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Arbeitsmarkt-Analyse 2016

Am Salzburger Arbeitsmarkt war im Jahr 2016 viel Positives zu bemerken: Die Arbeitslosigkeit ist um 3,8 Prozent zurückgegangen und die Beschäftigung ist weiter gestiegen – um 1,3 Prozent. Dabei sind endlich auch wieder mehr Vollzeitarbeitsplätze entstanden.

Ein Trend, der sich immer mehr verfestigt: Durch die Pensionsreformen der letzten Jahre gibt es immer mehr ältere Arbeitnehmer am Markt – sowohl Beschäftigung, als auch Arbeitslosigkeit steigen in dieser Altersgruppe. Das Problem: Bei älteren Arbeitnehmern wird die Verweildauer in der Arbeitslosigkeit immer länger. Generell ist festzustellen, dass sowohl die Dauer der Arbeitslosigkeit steigt, als auch die Zahl der Langzeitbeschäftigungslosen immer größer wird.

Jetzt gilt es, den Schwung aus den positiven Effekten mit zu nehmen und sich nicht auf der leichten Erholung des Jahres 2016 auszurasten, wie AK-Präsident Siegfried Pichler betont: „Trotz der Entspannung am Arbeitsmarkt 2016 müssen weiter arbeitsmarktpolitische Maßnahmen und öffentliche Investitionen her, die Arbeitsplätze schaffen. Denn der Druck auf den Arbeitsmarkt wird weiter zunehmen – durch ein immer größeres Potential speziell an älteren Arbeitnehmern und ausländischen Arbeitskräften.“

Auch die Prognosen für das heurige Jahr sind nicht gerade rosig. Derzeit ist von einer Zunahme der Arbeitslosigkeit um 1 bis 2 Prozent auszugehen, während die Beschäftigung voraussichtlich um 1,2 Prozent steigen wird.

Plus bei Beschäftigung und Vollzeitjobs

Im Jahresdurchschnitt 2016 kam es zu einem deutlichen Zuwachs der Beschäftigung um 3.208 Personen auf 250.157, was einem Plus von 1,3 Prozent entspricht.

Dabei ist anzumerken, dass die Zahl der in Salzburg beschäftigten Ausländer (inkl. EU-Bürger) 2016 um 2.388 Personen höher war als im Vorjahr. Das bedeutet, dass im Vergleich zur Gesamtbeschäftigung die Zahl der ausländischen Beschäftigten weit deutlicher gewachsen ist, nämlich um fünf Prozent, als die Zahl der beschäftigten Inländer, die um 820 bzw. um 0,4 Prozent zugenommen hat. Deutschland mit 12.352, das ehemalige Jugoslawien mit 6.283 und Ungarn mit 5.408 stellen den Hauptteil der ausländischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in unserem Bundesland.

„Am erfreulichsten beim Beschäftigungsplus aus unserer Sicht ist, dass die Beschäftigungszunahme der vergangen Monate nicht mehr ausschließlich auf einem Zuwachs an Teilzeitarbeitsplätzen beruht, auch die Zahl der Vollzeitstellen ist seit langem wieder leicht gestiegen“, sagt Pichler. Allerdings wurde dadurch lediglich der Rückgang der vergangen Jahre kompensiert und die Zahl der Vollzeitstellen liegt ungefähr auf dem Niveau des Jahres 2012.  

Im 3.Quartal 2016 hatten laut Statistik Austria (Mikrozensus) 69.500 Personen in Salzburg eine Teilzeitbeschäftigung. Die Teilzeitquote liegt damit bei 28,6 Prozent. Und – wenig überraschend: Teilzeit ist weiblich. Während die Teilzeitquote bei Männern im 3. Quartal 2016 bei 9,4 Prozent lag, machte sie bei Frauen 48,7 Prozent aus.

Beschäftigungszuwachs getragen von älteren Arbeitnehmern

Wie bereits erwähnt, steigt das Potential an älteren Personen am Arbeitsmarkt. Dementsprechend ist speziell in dieser Gruppe auch die Beschäftigung stark angestiegen. Ein Plus von 3.718 Personen in der Gruppe der über 50-Jährigen entspricht einem Zuwachs von 6,3 Prozent. Betrachtet man nur die Beschäftigung bei über 60-Jährigen, legte auch diese deutlich zu, nämlich um 1.082 Personen bzw. 18,6 Prozent. Hingegen kam es bei den Beschäftigten im Alter von 25 bis 49 Jahren nur zu einem minimalen Zuwachs (+132 bzw. +0,1 Prozent). Die Beschäftigung von Personen unter 25 Jahren ist gesunken – um 643 Menschen oder -1,8 Prozent.

Pichler: „Die Pensionsreformen der letzten Jahre machen sich jetzt immer stärker am Arbeitsmarkt bemerkbar, die Menschen bleiben länger in Beschäftigung. Deshalb gilt es einerseits Rahmenbedingungen zu schaffen, die gutes und gesundes Arbeiten ermöglichen, andererseits aber auch Maßnahmen zu setzen, die das Beschäftigen älterer Mitarbeiter attraktiver machen“, fordert der AK-Präsident.

