29.11.2017
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Mehr Jobs und weniger Arbeitslose, aber Schlusslicht bei den Einkommen

Vorweg die vielen positiven Ergebnisse der aktuellen Analyse der Arbeiterkammer Salzburg zu den Wirtschaftsdaten des Pinzgaus: Mit einem Beschäftigungs-Plus von 2,1 Prozent liegt Salzburgs Tourismus-Hochburg deutlich über dem Landesschnitt. In Zahlen: Seit dem Vorjahr gibt es hier fast 800 Jobs mehr.

Nicht minder erfreulich ist, dass der Pinzgau beim Rückgang der Arbeitslosigkeit sehr gut abschneidet: 143 Menschen ohne Beschäftigung weniger als im Jahr davor – das entspricht einem Minus von 5,4 Prozent (Zum Vergleich: Insgesamt ist die Arbeitslosigkeit im Bundesland Salzburg um 3,4 Prozent zurückgegangen).

Auch hinsichtlich Tourismus liefert der Pinzgau positive Neuigkeiten: Mit plus 5,6 Prozent konnte die Rekordsaison des Vorjahres noch einmal übertroffen werden. Mit rund 11 Millionen Nächtigungen (das sind fast 40 Prozent aller Nächtigungen im gesamten Bundesland) ist man Sieger im Bezirksvergleich.

Einziger Wermutstropfen der AK-Analyse sind – wenig überraschend – die Einkommen.

Einkommen salzburgweit am letzten Platz - reales Minus

Das durchschnittliche Nettoeinkommen aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Salzburg lag 2015 bei 1.438 Euro (14 mal pro Jahr). Mit 1.227 Euro liegt der Pinzgau am letzten Platz im Bezirksvergleich. In Salzburgs größtem Bezirk verdienen die Beschäftigten netto also um durchschnittlich 374 Euro weniger als jene des Spitzenreiters Flachgau.

Die Durchschnittseinkommen im Pinzgau sind seit dem Jahr 2012 um 4,2 Prozent gestiegen, das macht exakt 49 Euro aus. Real (unter Berücksichtigung der Inflation) bleibt den Pinzgauerinnen und Pinzgauern davon aber nichts übrig – im Gegenteil: sie verdienen um 0,5 Prozent weniger als im Vergleich zum Jahr 2012.

In diesem Zusammenhang zeigt sich die Kehrseite des Job-Motors Tourismus: Gastronomie, Hotellerie & Co., wo vergleichsweise geringere Löhne gezahlt werden, sind im Pinzgau überproportional vertreten und drücken damit die Einkommen der Beschäftigten.

Deutlicher Rückgang der Arbeitslosigkeit

Ein Charakteristikum des Pinzgauer Arbeitsmarktes ist die starke saisonale Schwankung, die vor allem auf das Gastgewerbe zurückzuführen ist. Während in der Nebensaison (November) über 4.000 Arbeitslose zu beobachten sind, sinkt die Zahl der Arbeitslosen im Sommer (Juli, August) auf rund 1.300 ab.

Im 1. Halbjahr 2017 waren durchschnittlich 2.511 Personen im Pinzgau ohne Arbeit. Damit lag der Rückgang der Arbeitslosigkeit mit einem Minus von 5,4 Prozent (das sind um 143 Arbeitslose weniger) über dem Landesschnitt von -3,4 Prozent. Zählt man zu den als arbeitslos Gemeldeten die Schulungsteilnehmer dazu, zeigt sich, dass im 1. Halbjahr 2017 durchschnittlich 2.800 Personen im Pinzgau von Arbeitslosigkeit betroffen waren. Es ergibt sich ein Rückgang an Arbeitslosen plus Schulungsteilnehmer von 4,7 Prozent oder 138 Personen.

Im Vorkrisenvergleich (1. Halbjahr 2008) liegt das Niveau allerdings weiterhin deutlich höher (+22,4 Prozent). Im ersten Halbjahr 2017 waren um 459 Personen mehr arbeitslos als im Jahr 2008.

Pinzgau bei Beschäftigungszuwachs klar über Landesschnitt

Gegenüber Jänner 2016 kam es im Pinzgau zu einem Arbeitsplatzzuwachs von 774 Stellen, bzw. +2,1 Prozent auf 38.056 Beschäftigte insgesamt. Damit liegt die Beschäftigungsentwicklung deutlich über dem Landesschnitt von +1,5 Prozent. Vor allem die Zuwächse in Saalbach-Hinterglemm (+131), Kaprun (+118) und Leogang (+112) sind für diesen Anstieg erwähnenswert.

Beschäftigungsentwicklung 2012 bis 2017

Längerfristig sind im Pinzgau 2.285 (+6,4 Prozent) neue Arbeitsplätze entstanden. Der Bezirk liegt damit auch in diesem Zeitraum klar über der landesdurchschnittlichen Entwicklung (+5,0 Prozent) und weist gemeinsam mit dem Tennengau (+8,3 Prozent) den stärksten Zuwachs auf. Saalbach-Hinterglemm (+508), Zell am See (+486) sowie Leogang (+438) sind hier hauptverantwortlich.

Tourismus stützt Arbeitsmarkt

Beim Beschäftigungs-Zuwachs zeigt sich die Bedeutung des Fremdenverkehrs für die Pinzgauer Wirtschaft besonders - gerade im Winter: Jeder 4. Arbeitsplatz befindet sich zu diesem Zeitpunkt in der Tourismusbranche (im Sommer jeder 5. Job).

