25.04.2016
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Die Stimmung in Salzburgs Betrieben ist so schlecht wie noch nie!

Der Arbeitsklima Index (AKI) der AK misst die Arbeitszufriedenheit der in Salzburg Beschäftigten. Entgegen dem Aufwärtstrend der letzten beiden Jahre kam es 2015 zu einer massiven Verschlechterung des Arbeitsklimas. Mit 101 Indexpunkten wurde ein trauriger Rekord aufgestellt: Noch nie waren Salzburgs Arbeitnehmer so unzufrieden in ihrem Job. Auch der wirtschaftlichen Zukunft Österreichs wird kritisch entgegengeblickt. „Ein positives Signal in Sachen Arbeitszufriedenheit wäre in Anbetracht des angespannten Arbeitsmarktes bitter nötig gewesen. Ich hoffe, dass Ergebnis unseres AKI ist für Wirtschaft, Politik und Öffentliche Hand ein Weckruf. So kann es nicht mehr weitergehen. Sparpolitik und Kürzungen passieren, wie man sieht, auf Kosten der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in diesem Land“, sagt AK-Präsident Pichler.

Seit 1997 wird mit dem Arbeitsklima Index die Arbeitszufriedenheit gemessen. Der AKI ist ein gemeinsames Produkt der AK Oberösterreich mit den Sozialforschungsinstituten IFES und SORA. Im Jahr 2004 hat sich auch die Arbeiterkammer Salzburg dem Projekt angeschlossen und untersucht jedes Jahr, wo den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern im eigenen Bundesland der Schuh drückt.

Nach dem historischen Zufriedenheits-Tief im Jahr 2012, schien es in den Jahren 2013 und 2014 wieder bergauf zu gehen. Wie der AKI zeigte, hatte sich die Zufriedenheit der Arbeitnehmer in Salzburg nach dem Krisentief messbar verbessert.

Doch die Erholung währte nicht lange, das zeigt die aktuelle Analyse des Arbeitsklima Index der Arbeiterkammer für das Jahr 2015. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zufriedenheit – gemessen in Indexpunkten – von 106 auf 101 gefallen. Das Rekord-Tief von 2012 mit 102 Punkten wurde sogar noch unterschritten. Salzburg liegt mit diesem Ergebnis 19 Indexpunkte hinter dem Bestwert von 2007. Auch vom ohnehin mageren AKI-Österreich-Wert (106) hat man sich in Salzburg bis auf 5 Punkte entfernt.

AK Salzburg © AK Salzburg, AK Salzburg

 

„Der angespannte Arbeitsmarkt mit Rekordarbeitslosigkeit führte in den vergangenen zwei Jahren zu einer positiveren Beurteilung der Arbeit. Viele Beschäftigte waren für den Moment zufrieden, überhaupt einen Job zu haben. Dabei spielten Gewöhnungseffekte an die intensive Arbeit und so etwas wie Zweckoptimismus eine Rolle. Nun bricht aber das ganze Ausmaß der gedrückten Stimmung durch“, so Tobias Hinterseer, der den AKI für die Arbeiterkammer Salzburg auswertet.

Der Arbeitsklima Index besteht aus vier Teil-Indizes[1], die gemeinsam das Gesamtbild für Salzburg zeichnen. Vor allem bei der wahrgenommenen Situation im Teilbereich „Gesellschaft“ hat Salzburg gegenüber dem AKI 2014 deutlich verloren. Die Beschäftigten sehen besonders der wirtschaftlichen Zukunft Österreichs kritisch entgegen.

Die getrübte Stimmung schlägt sich auch im Teilindex „Erwartungen“ nieder. Arbeitsplatzsicherheit und Arbeitsmarktchancen werden so schlecht wie noch nie bewertet – auch bei Gutgebildeten mit einer höheren beruflichen Stellung. 

Teilindices © AK Salzburg, AK Salzburg

Der Wert für „Arbeit“ sinkt gegenüber der letztjährigen Erhebung und liegt nur noch knapp über dem historischen Negativ-Rekord aus dem Jahr 2012. Die Salzburgerinnen und Salzburger sind vor allem mit der Arbeitszeitgestaltung und der Work-Life-Balance unzufrieden – was sich auf den Teilbereich „Betrieb“ niederschlägt. Unzufriedenheit herrscht in Betrieben vor allem mit dem Führungsstil.

