08.11.2016
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Salzburg rutscht ab: nur mehr 7. bei den Einkommen österreichweit

AK-Einkommensanalyse 2015: Die Brutto-Medianeinkommen sind im Vergleich zum Jahr davor um 1, 4 Prozent gestiegen. Die Gründe: Niedrige Inflation und mehr ältere Beschäftigte. Gleichzeitig verliert Salzburg im Österreichvergleich immer mehr an Boden: Mittlerweile ist unser Bundesland nur mehr 7. im Bundesländerranking. Vor allem der überproportional hohe Anteil der Beschäftigten im Dienstleistungssektor und Beschäftigungszuwachs, der hauptsächlich auf Teilzeit basiert, sind dafür verantwortlich. AK-Präsident Siegfried Pichler: „Sich nur auf die niedrige Inflation oder günstige Wirtschaftsprognosen zu verlassen, reicht nicht. Damit die Einkommen mit der Teuerung auch langfristig Schritt halten können, braucht es faire und gute Lohnabschlüsse sowie mehr gute Vollzeit-Jobs!“   

Wir haben die aktuellen Einkommensdaten des Hauptverbands der österreichischen Sozialversicherungsträger für das Jahr 2015 analysiert. Dabei zeigt sich ein gemischtes Bild: Sowohl im kurz- als auch im langfristigen Vergleich sind die Einkommen real gestiegen: Seit 2014 um 1,4 Prozent, zwischen den Jahren 2010 und 2015 um 1,5 Prozent und im Zehnjahres-Vergleich wiederum um 1,4 Prozent. Die Gründe: Niedrige Inflation und mehr ältere Beschäftigte. „Die Pensionsänderungen der letzten Jahre haben zu einer steigenden Beschäftigung von älteren Männern mit guten Einkommen und in der Folge insgesamt zu einem Steigen der Durchschnittslöhne geführt“, erklärt AK-Einkommensexperte Florian Preisig. Gleichzeitig fällt unser Bundesland im Österreich-Vergleich immer mehr zurück und liegt aktuell nur mehr am 7. Platz.

Trotz gestiegener Einkommen fällt Salzburg zurück

Das monatliche Bruttomedianeinkommen (Jahreseinkommen inkl. Sonderzahlungen dividiert durch 14) in Salzburg lag 2015 bei 2.045 Euro, eine nominelle Steigerung von +2,3 Prozent. Inflationsbereinigt (Preissteigerung 0,9 Prozent) bleibt daher für Salzburg 2015 ein Plus von 1,4 Prozent übrig. Die Salzburger Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer liegen damit um 3,8 Prozent unter dem österreichischen Schnitt von 2.125 Euro. Wie im Jahr davor wurden auch 2015 die höchsten Einkommen in Vorarlberg (2.240 Euro), Oberösterreich (2.207 Euro) und Wien (2.174 Euro) erzielt. Nur die Einkommen in Tirol und im Burgenland sind noch niedriger als in Salzburg. Unser Bundesland ist mittlerweile hinter Kärnten an die siebte Stelle zurück gefallen.

Teilzeit und dominierender Dienstleistungssektor

Der Hauptgrund für das schlechte Abschneiden Salzburgs bei den Einkommen liegt in der Wirtschaftsstruktur. Denn: Mehr als drei Viertel (77,6 Prozent) der Salzburger Arbeitnehmer sind im Dienstleistungssektor beschäftigt, während es in Österreich um 3,5 Prozentpunkte weniger sind. Bei den Frauen sind sogar 89 Prozent in einer Dienstleistungsbranche. Während im gesamten Bundesgebiet 8,7 Prozent der Beschäftigten im Tourismus tätig sind, ist dieser Anteil in Salzburg mit 17 Prozent fast doppelt so hoch. In den südlichen Bezirken arbeitet mehr als jeder dritte Arbeitnehmer im Gastgewerbe oder in der Beherbergung. Und: Der Beschäftigungszuwachs der vergangenen Jahre geht fast ausschließlich auf das Konto von mehr Teilzeitbeschäftigung. Zusammengefasst: Gerade dort, wo es die meisten Teilzeitjobs gibt und wo gleichzeitig eher unterdurchschnittliche Löhne gezahlt werden, ist Salzburg österreichweit spitze. „Daher ist es wenig verwunderlich, dass die Einkommen in Salzburg in den vergangenen fünf Jahren sukzessive hinter der Entwicklung in Österreich geblieben sind“, resümiert Preisig.

