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Das Arbeitsklima in Salzburgs Gesundheitsbetrieben ist unterkühlt

Eine Studie der AK zeigt, dass sich das Arbeitsklima in Salzburgs Gesundheitsbetrieben leicht gebessert hat. Doch im Vergleich zur allgemeinen Job-Zufriedenheit im Land ist es nach wie vor unterkühlt. Besonders psychischer Stress und das Führungsverhalten in großen Betrieben machen den Arbeitnehmern zu schaffen. „Es geht um eine Zukunftsbranche. Gemeinsam mit dem Leitbetrieb Salzburger Landeskliniken und Betroffenen wollen wir Lösungen im Sinne der Beschäftigten verwirklichen“, sagt AK-Präsident Siegfried Pichler.

2006 erhob die AK schon einmal mit dem so genannten Arbeitsklima Index die Stimmungslage der Beschäftigten in Salzburgs Gesundheitsbetrieben. Heuer – 2014 – fand die zweite Spezialauswertung zu diesem Bereich statt. Der Arbeitsklima Index hilft dabei, festzustellen, wo in der persönlichen Wahrnehmung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer der Schuh drückt und liefert so wichtige Informationen für die Arbeit der AK als Interessenvertretung. Das Ergebnis ist zunächst einmal positiv. Im Vergleich zu 2006 kommen die in Gesundheitsbetrieben Beschäftigten heuer auf 96 statt 91 Indexpunkte, sind also zufriedener. Im Vergleich mit den Zufriedenheitswerten des gesamten Bundeslandes, das in der letzten Allgemeinen Erhebung 104 Punkte erreichte, ist das Klima im Gesundheitsbereich aber spürbar unterkühlt.

Zusätzlich wurden Wünsche und Fragen der Beschäftigten ausgearbeitet und von Gabi Burgstaller beantwortet.
>> Zur Liste.

Zeitdruck und Führungsverhalten belasten Arbeitnehmer

Den größten Zufriedenheits-Dämpfer erhält der zukunfts- und mitunter auch konfliktträchtige Bereich rund um Gesundheits- und Krankenpflege, medizinische Assistenz, Verwaltung und Handwerk durch das Führungsverhalten: 31 Prozent aller Beschäftigten in Gesundheitsbetrieben sind mit ihren Chefs unzufrieden. Im gesamten Land sind es „nur“ neun Prozent. Je größer der Betrieb desto gravierender wird dieses Problem. In den Salzburger Landeskliniken sind 40 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit dem Führungsverhalten unzufrieden. Die Hauptgründe dafür sind die stark hierarchische Struktur, zu wenig Transparenz, organisatorische Mängel und insgesamt zu wenig Personal.

Ebenfalls sehr häufig klagen die Beschäftigten der Gesundheitsbetriebe über hohen Zeitdruck – das trifft insbesondere für Altenpflegerinnen und -pfleger  und diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegekräfte zu. Die ohnehin seelisch belastende und aufreibende Arbeit wird so zu einer erheblichen Beeinträchtigung. Und dann kommt noch die körperliche Belastung durch Hebetätigkeiten und Nachtarbeit dazu.

AK engagiert sich für Lösungen im Pflege- und Gesundheitsbereich

„In den Salzburger Landeskliniken wird großartige Arbeit geleistet. Abgesehen von den genannten Stressfaktoren ist das Betriebsklima insgesamt in Ordnung“, stellt AK-Präsident Siegfried Pichler klar. „Aber dass es in einem Leitbetrieb des Landes in einzelnen Bereichen eine derart hohe Unzufriedenheit gibt, bereitet Kopfzerbrechen. Wir möchten die Führung wie auch die Arbeitnehmervertretung in Salzburgs größtem Gesundheitsunternehmen nach besten Kräften dabei unterstützen, diese Problemfelder zu handhaben und aufzulösen“, so Siegfried Pichler. „Jede Maßnahme im Leitbetrieb SALK würde auch Vorbildwirkung in anderen Gesundheitsunternehmen haben“, ist der AK-Präsident überzeugt.

In der Arbeiterkammer selbst ist der Grund für eine starke Unterstützung der Betriebe im Gesundheitsbereich jedenfalls aufbereitet: „Es gibt ein eigenes Referat in der AK, das sich den Gesundheitsberufen widmet. Unsere Serviceangebote für diesen Sektor im Bildungs- und Karriereberatungsbereich sowie im Arbeitnehmerschutz und im arbeitspsychologischen Bereich werden laufend ausgebaut“, sagt Siegfried Pichler.

