15.06.2018
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Lernerfolg der Kinder lastet schwer auf den Schultern der Eltern

Wir haben in Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsinstitut IFES im laufenden Schuljahr 2017/2018 rund 400 Haushalte mit insgesamt 630 Schülern zu Nachhilfe und Nachmittagsbetreuung befragt. Der Hauptwunsch der Befragten: Eltern brauchen mehr Unterstützung bei der Vereinbarkeit von Betreuung der Kinder und Berufstätigkeit.

Mit 2 von 3 Schülern in Salzburg muss zu Hause gelernt werden. Mit jedem Vierten davon sogar täglich. Groß ist der Bedarf an Nachhilfe: 21 Prozent aller Schüler haben im laufenden Schuljahr eine externe Nachhilfe benötigt.

In Zahlen: 8.500 Schüler erhielten bezahlte Nachhilfe. Kostenpunkt: 640 Euro pro Kind und Schuljahr. Im Bundesland Salzburg belaufen sich die Ausgaben für Nachhilfe insgesamt auf 5,5 Millionen Euro. Zur Info: Die meiste Hilfe wurde in Mathematik benötigt. Dahinter folgen Fremdsprachen an zweiter Stelle.

So wundert es kaum, dass …

  • 36 Prozent der Erziehungsberechtigten zeitlich sehr bzw. ziemlich belastet sind – was zu Konflikten und Ärgernissen in der Familie führt.
  • 50 Prozent der Salzburger Eltern, die für ihr Kind eine bezahlte Nachhilfe in Anspruch nahmen, angaben, dass sie finanziell spürbar belastet sind.

„Unsere Studie zeigt schwarz auf weiß die Sorgen und Anliegen der Menschen. In meinen Gesprächen mit Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern ist immer öfter Thema, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie stetig schwieriger wird. Kein Wunder, wenn die Eltern nach der Arbeit noch stundenlang mit den Kindern lernen müssen. Das belastet, führt auf Dauer zu Konflikten und Ärgernissen in der Familie“, sagt AK-Präsident Eder. „Es braucht unbedingt einen Ausbau der schulischen Fördermaßnahmen. Es kann nicht sein, dass der schulische Erfolg der Kinder vom Engagement der Eltern abhängt. Und vor allem profitieren die Kinder – unabhängig vom familiären Hintergrund – von ganztägigen öffentlichen Schulformen mit hochwertiger Betreuung. Die Folge: Bezahlte Nachhilfe muss weniger oft in Anspruch genommen werden – was zu einer finanziellen Entlastung vieler Familien führt.“

Wir raten zu Preisvergleichen bei bezahlter Nachhilfe

Die hohen Ausgaben für bezahlte Nachhilfe waren der Anlass für die AK-Konsumentenberatung, die Preise der Nachhilfe-Institute unter die Lupe zu nehmen: Durchschnittlich kostet der Einzelunterricht pro Stunde 39,19 Euro. Der Preis für eine 60-minütige Einheit in der Gruppe (2 bis 5 Teilnehmer) beträgt im Schnitt 24,99 Euro. „Vergleichen zahlt sich aus, es gibt große Preisunterschiede (bis zu 80 Prozent)“, rät Angela Riegler, Leiterin der AK-Abteilung Konsumentenberatung. „Nicht nur die Kosten, auch der Umfang der Nachhilfe kann je nach Anbieter stark variieren.“

Tipps für Eltern:

  • Fragen Sie nach allfälligen Zusatzkosten (Einschreibgebühr, Stornokosten und Lernmaterialien)
  • Fragen Sie nach der Dauer der Lerneinheiten und lassen Sie sich verschiedene Modelle genau erklären
  • Vereinbaren Sie Probestunden vor einer längerfristigen Bindung – nur wenn sich Ihr Kind wohlfühlt, sind positive Resultate zu erwarten.