Zugpferde Gesundheitswesen, Handel und Tourismus

Die deutlichsten Zuwächse an Arbeitsplätzen gab es 2016 im Gesundheitsbereich (+752 bzw. 5,2 Prozent), im Handel (+525 bzw. 1,2) und im Tourismus (+516 bzw. 2,1). Mehr als die Hälfte aller zusätzlichen Arbeitsplätze sind in diesen drei Branchen entstanden (+1.793). Immer noch leicht rückläufig ist allerdings die Beschäftigung in der Produktion (-96 bzw. -0,3 Prozent).

Die Beschäftigung liegt in einigen Bereichen, vor allem im produzierenden Sektor und am Bau deutlich unter den Höchstwerten des Jahres 2008. Im Jahresdurchschnitt 2016 waren um rund 2.700 Personen weniger im produzierenden Bereich, etwa 350 Personen weniger am Bau und circa 400 weniger im Verkehr beschäftigt als im Jahr 2008. Deutlich mehr Arbeitsplätze als 2008 gibt es hingegen im Handel (rund +3.500) und im Tourismus (etwa +3.600).

„Speziell im Handel, aber auch am Bausektor hat die Salzburger Landesregierung mit ihrem Nein zur Erweiterung von Einkaufszentren sowie ihrem Nein zur Mönchsberggarage große Chancen ausgelassen, um dem sich nur leicht erholenden Arbeitsmarkt weitere wichtige Impulse zu geben“, erinnert Pichler.

Kampf den sinkenden Lehrlingszahlen im Tourismus!

Die Lehrlingsstatistiken zeigen, dass die Anzahl jener, die eine Lehre im Tourismusbereich machen, seit Jahren kontinuierlich zurückgeht: Seit dem Jahr 2007 ist die Zahl der Lehrlinge in diesem Bereich um rund ein Drittel gesunken. Auch die Diskussion der letzten Monate über den Fachkräftemangel im Tourismus, etwa bei den Köchen, unterstreicht den Handlungsbedarf.

Auf Initiative von AK-Präsident Siegfried Pichler haben die Sozialpartner den sinkenden Lehrlingszahlen jetzt den Kampf angesagt. Es wurden Arbeitsgruppen gebildet, die Konzepte zur Attraktivierung der Lehrberufe im Tourismus erarbeiten werden. Pichler: „Wir denken dabei vor allem an Arbeitszeiten, die eine bessere Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Freizeit ermöglichen und natürlich auch an eine attraktivere Entlohnung – es muss uns gelingen, wieder mehr junge Menschen für diesen Berufsstand zu begeistern, schließlich ist der Tourismus einer der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren, Arbeitgeber und Zugpferd bei der Beschäftigungsentwicklung in unserem Bundesland.“

Baustelle Langzeitarbeitslosigkeit

Trotz Rückgangs der Arbeitslosigkeit, bleiben alte Probleme: Gegenüber dem Vorjahr hat sich die Zahl jener, die mehr als ein Jahr arbeitslos waren, weiter deutlich erhöht, nämlich um 319 Menschen oder um 42,1 Prozent. Achtung: Sobald die Arbeitslosigkeit innerhalb eines Jahres beispielsweise durch eine Schulung unterbrochen wird, fällt der Betroffene aus der Statistik heraus und wird nicht mehr als arbeitslos gewertet. Deshalb gibt es seit einigen Jahren einen weiteren Indikator – die so genannte Langzeitbeschäftigungslosigkeit.

In Salzburg waren im Vorjahr 2.711 Personen langzeitbeschäftigungslos. Gegenüber dem Jahr 2015 ist das ein Zuwachs um 8,2 Prozent (+205). Als langzeitbeschäftigungslos gelten jene, die aktuell arbeitslos sind und inklusive Unterbrechungen wie etwa Schulungen, Fachkräftestipendium oder Reha insgesamt mehr als 365 Tage beim AMS gemeldet sind.

Die durchschnittliche Dauer der Arbeitslosigkeit in Salzburg betrug im Jahr 2016 weiterhin fast drei Monate (85 Tage). Gegenüber dem Vorjahr dauerte die Arbeitslosigkeit damit gleich lange, konnte also nicht reduziert werden.

Vor allem bei älteren Arbeitslosen dauert die Arbeitslosigkeit immer länger. Personen zwischen 50 und 54 Jahren sind durchschnittlich 103 Tage arbeitslos
(+2 Tage). Personen zwischen 55 und 59 Jahre sind durchschnittlich 126 Tage (+4 Tage) arbeitslos.

Mit dem bereits erwähnten Beschäftigungsplus bei älteren Arbeitnehmern geht auch ein Ansteigen der Arbeitslosigkeit in dieser Altersgruppe einher: Vor allem in der Gruppe über 60 Jahre mit plus 57 Personen oder +11,8 Prozent.

Wichtige Schritte gesetzt – weitere müssen folgen

„Die Politik hat in den vergangenen Monaten einige wichtige und richtige Schritte gesetzt – etwa mit der Steuerreform, der Wiedereinführung des Fachkräfte-Stipendiums oder auch damit, dass dem Arbeitsmarktservice (AMS) mehr Mittel zur Verfügung gestellt wurden“, so AK-Präsident Siegfried Pichler.