Fast die Hälfte der seit Jänner 2016 entstandenen Arbeitsplätze (349 oder +3,6 Prozent) gehen auf das Konto des Fremdenverkehrs. Erfreulicherweise sind auch in der Produktionswirtschaft (+116 oder +2,7 Prozent) viele neue Jobs dazugekommen.  

Tourismusfakten in Salzburg und im Pinzgau

Im Pinzgau gab es im Tourismusjahr 2015/16 ein Rekordergebnis mit rund 11 Millionen Nächtigungen, was einer Steigerung von etwa 703.000 Nächtigungen oder 6,8 Prozent entspricht. Fast die Hälfte des landesweiten Nächtigungszuwachses entfiel damit auf den Pinzgau. Insgesamt wurden in den vergangenen beiden Jahren damit zusammen zusätzlich mehr als 1 Million Nächtigungen verzeichnet!

Für das laufende Tourismusjahr 2016/17 zeichnet sich im Pinzgau nach den letzten beiden Rekordjahren ein leichtes Minus ab, aber ausgehend von einem enorm hohen Niveau. Im Winter wurde hauptsächlich aufgrund des späten Ostertermins und der schlechten Schneelage in der Vorsaison ein Minus von rund 93.000 Nächtigungen bzw. minus 1,4 Prozent verzeichnet. Im laufenden Sommerhalbjahr zeichnet sich aber trotz der vorjährigen Rekordsaison neuerlich ein leichtes Plus von rund 1 Prozent ab.

Trends im Pinzgauer Tourismus

Besonders für die Tourismus-Hochburg Pinzgau gelten 3 große Entwicklungstrends der letzten Jahrzehnte: 

  • Bereits Mitte der 80er Jahre haben die wertschöpfungsstärkeren Nächtigungen im Winter jene des Sommers überholt
  • Innerhalb der Nächtigungen findet in den letzten Jahrzehnten eine starke Verlagerung von den Nächtigungen in Privat-Zimmern hin zu den wertschöpfungsstärkeren Nächtigungen in gewerblichen Beherbergungsbetrieben statt
  • Und innerhalb der Nächtigungen in gewerblichen Beherbergungsbetrieben findet eine massive Verlagerung von den niedrigeren Kategorien hin zu den wertschöpfungsstärkeren höchsten Kategorien (4/5 Sterne) statt. 
  • Nächtigung ist also nicht gleich Nächtigung – heute wird daraus eine ungleich höhere Wertschöpfung generiert als noch vor 20 oder 30 Jahren.

AK weitet Service aus: eigene Mobbing-Beratung für den Pinzgau

Seit nunmehr sechzehn Jahren steht die Salzburger Arbeiterkammer gemobbten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern mit einem eigenen Beratungs-Service zur Verfügung. Das funktioniert so: Beim Erstgespräch wird festgestellt, ob Mobbing oder eine anderes Problem vorliegt, etwa ein Konflikt. Das wird gemeinsam mit einer Psychologin eruiert. Neben dieser Beratung bietet die AK dann an, beim Arbeitgeber zu intervenieren – natürlich nur, sofern dies vom Betroffenen gewünscht wird.

Um betroffenen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern aus Salzburgs größtem Bezirk die lange Anreise in die Landeshauptstadt  zu ersparen, bietet die AK Salzburg seit Oktober 2017 nun auch eine eigene Anti-Mobbingberatung in der Bezirksstelle in Zell am See an. Eine telefonische Terminvereinbarung ist notwendig. Neben einer AK-Juristin aus dem Arbeitsrecht wird auch hier die Beratung durch eine Psychologin begleitet.

Aktuelle Trends und Fälle aus der Beratungspraxis im Bezirk

Margit Pfatschbacher, AK-Bezirksstellen-Leiterin in Zell am See, berichtet von einem Trend, der in der täglichen Beratungspraxis besonders negativ hervorsticht: „Arbeitgeber versuchen immer wieder, das Entgeltfortzahlungsgesetz zu umgehen. Dabei melden sie Dienstnehmer während eines Krankenstandes ab und stellen es als einvernehmliche Auflösung dar. Die Betroffenen bemerken dies oft erst beim Arztbesuch oder beim Kontrolltermin in der GKK.“

„Wir hatte dazu heuer bereits 12 Interventionen“, so Pfatschbacher weiter, „in 7 Fällen wurden dabei insgesamt 7231,43 Euro netto an Entgeltfortzahlung an die Dienstnehmer nachbezahlt.“

Auch bei Lohnabrechnungen spießt es sich immer wieder, wie folgender Fall zeigt:

Eine junge Bäckerin, die ihre Lehrzeit im August 2016 abgeschlossen hatte, wandte sich an die AK-Bezirksstelle, weil sie seit 2015 keine Lohnabrechnungen erhalten hat. Pfatschbacher und ihr Team nahmen sich der Sache an und stellten fest, dass sowohl die ausbezahlten Nettobeträge als auch die Bruttolöhne falsch waren.

Denn die junge Frau hat trotz Lehrabschluss weiterhin bis Jahresende 2016 nur eine Lehrlingsentschädigung für das 4. Lehrjahr erhalten, obwohl die Lehre nach 3 Jahren beendet war und die LAP erfolgreich absolviert wurde. Auch der Wechsel vom 2. In das 3. Lehrjahr im Jahr 2015 wurde „übersehen“.

„Wir konnten erreichen, dass der Dienstgeber fast 5.000 Euro netto nachzahlen musste“, freut sich die AK-Bezirksstellenleiterin. Ohne die Hilfe der AK hätte die Frau wohl durch die Finger geschaut.

Beratungen im Pinzgau

Wich​ti​ge Termine im Pinzgau.

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