„Die Nachhilfe-Institute leisten in der Regel gute Arbeit. Das nützt aber nichts, wenn sich viele Salzburgerinnen und Salzburger deren Unterstützung nicht leisten können“, so Peter Eder. „Besonders stark betroffen sind sozial schwache Familien mit geringem Einkommen. Wenn mehr Bildungsgerechtigkeit herrschen soll, braucht es dringend zusätzliche hochwertige Betreuungsangebote. Vor allem am Nachmittag, an den Schulen. Die Bildung unserer Jugend darf nicht am Geldbörsel scheitern!“

AK, Eltern und Experten: Auslaufmodell „Halbtagesschule“

Aus der Studie geht auch hervor, dass die Mehrzahl der Eltern der Meinung ist, dass bei entsprechenden Schul-Reformen und besserer Nachmittagsbetreuung bezahlte wie unbezahlte Nachhilfe nicht oder kaum mehr nötig wäre. Und nicht nur bei den Befragten besteht ein breiter Konsens darüber, dass es dringend nötig ist, neue Wege bei der Schule zu gehen. Unsere Forderungen decken sich mit den Ansichten vieler Experten: Halbtagesschulen decken sich oft nicht mehr mit den Bedürfnissen berufstätiger Eltern. Dieses „Auslaufmodell“ stellt viele Salzburger vor große Herausforderungen. Gleichzeitig sollen sie auch noch für den Lernerfolg die Verantwortung tragen.

„Wir brauchen eine Schule, die Chancengerechtigkeit fördert und den modernen Anforderungen gerecht wird. Deshalb fordere ich die Einführung eines flächendeckenden Angebots an schulischer Nachbetreuung. Alle Schulen sollten nach Bedarf ein ganztägiges Angebot führen“, sagt der AK-Präsident. „Eine Ganztagesschule ermöglicht mehr Chancengleichheit und besseren Zugang zu Bildung. Die Schule muss die Förderung aller Kinder, der schwächeren und der begabteren, garantieren.“

Nachmittagsbetreuung: Nord-Süd-Gefälle

Von 312 Salzburger Pflichtschulen (inkl. AHS-Unterstufe) bieten 157 eine Nachmittagsbetreuung an – 2014/2015 waren es noch 128. Das heißt, 84 Prozent der Pflichtschulen in der Stadt Salzburg haben ein entsprechendes Angebot. Im Vergleich dazu hinken die südlichen Bezirke hinterher. Als absolutes Schlusslicht gilt der Lungau: nur 17 Prozent der Schulen haben eine Nachmittagsbetreuung.

„Mehr als drei Viertel der Pflichtschulen in der Stadt Salzburg, aber gerade mal knapp ein Sechstel im Lungau haben also ein Nachmittagsangebot im Programm“, fasst Hilla Lindhuber, Leiterin der Abteilung Bildung, Jugend und Kultur zusammen und appelliert an die Landesregierung: „Schulische Nachmittagsbetreuung und Ganztagesschulen müssen stärker ausgebaut werden.“

AK-Forderungen: „Chancen-Index einführen!“

  • Einführung eines Chancen- Index für mehr Gerechtigkeit bei der Schulfinanzierung: Dieser Index bietet den Schulen die notwendigen Ressourcen für die spezifischen Herausforderungen am Standort. Mit einem Chancen-Index werden damit auch zielgerichtet einkommensschwache Eltern entlastet, da die Schulen mehr Ressourcen für Förderunterricht und Material zur Verfügung haben.
  • Die Schulen müssen für eine Ausweitung der Betreuung gerüstet werden – sowohl hinsichtlich ihrer personellen Ausstattung als auch durch Investitionen in die schulische Infrastruktur. Deshalb fordert die AK den flächendeckenden Ausbau von Ganztagsschulen: in der Stadt Salzburg auf 100 Prozent und in den Bezirken auf 75 Prozent bis zum Jahr 2025.
  • Eine gemeinsame Schule für alle Zehn- bis 14-Jährigen mit individueller Förderung aller Kinder wäre ein wichtiger Schritt zu mehr Fairness im Schulsystem. „Salzburg soll als Modellregion mit gutem Beispiel vorangehen“, fordert der AK-Präsident.
  • In dieser gemeinsamen Schule muss die Förderung aller Kinder, der schwächeren und der begabteren, gewährleistet sein. Dazu bedarf es einer stärkeren Binnendifferenzierung innerhalb der Schulen und des Ausbaus von praxis- und projektorientierten Unterrichtselementen.
  • Schulen sollten durch den Ausbau von Expertenpools (wie etwa Psychologen oder Logopäden) und Sozialarbeit unterstützt werden. 

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