Ergebnisse des Arbeitsklima Index Gesundheitsbetriebe im Detail

Das Arbeitsklima in Salzburgs Gesundheitsbetrieben wurde im 1. Halbjahr mittels 18.000 anonymisierten Fragebögen erhoben, von denen 4.117 aktiv an die Arbeiterkammer zurückgesendet wurden. Allein 54 Prozent der Befragten sind den Pflegeberufen zuzurechnen. 83 Prozent sind Frauen. Die häufigste Ausbildung ist mit 32 Prozent die Diplomkrankenpflegeschule. 57 Prozent der Befragten sind  in einer Krankenanstalt oder einem Ambulatorium tätig, 19 Prozent in Pflegeeinrichtungen und weitere elf Prozent in privaten Ordinationen. Sechs beziehungsweise fünf Prozent sind in mobilen Diensten oder einer Reha-Einrichtung beschäftigt.

Die subjektive Stimmung der Arbeitnehmer wird im Arbeitsklima Index auf vier Teilbereiche aufgegliedert. Der Bereich „Gesellschaft“ betrifft die Einschätzung der wirtschaftlichen Zukunft sowie der sozialen Position der Arbeitnehmerinnen. Der Bereich „Betrieb“ deckt die Einschätzung der wirtschaftlichen Zukunft des Betriebes sowie Faktoren wie innerbetriebliche Sozialleistungen und den Führungsstil ab. Der Teilbereich „Arbeit“ behandelt Aspekte der engeren Arbeitsplatzzufriedenheit und Belastungsfaktoren während der Arbeit. Bei den Erwartungen geht es schließlich um die eigenen Karriere- und Arbeitsmarktchancen.

Sozialleistungen und Image der Betriebe positiv

Dass die Nachwehen der Wirtschaftskrise immer noch nicht überstanden sind, zeigt der Teilindex Gesellschaft. Dort wird der eigene Status als Arbeitnehmer von den Teilnehmern gut bewertet, aber Zukunftsoptimismus herrscht nicht. „Im Bereich ´Betrieb´ sieht man, dass Gesundheitsunternehmen einen guten Ruf haben. Dieser ist in den Fragebögen im Allgemeinen gemeinsam mit den vorhandenen Sozialleistungen relativ hoch bewertet. Mit deutlichem Abstand folgen dann die Erwartungen an die wirtschaftliche Zukunft des Betriebes und schließlich der Führungsstil“, sagt IFES-Mitarbeiter Georg Michenthaler, der den Arbeitsklima Index für die AK auswertet.

Hoher psychischer Stress und geringe EinkommensZufriedenheit

Vergleichsweise hohe Werte erreichen Salzburgs Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in den Gesundheitsbetrieben im Bereich „Arbeit“ bei der allgemeinen Lebens- und Berufszufriedenheit. „Das beinhaltet auch gute Zufriedenheit mit der Zeiteinteilung, also den Arbeitszeitregelungen und damit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf“, sagt Georg Michenthaler. Leider fällt aber auch auf, dass die Einkommenszufriedenheit recht niedrig ist und bei den Belastungsfaktoren stark über psychischen Stress geklagt wird. Was die persönlichen Erwartungen an den Arbeitsmarkt betrifft sind die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Gesundheitsbereich insgesamt eher unzufrieden. Bereits die Karrieremöglichkeiten werden eher schlecht eingeschätzt. Besonders besorgt sind die Beschäftigten aber darüber, ob sie bei Arbeitsplatzverlust überhaupt wieder eine annehmbare Stelle finden.

Gehalt: Arbeitnehmern Wertschätzung entgegenbringen

Für Roland Seitlinger, den Vorsitzenden der Fachgruppenvereinigung für Gesundheits- und Krankenberufe im ÖGB ist vor allem die Unzufriedenheit mit dem Einkommen ein Warnsignal: „Einkommen und wahrgenommene Wertschätzung hängen eng zusammen. Einerseits ist gute Pflege wichtiger als je zuvor. Aber das spiegelt sich nicht im Gehalt wider.“ Rund ein Viertel der in der Gesundheitsbranche Beschäftigten (Voll- und Teilzeit) verdient netto unter 1.000 Euro. Zwei Drittel zwischen 1.000 und 2.000 Euro. Nur jeder Zehnte kommt auf mehr als 2.000 Euro unter dem Strich. Frauen verdienen deutlich weniger als Männer. Das Gehalt steigt zwar mit Überstunden, Wochenend- und Nachtarbeit – aber dadurch sinkt auch die Zufriedenheit.