Wohnen bleibt teuer und Einkommensfresser Nummer 1

Nach wie vor ist Wohnen im Bundesland Salzburg extrem teuer – da helfen auch steigende Einkommen nicht: Vor allem in der Stadt Salzburg haben sich die Wohnpreise überdurchschnittlich entwickelt. Vergleicht man die Preise 2015 mit denen von 2010, ergibt sich ein deutliches Auseinanderdriften von Einkommen und Wohnpreisen. In den vergangenen fünf Jahren stiegen die Kaufpreise im Schnitt um 35,7 Prozent, die Mieten um 12,4 Prozent - während sich die Einkommen wie bereits erwähnt nominell lediglich um 12,2 Prozent erhöhten. Damit galoppieren die Wohnkosten den Einkommen davon.

Lohnverhandlungen: Faire Löhne sind Gebot der Stunde

Damit die Einkommen mit diesen Preisentwicklungen nachhaltig Schritt halten können, ist es für die Arbeiterkammer viel zu wenig, darauf zu hoffen, dass die Inflation niedrig bleibt – es braucht faire und gute Lohnabschlüsse. Zumal es der österreichischen Wirtschaft nicht schlecht geht. Die konjunkturelle Talsohle scheint durchschritten: In den vergangenen Monaten stieg das Bruttoinlandsprodukt laut WIFO (Wirtschaftsforschungs-Institut) um 0,4 Prozent, die Industrie produzierte im Juni sogar um 0,9 Prozent mehr als noch 2015. Auch für die nächsten Jahre sind die Aussichten positiv, die österreichischen Firmen werden um 2,2 bis 2,8 Prozent mehr erwirtschaften. „Dieser Aufwärtstrend muss auch bei den Arbeitnehmern ankommen“, fordert AK-Präsident Pichler im Hinblick auf die aktuellen Lohnverhandlungen, „jeden Euro, den die Menschen am Ende des Monats mehr haben, geben sie fast 1:1 wieder aus und befeuern damit die Konjunktur. Das zeigte schon die Steuerreform, das gilt auch für Lohnerhöhungen!“ Durch die Steuerreform hat jeder Salzburger seit heuer im Schnitt 885 Euro im Jahr mehr netto im Börsel. Das kurbelte die Wirtschaft bereits merkbar an.

Österreichs börsennotierte Unternehmen schütteten ihren Eigentümern 2015 mehr als 70 Prozent des gemeinsam erarbeiteten Gewinnes aus. „Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben sich ein faires Stück vom Kuchen verdient. Die wirtschaftlichen Bedingungen rechtfertigen in jedem Fall eine Lohnerhöhung deutlich über der Teuerungsrate, die innerhalb der nächsten zwei Jahre auf 1,8 Prozent klettern soll“, so der AK-Präsident.

Flachgau Bezirkssieger, Tennengau mit größtem Zuwachs

Hagen- und Tennengebirge teilen Salzburg nicht nur in „Innergebirg und Außergebirg“, sie stellen auch eine Einkommensgrenze dar. Die Bruttoeinkommen im Flachgau bleiben mit 2.166 Euro (+1,7 Prozent) die höchsten im Bundesland. Dahinter die Stadt Salzburg mit 2.117 Euro (+2,1 Prozent) und der Tennengau mit 2.019 Euro (+4 Prozent). Auf Platz drei der Lungau mit einem Einkommen von 1.935 Euro (+2,6 Prozent) vor dem Pinzgau (1.863 Euro; +2,4 Prozent) und Schlusslicht Pongau mit 1.860 Euro (+2,4 Prozent).

Salzburger Bezirke fallen zurück

Dass das Bundesland Salzburg im Österreich-Schnitt zurückfällt, zeigt auch der Blick auf die Bezirke, denn unsere Nummer 1 ist mittlerweile aus den Top 20 herausgefallen: Der Flachgau hat sieben Plätze eingebüßt und liegt nur noch an 21. Stelle (von 95) im Bezirksranking. Die Stadt Salzburg liegt auch noch im vorderen Drittel und ist weiterhin auf Platz 28. Die südlichen Bezirke liegen wenig überraschend im hinteren Drittel. Der Pinzgau kommt auf Platz 74, direkt dahinter der Pongau auf 75.

