17.03.2015
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Arbeitsklima erholt sich leicht - bleibt aber klar hinter früheren Bestwerten

Der Arbeitsklima Index der AK misst die Arbeitszufriedenheit der in Salzburg Beschäftigten. Sie stieg 2013 und auch 2014 leicht an. Der Spitzenwert von 2007 wird aber bei weitem noch nicht erreicht. Vor allem weniger Stress, aber auch weniger Überstunden tragen zur Erholung bei. Bedenkt man, dass die gesunkene Arbeitsbelastung vor allem mit der schwächelnden Konjunktur zusammenhängt, dann kann diese Erholung nur dann von Dauer sein, wenn die Betriebe weiterhin konkrete Maßnahmen setzen. „Faire Einkommen, gute Arbeitszeiten und Alternsgerechte Arbeit sind wichtiger denn je“, sagt AK-Präsident Siegfried Pichler.

Seit 10 Jahren ermittelt die AK mit dem Arbeitsklima Index (AKI) die Arbeitszufriedenheit in Salzburg. Als Stimmungsbarometer zeigt er, wo die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer der Schuh drückt. Der aktuelle Jubiläums-Bericht für das Jahr 2014 zeigt, dass sich der leichte Aufwärtstrend nach dem historischen Zufriedenheits-Tief im Jahr 2012 fortsetzt. An die Spitzenwerte vor der Krise kommt der AKI aber noch lange nicht heran: Der Abstand zum besten Erhebungsjahr beträgt 14 Punkte. Aktuell erreicht Salzburg 106 Indexpunkte. Der angespannte Arbeitsmarkt – zuletzt gaben verschiedene große Unternehmen Kündigungen bekannt – hat dabei einen doppelten Effekt auf die Erhebung. Die wirtschaftliche Zukunft Österreichs und die eigenen Karrierechancen werden schlechter beurteilt. Gleichzeitig steigt die Zufriedenheit mit dem eigenen Leben und dem Beruf. „Wer eine Arbeit hat, der beurteilt sie in diesen schwierigen Zeiten mit Rekordarbeitslosigkeit positiver als früher. Der sichere Job wird wieder mehr wert. Das ist aber vor allem eine Art Gewöhnungseffekt, so etwas wie Zweckoptimismus“, sagt Tobias Hinterseer, der den AKI für die AK Salzburg auswertet.

AK-Präsident Siegfried Pichler: „Die Salzburgerinnen und Salzburger sind in diesen schwierigen Zeiten mit Hypo-Krise und Rekordarbeitslosigkeit verärgert, aber sie sehen: Es könnte noch schlimmer sein. Es ist gut, dass das Arbeitsklima steigt. Aber die Rahmenbedingungen zeigen auch, dass es eine Menge Maßnahmen braucht, um diesen Anstieg langfristig zu stabilisieren. Der Arbeitsklima Index liegt immer noch weit hinter dem Spitzenwert von 2007 zurück!“

Der Arbeitsklima Index besteht aus vier Teilindices: Arbeit, Gesellschaft, Erwartungen und Betrieb. Zusammen bilden sie den Gesamtwert der arbeitsbezogenen Zufriedenheit in der Bevölkerung ab. Positiv entwickelten sich vor allem die Werte für Arbeit und Gesellschaft. Die Menschen sind mit dem Beruf und ihrem Leben allgemein zufriedener. Dafür ist Mann und Frau in Salzburg unglücklicher, was die Work-Life-Balance betrifft. Die Gestaltung der Arbeitszeit, das Einkommen und der eigene gesellschaftliche Status als Arbeitnehmer werden besser bewertet. Und wie bereits erwähnt wird die wirtschaftliche Zukunft Österreichs skeptischer beäugt – der Optimismus des Jahres 2013 ist jetzt verhaltener.

AKI 2004-2014 © AK Salzburg, AK Salzburg


Durchwachsener fällt die Bilanz für die Teilindices zu den Erwartungen (auf niedrigem Niveau, aber leicht im Plus) und dem eigenen Betrieb (spürbarer Abwärtstrend) aus. Einerseits wird eine positivere Entwicklung des Arbeitsmarkts erwartet, gleichzeitig aber die eigenen Karriereaussichten Jahr für Jahr schlechter eingeschätzt. Unzufriedenheit herrscht in Betrieben vor allem mit dem Ansehen der Unternehmen und dem Führungsstil der Vorgesetzten sowie den betrieblichen Sozialleistungen – die Werte sinken hier seit mittlerweile fünf Jahren stetig. Deshalb befindet sich der Teilindex Betrieb im Sinkflug und erreicht denselben Stand wie im historisch schlechtesten Arbeitsklima Index-Jahr 2012. Und das obwohl die Zukunft der eigenen Firma überwiegend positiver eingeschätzt wird.

