8.3.2022

Noch viel Aufholbedarf bei Geschlechter-Gerechtigkeit

Der aktuelle Arbeitsklima Index zeigt: Der Abwärtstrend, der im Jahr 2020 begonnen hat, setzt sich fort. Nachdem die Arbeitsplatz-Zufriedenheit nach dem Tiefststand im Jahr 2016 mit 99 Punkten auf 112 Punkte im Jahr 2018 gestiegen ist, liegt sie aktuell bei 104 Punkten. Obwohl Frauen mit 105 Punkten insgesamt zufriedener sind als Männer (103 Punkte), gibt es in Gerechtigkeitsfragen enorme Unterschiede.

Jobchancen wenig zufriedenstellend

26,5% der Frauen sind wenig bis gar nicht zufrieden mit ihren Aufstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten im Unternehmen, bei Männern sind es nur 17,7 Prozent. Die Einschätzungen bezüglich der eigenen Arbeitsmarktchancen sind ebenfalls wenig optimistisch:

  • Nur 11 Prozent der Frauen glauben, dass es sehr leicht wird, im Fall eines Arbeitsplatzwechsels bzw. -verlusts wieder eine adäquate Stelle zu finden.
  • Beinahe jede 2. Frau schätzt ihre Karrierechancen eher bzw. sehr schlecht ein.

Weiterhin hohe Einkommensunterschiede

Daraus ergibt sich, dass Frauen ein schlechteres Auskommen mit ihrem Einkommen haben und auch ihre finanzielle Absicherung in der Pension wenig optimistisch einschätzen. Diese Einschätzung spiegelt sich im Gender-Pay-Gap: Dieser liegt im Bundesland Salzburg bei 21,2 Prozent – das sind 11.376 Euro pro Jahr an Einkommen, das Frauen weniger zur Verfügung haben. Gründe dafür: Frauen arbeiten überwiegend in Berufen, die schlechter bezahlt werden. Frauen sind überwiegend für die unbezahlte Arbeit, also Kinderbetreuung, Haushalt und Pflege verantwortlich und sind weitaus seltener in wichtigen Entscheidungspositionen tätig.

Für jede 10. Frau reicht das Einkommen nicht, für 41,8 Prozent reicht es gerade zum Leben aus.

Noch schlechter ist es bei den Pensionen bestellt: Beinahe jede 4. Frau (23,3 Prozent) geht davon aus, dass die Pension nicht zum Leben ausreichen wird. 46,2 Prozent glauben, dass sie gerade ausreichen wird.

Vereinbarkeit bleibt herausfordernd

Vereinbarkeit wird als Herausforderung gesehen – sowohl im Generellen als auch in der persönlichen Betroffenheit. So reduzieren Frauen mit Kindern oftmals ihre Erwerbsarbeit, um Beruf, Familie und Haushalt unter einen Hut zu bekommen. Das hat negative Folgen: Längerfristiges Arbeiten in Teilzeit führt zu einem geringeren Einkommen und in weiterer Folge zu einer geringen, oftmals nicht existenzsichernden Pension.

Mehr als die Hälfte (52,9 Prozent) der Frauen mit Kind(ern) im Haushalt gibt an, dass es eher bzw. sehr schwer möglich ist, Familie und Beruf zu vereinbaren. Je besser die Kinderbetreuung vor Ort, desto besser wird auch die Vereinbarkeit bewertet.

Die AK hat Maßnahmen vorgeschlagen, die die Vereinbarkeit erleichtern und Frauen eine Erhöhung ihrer Erwerbsstunden ermöglichen sollen. Diese wurden von den Befragten bewertet:

  • 75,1 Prozent meinen, dass eine gute Kinderbetreuung in den Ferien die Vereinbarkeit leichter gestalten würde.
  • 74,5 Prozent fänden es hilfreich, wenn der Kindergarten ganztags geöffnet hätte. Diese Forderung wird insbesondere von Menschen mit weniger Einkommen unterstützt.
  • Auch flexible Arbeitszeiten (73,4 Prozent), die Mithilfe von Familienangehörigen (74,9 Prozent) oder die Aufteilung der Kinderbetreuung mit dem Partner (69,2 Prozent) würden viele als erleichternd ansehen.

Der Ausbau des Betreuungsangebots ist der zentrale Schlüssel für eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie (Stichwort: Erwerbsquote). Ein weiterer Aspekt, in Hinblick auf den sich abzeichnenden steigenden Arbeitskräftemangel: 58,3 Prozent sind der Meinung, dass Frauen mehr Kinder bekommen würden, wenn Beruf und Familie besser vereinbar wären.

Daran scheitert der Jobwechsel

  • Fehlende geeignete Arbeitsplätze (68,1%)
  • Betreuung von pflegebedürftigen oder älteren Menschen (13,1%) und Kinderbetreuungspflichten (20,9%)
  • Mangelnde Qualifikation und fehlende Erreichbarkeit mit Öffis (je 30%)
  • Zu hohes Alter (58%). Problematisch, da ab 2024 das Frauenpensionsalter sukzessive angehoben wird. Außerdem hat eine Studie kürzlich gezeigt, dass bereits jetzt gut jede 2. Frau aus der Arbeitslosigkeit in die Pension geht.

AK-Forderungen, um gegenzusteuern

Existenzsichernde Einkommen eine bessere Bewertung weiblicher, größtenteils systemrelevanter Berufe
Ausbau der Kinderbetreuungsangeboten auf kommunaler und betrieblicher Ebene
Investitionen in den Ausbau mobiler Pflegedienstleistungen
Umsetzung des von AK und ÖGB vorgeschlagenen Familienarbeitszeit-Modells – zur besseren Aufteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit

Bessere Anrechnung der Kindererziehungszeiten nach Vorbild des AK/ÖGB-Modells 

Arbeitsklima Index Frauen 2021 herunterladen (0,5 MB)

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