Den höchsten Lohn bekommt man übrigens weiterhin im oberösterreichischen Steyr. Hier lag das durchschnittliche Medianeinkommen 2015 bei 2.723 Euro monatlich. Letzter ist das burgenländische Rust mit 1.328 Euro monatlich.

Interessant: Bei einer geschlechtsspezifischen Betrachtung zeigt sich, dass alle Salzburger Bezirke bei den Fraueneinkommen zwischen den Plätzen 6 (Stadt Salzburg) und 44 (Lungau) liegen und damit deutlich besser als bei den Männereinkommen.

Tourismus drückt das Durchschnittseinkommen

Generell sind die Verdienstmöglichkeiten in den Branchen des Sachgüter-, bzw. Produktionssektors günstiger als in den Dienstleistungsbranchen. Daher ergeben sich auch strukturelle Nachteile für die südlichen Bezirke. Die Einkommen im Tourismus liegen zum Beispiel um fast 20 Prozent unter dem Landesdurchschnitt. In Salzburg ist der Anteil der im Tourismus beschäftigten Arbeitnehmer mit 17 Prozent knapp doppelt so hoch wie im österreichischen Durchschnitt. In den südlichen Bezirken Salzburgs ist mehr als jeder dritte unselbstständig Beschäftigte in der Beherbergung oder im Gastgewerbe beschäftigt, während in den nördlichen Bezirken der Anteil deutlich geringer ist und bei knapp 10 Prozent liegt. Bei den weiblichen Beschäftigten zeigt sich dieses Gefälle noch stärker. Mehr als jeder fünfte Arbeitsplatz in Salzburg ist in der Gastronomie oder in der Beherbergung zu finden.

Gut organisierte Branchen verdienen besser

Untersuchungen zeigen, dass Branchen mit gut organisierten Beschäftigten und Betriebsräten von höheren Lohnabschlüssen profitieren. Hingegen tendieren Unternehmen – speziell in der Dienstleistungsbranche – mit geringerem Organisationsgrad auch zu niedrigen Lohnerhöhungen. „Es wird von Einkommensunterschieden von bis zu 10 Prozent ausgegangen“, erklärt AK-Experte Preisig.

Daran ist zu sehen, welche wichtige Funktion Gewerkschaft, Betriebsrat und Arbeiterkammer in diesem Lande einnehmen. Sie stehen den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern bei ihren Forderungen zur Seite. Auch die mit Beginn des heurigen Jahres in Kraft getretene Steuerreform ist das Ergebnis einer eines hartnäckigen, gemeinsamen Kampfes von Arbeiterkammer und ÖGB. „Fast 900.000 Unterschriften und eine Kampagne der Gewerkschaftsbewegung, an der niemand vorbeisehen konnte, haben letztendlich dazu geführt, dass sich die Politik durchringen konnte, ein großes Entlastungspaket zu schnüren, das fast ausschließlich den Arbeitnehmern und Pensionisten zugutekommt“, sagt Pichler.

Lohnschere schließt sich kaum

Frauen verdienen in etwa nur zwei Drittel von dem, was Männer bekommen. Das mittlere Einkommen der Frauen in Salzburg 2015 betrug 1.659 Euro, das der Männer 2.424 Euro. Die Fraueneinkommen lagen somit um 31,5 Prozent unter jenen der Männer. Gegenüber 2014 ist der Unterschied zwischen den Geschlechtern also geringfügig um 0,5 Prozentpunkte kleiner geworden.

Österreichweit zeigt sich, dass die größten Unterschiede bei den Medianeinkommen in den industriell geprägten Bundesländern Oberösterreich (38,1 Prozent), Vorarlberg (37,6 Prozent) oder Steiermark (36,2 Prozent) auftreten, während der Abstand in den weiteren Bundesländer knapp beieinander liegt. Lediglich Wien weist mit „nur“ 20,4 Prozent Abstand einen wesentlich niedrigeren Wert auf.

Zukunft – Chancen – Österreich

Schwächelndes Wirtschaftswachstum und steigende Anforderungen in der Arbeitswelt: Herausfordernde Zeiten erfordern neue Wege.

Arbeit 4.0

Veranstaltungsreihe "Dialog 4.0" der AK Salzburg zu Herausforderungen und Chancen im digitalen Zeitalter.

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