So sehr wird an der österreichischen Wirtschaft gezweifelt

Die aufschiebende Wirkung beziehungsweise der Zweckoptimismus der letzten Jahre weicht einem deutlichen Pessimismus und einer großen Frustration bei Salzburgs Beschäftigten. Das zeigt sich bei der Beurteilung der wirtschaftlichen Zukunft Österreichs. Nicht einmal die Hälfte der Befragten glaubt an eine positive Entwicklung. Mit nur 48 Indexpunkten wurde ein neuer Negativ-Rekord erreicht. Keiner der Befragten gab an, der wirtschaftlichen Zukunft Österreichs „sehr optimistisch“ entgegenzublicken. „Die Rekord-Arbeitslosigkeit und der angespannte Arbeitsmarkt lassen den Glauben an einen bevorstehenden Wirtschaftsaufschwung bei Salzburgs Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern schrumpfen“, so Pichler und weiter: „Zusätzlich schlägt den Salzburgerinnen und Salzburgern die schier unlösbare wirkende Flüchtlingsthematik auf das Gemüt. Das lässt auch das Vertrauen in die Politik sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene schwinden. Die Menschen sind zutiefst verunsichert. Das spiegelt sich auch in den Ergebnissen des Arbeitsklima Index 2015 wider.“

Jobverlust: Einer von drei glaubt an schnellen Wiedereinstieg

Nicht weniger düster als die wirtschaftliche Lage Österreichs wird die eigene berufliche Zukunft eingeschätzt: Der Sub-Index „Arbeitsmarktchancen“ fällt entgegen dem Aufwärtstrend der letzten Jahre, unter die 50 Punkte-Marke. Mit 48 Indexpunkten ist es das zweitschlechteste Ergebnis seit Bestehen des Arbeitsklima Index erreicht.

Nur 58 Prozent der Befragten geben an, im Falle eines Jobverlustes „sehr leicht“ bzw. „eher leicht“ eine neue Arbeitsstelle zu finden. Ein Drittel der Befragten ist davon überzeugt, dass sich die Jobsuche schwer bzw. sehr schwer für sie gestalten wird. Und: Lediglich ein Prozent der Beschäftigten ist überzeugt, „sehr leicht“ den Wiedereinstieg in das Berufsleben zu schaffen.

„Besonders skeptisch blicken die über 45-Jährigen einer schnellen Wiedereinstellung entgegen. Nur ein Drittel der Befragten war sich sicher, schnell einen neuen Job zu finden“, sagt Tobias Hinterseer.

Arbeitsplatzsicherheit schrumpft!

Auch bei der Frage nach der Arbeitsplatzsicherheit zeigt sich das ganze Ausmaß der gedrückten Stimmung: Nur etwa ein Drittel der Beschäftigten sieht die Arbeitsplatzsicherheit in Österreich als „ziemlich sicher“ an. Die Auswahlmöglichkeit „sehr sicher“ wurde von keinem der Befragten gewählt. Verdoppelt hat sich im Vergleich zum Arbeitsklima Index 2014 die Anzahl an Arbeitnehmern, die die Arbeitsplatzsicherheit in diesem Land als sehr unsicher einschätzen.

Je höher die Bildung, desto zufriedener – Aber …

In den letzten Arbeitsklima Index-Erhebungen zeigte sich klar: Je höher die Bildung, desto größer die Zufriedenheit. Auch in der aktuellen Auswertung weisen die Beschäftigten mit Matura oder Hochschulabschluss die größte Arbeitszufriedenheit auf, doch der Unterschied zwischen den Bildungsabschlüssen nimmt spürbar ab. So schrumpft der Abstand des Arbeitsklima Index von Beschäftigten mit Pflichtschulabschluss und jenen mit Matura oder Hochschulabschluss auf 6 Indexpunkte – 2014 waren es noch 19 IP.

„Die Arbeitszufriedenheit der Beschäftigten mit einem niedrigeren Bildungsabschluss ist nicht maßgeblich gestiegen, sondern die Personen mit Matura oder Hochschulabschluss sind unzufriedener“, sagt Tobias Hinterseer. Diese Entwicklung zeigt sich besonders deutlich bei den öffentlich Bediensteten. Trotz einer überdurchschnittlich hohen Akademikerquote von 28 Prozent, fallen sie im Arbeitsklima Index zurück und liegen jetzt nur noch bei 101 IP – also genau im Salzburg-Schnitt.

