Fast vier Prozent der Jugendlichen bis 24 haben keinen Pflichtschulabschluss

In Salzburg haben 3,7 Prozent der Jugendlichen zwischen 15 und 24 nicht einmal den Pflichtschulabschluss. Österreichweit sind 75.000 nicht in Ausbildung, Schulung oder Beschäftigung. Diese erschreckende Zahl ist im EU-Vergleich sogar relativ niedrig, darf aber nicht über das deutlich höhere Risiko im Dunkeln hinwegtäuschen: Fast 20 Prozent der genannten Altersgruppe können nämlich nicht sinnerfassend lesen. Es handelt sich also um kein Randproblem. Und es braucht Gegenmaßnahmen. Die AK fordert ein präventives Programm gegen Schulabbruch und Selektion.

„Schulabbruch in Schule und Lehre. Das ist alles andere als ein gesellschaftliches Randproblem. Es braucht Gegenmaßnahmen", sagte heute Martin Neureiter, stellvertretender Direktor der Arbeiterkammer Salzburg auf der Veranstaltung „Quo Vadis Bildung? Schulabbruch – was tun?“ Dort präsentierten Mario Steiner vom Institut für Höhere Studien und Erna Nairz-Wirth von der Wirtschaftsuniversität Wien zwei Studien zum Thema Schulabbruch und Schulversagen. Und sie betonten: Das ist in der Regel nicht die Schuld des Einzelnen – es ist ein Prozess, bei dem eine Reihe von externen Einflüssen eine Rolle spielt.

In Salzburg haben 3,7 Prozent der Jugendlichen nicht einmal den Pflichtschulabschluss in der Tasche. Österreichweit gibt es 75.000 Jugendliche zwischen 15 und 24, die weder in Ausbildung, Schulung oder Beschäftigung sind. Das sind acht Prozent der gesamten Gruppe und ein im Europa-Vergleich relativ niedriger – also „guter“ – Wert. Dafür leiden 180.000 Jugendliche unter „Bildungsarmut“, 19,5 Prozent im genannten Alter können nicht sinnerfassend lesen. Die relativ glimpflichen Werte in Österreich dürfen also nicht über das deutlich höhere schlummernde Risiko hinwegtäuschen.  "Jugendliche brauchen faire Chancen zum Lernen. Nur so können das Herausdriften aus dem Schulsystem und mangelnde Bildung bekämpft werden. Wir dürfen kein Talent zurücklassen", sagte Hilla Lindhuber, bildungspolitische Referentin der AK Salzburg.

Die Arbeiterkammer fordert daher ein präventives Programm gegen Schulabbruch durch weniger und spätere Selektion: Dazu gehören der Ausbau qualitativer Ganztagesschulen, eine gemeinsame Schule mit möglichst wenig Bruchstellen, mehr Budget für Schulen mit sozial benachteiligten Schülern, individuelles Fördern und Betreuen, der Ausbau guter Projekte wie „Jugendcoaching“ – dort soll auch eine Betreuung bis 24 Jahre möglich sein – und der „Schulsozialarbeit“ sowie mehr Berufsorientierung an den Schulen.

Migranten und bildungsarme Schichten besonders betroffen

Dramatisch ist vor allem, wer vom frühen Bildungsabbruch betroffen ist: Besonders schwer haben es Kinder, deren Eltern selbst nur die Pflichtschule abgeschlossen haben. Von ihnen haben 18,2 Prozent keinen weiterführenden Abschluss. Unter den Kindern von Zugewanderten sind in der ersten Generation 22,6 Prozent frühe Bildungsabbrecher, in der zweiten Generation 13,4 Prozent.

Nach angefangenen Bildungsgängen beträgt der Anteil der frühen Bildungsabbrecher in den HTL 5,1 Prozent, in den Gymnasien 6,5 Prozent, in der Lehre 16,6 Prozent und in den Handelsschulen 18,9 Prozent. Es geht letztendlich darum, dass Angebot und die Qualität stimmen. "Dann werden weniger das Handtuch werfen. Wir müssen Stigmatisierung und Exklusion vermeiden. Betroffene junge Menschen gehören ins Schulsystem und damit meistens auch in das gesellschaftliche Leben zurückgeholt. Geben wir Ihnen die Chancen dazu!“, so Hilla Lindhuber zum Abschluss der auf die Präsentation der Studien folgenden Diskussion.

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