Die Steuerentlastung, die alleine in unserem Bundesland ein Plus von 300 Millionen Euro an Kaufkraftsteigerung gebracht hat (die Salzburger hatten im vergangenen Jahr im Schnitt 800 Euro mehr pro Jahr im Geldbörsel), hat die Konjunktur belebt und die Wirtschaft angekurbelt.

Nach dem bedauerlichen Auflassen des Fachkräftestipendiums im Jahr 2016 hat die Arbeiterkammer vehement darauf gedrängt, dieses Angebot wieder einzuführen – mit Erfolg: Seit 1.1.2017 gibt es dieses wichtige Arbeitsmarktförderungsinstrument wieder. Menschen, die sich höher qualifizieren wollen, bzw. ihre berufliche Laufbahn ändern oder verbessern wollen, werden wieder entsprechend unterstützt. „In Zeiten, wo Fachkräfte oft verzweifelt gesucht werden, ist dieses bedeutende Förderungsinstrument unbedingt notwendig“, sagt Pichler.

Aber es ist zu befürchten, dass all diese Maßnahmen nicht ausreichen werden, um eine langfristige Trendwende am Arbeitsmarkt herbeizuführen. Wir müssen Beschäftigung fördern statt Arbeitslosigkeit verwalten und hinnehmen“, sagt der AK-Präsident. Der Schlüssel zu mehr Beschäftigung sind Maßnahmen, die die Konjunktur ankurbeln und Investitionen, die Wirtschaft und Arbeitsmarkt dringend brauchen.

Und: „Investitionen in Maßnahmen, die Beschäftigung schaffen, sagen nicht nur der Arbeitslosigkeit den Kampf an, sondern sorgen auch dafür, dass in die Pensionstöpfe eingezahlt wird und das hohe Niveau unseres Sozialstaats gehalten werden kann“, so Pichler an die Adresse all jener, die lieber Leistungen kürzen anstatt die Konjunktur zu beleben.

„Du kannst was“ für mehr Bildungschancen

In Zeiten hoher Arbeitslosigkeit ist klar, dass auch Aus- und Weiterbildung Priorität haben müssen. Immer noch haben 52.344 Menschen in Salzburg nur einen Pflichtschulabschluss, sammeln aber täglich Erfahrung und Knowhow in ihren Jobs. Aber sie finden trotzdem schwerer einen neuen Job und nehmen Weiterbildungsangebote weniger wahr. Hier setzt das Projekt „Du kannst was“ von Land Salzburg und den Sozialpartnern an.

Bei den Teilnehmern werden zuerst deren Kompetenzen eruiert und danach lernen sie durch punktgenaue Weiterqualifikation das, was ihnen zum formalen Berufsabschluss noch fehlt. Aus Hilfskräften, die gute Fertigkeiten aber noch keinen Abschluss haben, werden so Fachkräfte.

Bis jetzt haben in Oberösterreich – dort startete „Du kannst was!“ zuerst – und Salzburg über 560 Männer und Frauen erfolgreich ihren Lehrabschluss nachgeholt. In Salzburg schafften es sogar zwei Arbeitnehmerinnen, den Abschluss zur Einzelhandelskauffrau ob ihres umfangreichen Wissens quasi aus dem Stand zu machen. Insgesamt konnten in der Pilotphase 62 Personen den Lehrabschluss absolvieren und damit ihre berufliche Qualifikation erheblich verbessern.

„Dieses Projekt schafft neue Chancen für Menschen, die sonst nur wenig Entwicklungspotenzial auf dem Arbeitsmarkt haben“, resümiert Pichler.

Flexibilisierung darf keine Einbahnstraße sein

Wirtschaft und Industrie wünschen sich für 2017 von den Beschäftigten mehr Flexibilität bei den Arbeitszeiten, so wird auch immer wieder der 12-Stunden-Arbeitstag zum Thema gemacht. Die Arbeiterkammer ist beim Thema Flexibilisierung grundsätzlich gesprächsbereit und für gute Lösungen zu haben, solange das keine Einbahnstraße bedeutet, wo nur die Unternehmen profitieren. Vielmehr müssen auch die Wünsche der Beschäftigten berücksichtigt werden – etwa bezüglich Vereinbarkeit von Beruf und Familie oder Freizeitregelungen.

„Außerdem sollten die Möglichkeiten, die Kollektivverträge für Flexibilisierungen vorsehen, tatsächlich genutzt werden und dem Gesundheitsschutz jener Stellenwert eingeräumt werden, der der Arbeitswelt des 21. Jahrhunderts gerecht wird. Wer flexiblere Arbeitszeiten will, muss gleichzeitig Schutzmechanismen vor Missbrauch einbauen, eine angemessene Bezahlung sicherstellen und nicht einer Verbilligung der Arbeitsleistung das Wort reden sowie die Arbeitszeit für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gerechter aufteilen“, erklärt AK-Präsident Siegfried Pichler.

 

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