AKI2015 Bildung © AK Salzburg, AK Salzburg

Jeder zweite mit Führungsstil unzufrieden

Unzufriedenheit herrscht weiterhin in Betrieben vor allem mit dem Führungsstil. Seit dem Vorkrisenjahr 2007 befindet sich der Sub-Index im Sinkflug. Innerhalb von acht Jahren nahm die Zufriedenheit mit dem Führungsstil drastisch ab und befindet sich nun auf einem historischen Tiefstand. Nicht einmal die Hälfte der Befragten ist mit dem Führungsstil ihrer Vorgesetzten zufrieden. Wie die aktuelle Analyse des AKI zeigt, hängt die Bewertung des Führungsstils signifikant von der Zeiteinteilung – zusammengesetzt aus Vereinbarkeit von Familie und Beruf (Work-Life-Balance) sowie Arbeitszeitregelung – ab. So überrascht es nicht, dass Salzburgs Arbeitnehmer mit der Zeiteinteilung im Betrieb unzufrieden sind. Jeder Zweite bewertet die Gestaltung der Arbeitszeit negativ.

„Die Zufriedenheit mit dem Führungsstil nimmt in der Beurteilung der Arbeitszufriedenheit eine Schlüsselfunktion ein. Ist man mit der Führung unzufrieden, dann werden auch andere Faktoren in der Arbeit kritisch betrachtet. Das schlechte Ergebnis ruft Salzburgs Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber in die Pflicht, verstärkt auf die Bedürfnisse ihrer Beschäftigten zu achten, ein produktives Arbeitsklima zu schaffen sowie für gute Arbeit zu sorgen“, betont AK-Präsident Siegfried Pichler.


Fuehrungsstil © AK Salzburg, AK Salzburg

Das Einkommen reicht nicht zum Auskommen

Im Rahmen des Arbeitsklima Index wurde folgende Frage gestellt: „Würden Sie sagen, dass Ihr Einkommen Ihren Bedürfnissen ungefähr entspricht?“ Mehr als 50 Prozent – so viele wie noch nie – gaben an, dass sie mit ihrem monatlichen Einkommen gerade noch über die Runden kommen. Tendenz steigend. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Personengruppe um 5 Prozent angewachsen. Drei Prozent sagen sogar: Ihr Einkommen reicht nicht aus, um alle anfälligen Kosten zu decken. „Mein Gehalt reicht vollkommen aus“ – diese Option wurde gegenüber 2014 deutlich weniger oft angekreuzt.



Einkommen © AK Salzburg, AK Salzburg

„Wie sollen Salzburgs Beschäftigte optimistisch in die Zukunft blicken, wenn sie mit ihrem Gehalt gerade so über die Runden kommen. Aufbruchsstimmung und Konjunktursteigerungen sind jetzt nötiger denn je. Mit der Einigung der Regierung auf eine höchst bemerkenswerte Steuerreform wurde ein erstes und wichtiges Zeichen gesetzt. Salzburgs Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer werden in Zukunft deutlich mehr Netto vom Brutto im Geldbörsel haben. Die positiven Effekte der von AK und ÖGB angetriebenen Steuerreform werden erst im nächsten Arbeitsklima Index zu sehen sein. Aber auch die Unternehmen sind in der Pflicht für ein produktives Arbeitsumfeld zu sorgen und dazu gehören auch angemessene Löhne. Viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer verdienen angesichts ihrer tagtäglichen Leistung unterm Strich zu wenig, um am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können. Deswegen fordern wir, gerechte Löhne und bessere Arbeitsbedingungen für Salzburgs Beschäftigte – denn so wie jetzt kann es nicht mehr weitergehen – das zeigt der aktuelle Arbeitsklima Index 2015“, so AK-Präsident Pichler.

 



Arbeitsklima Index: leichte Erholung

Die Arbeitszufriedenheit von Salzburgs Beschäftigten stieg 2013 und 2014 leicht. Der Spitzenwert von 2007 wird aber bei weitem noch nicht erreicht.

Arbeitsklima Index Bildung

Pünktlich zum Schulstart! Bildung beeinflusst Einkommen, Zufriedenheit und gesellschaftliche Stellung mehr als jeder andere Faktor.

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