„Es braucht vor allem in den Salzburger Landeskliniken gute Löhne und Gehaltsabschlüsse, denn viele andere Unternehmen im Gesundheitssektor orientieren sich an diesem Leitbetrieb. Ein neues, wertschätzendes Gehaltssystem ist deshalb längst überfällig“, sagt Seitlinger. Dieses System müsse die hohen Wohn- und Lebenshaltungskosten im Land Salzburg ebenso berücksichtigen wie Faktoren sozialer Gerechtigkeit: Alle Beschäftigten müssen ein Einkommen zum Auskommen haben. Die zweite große Herausforderung neben fairen Einkommen sei aber die hohe psychische und körperliche Belastung, der Arbeitnehmer im Gesundheitsbereich ausgesetzt sind. „Hier müssen die Arbeitgeber ebenso wie wir Arbeitnehmervertreter genau auf die Arbeitsbedingungen schauen und Verbesserungen ausarbeiten und umsetzen“, so Roland Seitlinger. 

Verbesserungen im Gesundheitsbereich haben für AK Top-Priorität

„Es ist wichtig, dass Bewegung im Gesundheitsbereich da ist“, sagt Gabi Burgstaller, AK-Referentin für Gesundheitsberufe und Frauen. Dass die AK ein eigenes Referat für die Gesundheits- und Pflegeberufe ins Leben gerufen hat ist nur der erste Schritt hin zu mehr Betreuung und Unterstützung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in diesem Bereich. „Unser spezielles Beratungsservice für Pflegeberufe hilft allen, die in diesen Zukunftssektor einsteigen wollen, sich zu orientieren. Außerdem gibt es eine Laufbahnberatung für Pflegekräfte, die sich weiterentwickeln wollen“, so Burgstaller. „Letztendlich geht es um Zufriedenheit und Motivation. Wenn die Rahmenbedingungen passen, werden sich viele Menschen für diese Sinn stiftenden Berufe entscheiden.“ Freilich sei auch manches ein oft externer Faktor – zum Beispiel zu wenig flexible Kinderbetreuungsangebote.

Top-Prioritäten sind für die AK zunächst ein neues, gerechteres System der Arbeitsbewertung im Gesundheitssektor inklusive einer Ausbildungsreform, passende Aus- und Weiterbildungsangebote für die dort Beschäftigten und das Reduzieren von psychischem Stress.

Veranstaltungsreihe in direktem Kontakt mit Beschäftigten

Dazu wird die Arbeiterkammer gemeinsam mit der ÖGB-Fachgruppenvereinigung für Gesundheits- und Sozialberufe zunächst in allen Bezirken die Ergebnisse des Arbeitsklima Index Gesundheitsbetriebe vorstellen – und zwar direkt den Beschäftigten und Betriebsräten dieses Bereichs. „Dort wird auch die Ausbildungsreform im Pflegebereich diskutiert werden“, sagt Gabi Burgstaller. AK-Präsident Siegfried Pichler: „Es geht darum, mit den Betroffenen konkrete Erfahrungen sowie Ideen zu sammeln und den Arbeitnehmern zu ermöglichen, aktiv an Lösungen mitzuwirken.

Termine:

Salzburg Stadt, Flachgau, Tennengau: Montag, 29. September
Pongau: Montag, 13. Oktober
Lungau: Freitag, 24. Oktober
Pinzgau: Montag, 27. Oktober

>> Nähere Infos finden Sie unter den Veranstaltungen.

Mit den wichtigsten Playern, allen voran den Salzburger Landeskliniken, führt die AK bereits Gespräche, welche Maßnahmen gesetzt werden können, damit die Branche entsprechend ihrer gesellschaftlichen Bedeutung attraktiv für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bleibt.“

„Positiv ist in jedem Fall, dass 94 Prozent der Mitarbeiter in Gesundheitsbetrieben ihren Arbeitsplatz für sicher halten. 73 Prozent sind mit der Ausbildung zufrieden. Jeweils 90 Prozent wissen, dass sie Möglichkeiten zur Weiterbildung haben und diese zur Gänze oder zumindest teilweise vom Arbeitgeber finanziert werden. Die AK ist mit ihrem diesbezüglichen Engagement am BFI und in der FH ein verlässlicher Partner für ihre Mitglieder“, so Gabi Burgstaller und AK-Präsident Siegfried Pichler.

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