 2016, der zweithöchste Zuwachs in Österreich. Bei Lehranfängern gab es gar ein Plus von 8,2 Prozent. Die 2016 begonnene Trendumkehr hält an. Mehr männlichen (plus 1,8 Prozent) stehen allerdings weniger weibliche Lehrlinge (minus 2 Prozent) gegenüber. Und: Die Zahl der Ausbildungsbetriebe sinkt weiter – um minus 44 oder 1,6 Prozent von 2016 auf 2017.

2 von 3 wollen ihrem Ausbildungsberuf treu bleiben

Auch um die Zufriedenheit der Lehrlinge ist es gut bestellt. „Prinzipiell sind jene, die den Wunschberuf erlernen zufriedener als jene, für die die Ausbildung nur 2. Wahl oder eine Notlösung war. 2 von 3 Lehrlingen wollen im Lehrberuf bleiben. Allerdings hat jeder fünfte Lehrling Probleme im Betrieb und ein Viertel hat ernsthaft daran gedacht, die Lehre abzubrechen“, sagt AK-Expertin Simone Weiler aus dem Jugendreferat.

Schon ganz jung leiden Beschäftigte unter Überstunden

Problematisch: 36 Prozent der minderjährigen Lehrlinge leisten Überstunden, obwohl das verboten ist – immerhin werden davon 68 Prozent bezahlt – allerdings 16 Prozent nur manchmal oder gar nicht. Insgesamt leisten 40 Prozent der Salzburger Lehrlinge Überstunden (Österreich: Ein Drittel). Im Einzelhandels- und Bürobereich müssen rund 4 von 5 Lehrlingen keine Überstunden leisten. Am anderen Ende der Skala die Lehrberufe im Tourismus und in der Gastronomie: Hier machen fast 80 Prozent der Lehrlinge Überstunden – ein Drittel nicht freiwillig. Fast 30 Prozent haben gröbere Probleme in der Ausbildung und 40 Prozent dachten schon einmal daran, abzubrechen.

„Arbeit darf nicht frustrieren“ – Die AK bietet mehr Beratungen

AK-Präsident Peter Eder: „Die Situation der Lehrlinge im Bundesland ist in vielerlei Hinsicht gut – aber es gibt auch Probleme. Wir werden noch stärker mit den jungen Menschen in Kontakt treten und vor Ort für sie da sein. Deshalb bieten wir verstärkt Bildungs- und Berufsberatung an. An den BFI-Infotagen gibt es mit der AK-Servicecard kostenlose Testungen. Wir beraten auch regional vor Ort. Und wir wollen die Qualität und die Qualitätssicherung der Lehre erhöhen. Besonders in Bereichen mit großer Unzufriedenheit und hohen Abbruchraten. Etwa durch verpflichtende Weiterbildungen für Ausbilderinnen und Ausbilder aber auch durch optimale Förderungen für Betriebe. Arbeit darf nicht frustrieren“, so Eder: „Das müssen Betriebe auch in Bezug auf familienfreundliche Arbeitszeiten und gute, gesunde Arbeitsbedingungen ernst nehmen.“


Die Situation der Lehrlinge im Bundesland ist in vielerlei Hinsicht gut – aber es gibt auch Probleme. Wir werden noch stärker mit den jungen Menschen in Kontakt treten und vor Ort für sie da sein. Deshalb bieten wir verstärkt Bildungs- und Berufsberatung an. 

Peter eder

AK-Präsident

Jugendmonitor 2018 © Arbeiterkammer, AKyoung

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Dr. Stephanie Posch, T. +43 (0)662 86 87-421 und Simone Weiler, BA. T: +43 (0)662 86 87-425

Die Situation der Lehrlinge im Bundesland ist in vielerlei Hinsicht gut – aber es gibt auch Probleme. Wir werden noch stärker mit den jungen Menschen in Kontakt treten und vor Ort für sie da sein. Deshalb bieten wir verstärkt Bildungs- und Berufsberatung an. 

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