Je höher die Bildung, desto größer die Zufriedenheit

Was der Arbeitsklima Index ganz besonders klar zeigt ist, dass der Bildungsgrad der Beschäftigten und ihre Zufriedenheit mit der Arbeit eng zusammenhängen. Die Unterschiede zwischen Arbeitnehmern mit der Pflichtschule als höchstem Abschluss und Maturanten und Hochschulabsolventen sind eklatant und zeigen bei fast allen Zufriedenheitswerten durch die Bank: Bildung macht zufriedener, ein Mangel an ihr tendenziell unzufriedener. Das schlägt sich auch in der beruflichen Stellung nieder: Hilfsarbeiter haben den höchsten Pflichtschulanteil und bilden das Schlusslicht im AKI.

AKI 2014 nach Bildungsabschluss © AK Salzburg, AK Salzburg

Gut: Weniger Belastung. Schlecht: Immer mehr geringe Einkommen

Die vielleicht spannendste Erkenntnis des AKI: Die psychischen, körperlichen und sonstige Belastungen der Arbeitnehmer sind so niedrig wie nie zuvor. Zeitdruck bleibt der größte Übeltäter. Aber auch hier fühlt sich nur mehr jeder zehnte (eher) stark belastet. Vor drei Jahren war es noch jeder zweite. Analog dazu ging die Arbeitszeit zurück. Sowohl Teilzeit- als auch Vollzeitbeschäftigte leisten weniger Überstunden. Tobias Hinterseer: „Es gibt einen deutlichen Zusammenhang zwischen weniger Arbeitsstunden und dem Rückgang psychischer Belastungen.“ Auch den Anstieg von Teilzeit- und geringfügiger Beschäftigung in den letzten Jahren bildet der Arbeitsklima Index deutlich ab: Damit ist zwar eine geringere Belastung der Arbeitnehmer aber leider auch weniger Einkommen und damit weniger Ansprüche in der Arbeitslosen- und Sozialversicherung sowie eine geringere Abfertigung und Pension verbunden.

Diese Entwicklung ist wohl eine Folge der schlechten Arbeitsmarktsituation: „Die Konjunktur lahmt. Die Arbeitslosigkeit erreicht monatlich neue Höchstwerte. In dieser Zeit werden natürlich die geleisteten Stunden in vielen Betrieben mangels Auslastung zurückgefahren. Carbo Tech musste gerade sogar 220 Mitarbeiter kündigen, weil eine Serie ohne Folgeauftrag ausgelaufen ist. Es bleibt also abzuwarten ob der Rückgang der Belastungen auch hält, wenn der Wirtschaftsmotor wieder stärker brummt. Ich wünsche es mir. Aber Betriebe sollten trotzdem weiter Maßnahmen zur Reduktion von Stress, Überstunden und körperlichen sowie psychischen Belastungen setzen“, sagt Siegfried Pichler.

So fällt der Arbeitsklima Index nach einzelnen Branchen aus

Ein Sittenbild zeichnet der Arbeitsklima Index, wenn er nach Branchen ausgewertet wird. Zwar ist die jeweilige Stichprobe dann relativ klein, sie bestätigt aber die bekannten Trends. Dort wo das Ausbildungsniveau am höchsten ist, sind die Zufriedenheitswerte besser. Im Tourismus, wo die AK als Interessenvertretung auch am häufigsten intervenieren und Rechtsbeistand leisten muss, ist das Klima am schlechtesten. Und das, obwohl im Handel mehr und in der Bauwirtschaft fast gleich viele Menschen beschäftigt sind. Die beiden letztgenannten Branchen haben sich im Gegensatz zum Tourismus seit 2013 spürbar positiver entwickelt.

AKI 2014 nach Branchen (Angaben in Indexpunkten) © AK Salzburg, AK Salzburg


Auch eine Auswertung nach der beruflichen Stellung liefert interessante Ergebnisse. Hilfsarbeiter rangieren mittlerweile bei der arbeitsbezogenen Stimmung leider auf einem Allzeittief von 89 Indexpunkten – unter anderem sind sie sehr unzufrieden mit ihrem Einkommen. Im öffentlichen Dienst ist das Arbeitsklima ebenfalls getrübter als 2013 – allerdings auf hohem Niveau. Ein möglicher Grund für diese Entwicklung könnte die nur in dieser Gruppe gestiegene Arbeitszeit sein. Einfache Angestellte und Facharbeiter fühlen sich hingegen wieder besser, was ihre Arbeitszufriedenheit betrifft.

Große Unterschiede bei männlichen und weiblichen Beschäftigten

Die überwiegend männlichen vollzeitbeschäftigten Facharbeiter profitieren vor allem von einem Anstieg der arbeitsbezogenen Zufriedenheit: Alle diesbezüglichen Werte des AKI stiegen während die Belastungen und die wöchentlichen Arbeitsstunden zurückgingen. Die überwiegend weiblichen und Teilzeit-beschäftigten Angestellten profitieren von einem Rückgang der psychischen Belastungen und des Innovationsstress. Auch die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit sank. Jedoch ist diese Gruppe gemeinsam mit den Hilfsarbeitern am unzufriedensten mit den erzielten Einkommen.

Dazu kommt, dass Frauen in der Regel weniger optimistisch sind, was die Zukunft der Gesellschaft betrifft und ihren eigenen Status schlechter einschätzen. Sie sind auch weniger zufrieden mit ihren Betrieben und der dortigen Führung sowie den Sozialleistungen als Männer. Die relativ hohe Unzufriedenheit von Frauen mit ihren Einkommen hängt insbesondere damit zusammen, dass sie überwiegend Teilzeit arbeiten und damit trotz häufig neben dem Job geleisteter Betreuungsarbeit für Kinder und/oder Angehörige wenig verdienen. In Summe führt das auch zu einer schlechteren Sicht was die eigenen Karriere- und Arbeitsmarktchancen betrifft.

Teilindices nach Geschlecht © AK Salzburg, AK Salzburg

Pichler: „Es braucht faire Einkommen und gute Arbeitszeiten“

AK-Präsident Siegfried Pichler: „Die Ergebnisse des Arbeitsklima Index zeigen einmal mehr, wie wichtig zum Beispiel die Arbeitszeit für das Wohlbefinden, aber auch die Gesundheit der Arbeitnehmer ist. Und es zeigt wie wichtig die jetzt vorgestellte Steuerreform als ein erster Schritt zur Entlastung der kleinen Einkommen ist. Arbeitszeit darf nicht belasten und muss im Idealfall mit den Wünschen der Menschen zusammenpassen. Vollzeit-Beschäftigte wollen in der Regel weniger arbeiten. Teilzeitbeschäftigte – meistens Frauen, die auch Kinder betreuen - brauchen ein faires Netto-Einkommen und zumindest die Perspektive, irgendwann wieder mehr arbeiten zu können. Wünsche wie maximale Flexibilisierung und 12-Stunden-Tage wie sich manche Vertreter der Wirtschaft das vorstellen gehen also an der Realität vorbei. Es braucht stattdessen Vollzeit-Jobs, die nicht jede Woche in ein Sammeln von Überstunden ausarten. Und es braucht hochwertige Teilzeitjobs, die ein faires Einkommen bringen und die Möglichkeit beinhalten, wieder mit einer konkreten Perspektive in die Vollzeit oder Fast-Vollzeit zurückzukehren.“ In diesem Zusammenhang regt der AK-Präsident an, über eine Arbeitszeitverkürzung nachzudenken, wenn die Bedingungen passen und es zu keinen Verdrängungseffekten am Arbeitsmarkt kommt.

Alternsgerechte Arbeitsbedingungen so nötig wie eh und je

AKI nach Alter © AK Salzburg, AK Salzburg

Nicht zuletzt spielt das Alter eine wesentliche Rolle beim Arbeitsklima. Grob lässt sich sagen, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Job umso zufriedener sind, je jünger sie sind. Das bestätigte bisher quasi jeder Arbeitsklima Index.

„Auch wenn die Arbeitszufriedenheit Älterer jetzt im allgemeinen leichten Anstieg mitschwimmt: Es braucht nach wie vor eine Menge Maßnahmen, die ältere Menschen im Arbeitsleben absichern – von einem Bonus-Malus-System, das deren Einstellen und im Job halten fördert, deren Kündigung aber bestraft bis hin zu mehr Wertschätzung im Allgemeinen undsinnvollen Regelungen zum Pensionsantritt“, sagt Siegfried Pichler.

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Arbeitsklima Index Bildung

Pünktlich zum Schulstart! Bildung beeinflusst Einkommen, Zufriedenheit und gesellschaftliche Stellung mehr als jeder andere Faktor.

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