Digitale Bildung

Information ist heute oft nur mehr einen Klick entfernt – das Wissen der Welt tragen wir mit unserem Smartphone in der Hosentasche herum. Ob wir ein Fremdwort nachschlagen wollen, eine Anleitung zum Zusammenbauen eines Regals suchen oder unsere Meinung zu aktuellen Geschehnissen einbringen wollen – zugreifen können wir scheinbar alle und pausenlos. 

Digital Divide

Es sind tatsächlich riesige Chancen, die die Digitalisierung für unsere Bildung birgt. Doch eine Hoffnung hat sich damit nicht erfüllt: Dieses Bildungs­potenzial erreicht nach wie vor nicht alle Menschen gleich. Auch die digitale Bildung hat einen stark selektiven Charakter.

DIGITAL DIVIDE

Unter „Digital Divide“ wird die digitale Bildungskluft zwischen Bevölkerungsgruppen bzw. gesellschaftlichen Schichten verstanden.

Doch wie kann das sein?

Wo verläuft die „Bildungskluft“?

Bankfilialen sperren zu, Rechnungen muss man online abrufen, Behördenwege gehen virtuell am schnellsten: Veränderungen wie diese treffen Menschen, die keinen Zugang zu neuer Technik haben, besonders hart:

  • Knappe materielle Ressourcen: Die Voraussetzung zur Teilhabe ist der Zugang zu den nötigen Endgeräten und Infrastruktur wie Software, Internetanschluss und Co.
  • Bildungsgrad: Personen mit höherer formaler Bildung können sich digitale Neuerungen und Informationen leichter aneignen und verwerten als jene mit weniger Bildung.
  • „Digital Immigrants“: Gerade Menschen, die nicht mit den neuen Medien aufgewachsen sind, trauen sich oft nicht zu, mit den aktuellen technischen Entwicklungen mitzuhalten. Dadurch können viele der Chancen der Digitalisierung nicht nutzen: Etwa haben ältere ArbeitnehmerInnen oft eine Scheu, sich weiterzubilden, wenn die Kurse nur mehr mit E-Learning und Prüfungen am Computer arbeiten.  

Aktive Teilnehmer oder passive Konsumenten?

Ein neues Smartphone in Windeseile einrichten, einen YouTube-Channel abonnieren, Bankgeschäfte am Handy checken: Viele Dinge mit denen die ältere Generation kämpft, gehören für die Jungen ganz selbstverständlich zum Alltag. Oft entsteht dadurch der Eindruck: „Digital Natives“ fänden sich in der digitalen Welt doch ohnehin hervorragend zurecht, zusätzliche Bildung sei nicht nötig.

Doch es besteht ein Unterschied, ob wir als UserInnen nur konsumierende DatenlieferantInnen sind, oder bewusst und kompetent die digitalen Möglichkeiten für uns nutzen können. Surfen und Online-Shoppen alleine ist keine digitale Kompetenz. Dazu müssen wir auch die Funktionsweise des Netzes verstehen: Wie kommen Informationen im Netz zustande und wie verbreiten wir sie? Wie funktionieren Suchmaschinen? Wie schütze ich meine Privatsphäre?

Kompetente Einschätzungen darüber, welchen Wert Informationen aus dem Netz haben, müssen wir erlernen. Digitale Medien, Informationen und Geräte zielgerichtet zu nutzen, ist eine Grundvoraussetzung, um im eigenen Interesse am wirtschaftlichen und kulturellen Leben teilzuhaben.

Doch zwischen jenen, die in der virtuellen Welt passive KosumentInnen sind und jenen, die sie aktiv und selbstbestimmt mitgestalten, klafft im Moment eine große Kluft – auch und gerade unter den Jungen.

Digitale Kompetenzen für eine digitale Gesellschaft!

Digitale Bildung wird deshalb ein integraler Bestandteil der Allgemein- und Berufsausbildung werden müssen: Angefangen bereits in der Elementarbildung, aber auch ganz besonders in spezifischen Berufsausbildungen und in lebensbegleitenden Lern- und Qualifikationsprozessen.
Denn gerade in der Arbeitswelt wird es einen immer höheren Bedarf an Fachkräften für technische Infrastruktur, Software und UserInnen-Support geben, während andere Branchen wohl weniger Arbeitskräfte brauchen werden. 

Chancen für ein neues Lernen

Die Digitalisierung bringt auch neue Chancen für das Lernen und Lehren mit sich: Lernen, nur um sich Wissen zu merken und wiedergeben zu können, wird immer bedeutungsloser – immerhin wird es immer einfacher bei Bedarf zu recherchieren. Das öffnet bei Bildungsbemühungen Raum für mehr Reflexion und Anwendung des Wissens. Lernen kann kooperativer und inklusiver werden. Aus den vortragenden Lehrenden werden unterstützende Wissens- und Bildungscoaches.  

E-Education

Digitale Lernmethoden eröffnen gerade in der Erwachsenenbildung neue Möglichkeiten. Weil die TeilnehmerInnen oft wenig Zeit für Anwesenheit in Kursen haben, ist virtuelles Lernen von zuhause aus eine gute Option für sie.
Dazu brauchen sie aber auch einen einfachen Zugang zu frei verfügbarem Wissen. So genannte offene Bildungsmaterialien (OER – Open Educational Ressources) können bei vielen Bildungsbedürfnissen helfen.

OFFENE BILDUNGSMATERIALIEN FÜR LEHRENDE UND LERNENDE

Informelle Lernprozesse anerkennen

Weil die Digitalisierung einen schnelleren und breiteren Zugang zu Bildung ermöglicht, erwerben auch immer mehr Menschen ihre Kompetenzen außerhalb von  Schulen oder Lehrgängen. Ein Grafiker, der sich mittels Online-Tutorials weiterbildet, kann ohne weiteres ausgezeichnete Fähigkeiten haben – ein Zeugnis hat er dafür jedoch nicht.
Deshalb muss sichergestellt werden: Solche informell erworbenen Kompetenzen müssen am Arbeitsmarkt anerkannt werden. Wir brauchen mehr modulare Bildungsbausteine, die die Menschen genau dort abholen, wo sie stehen. 

Was wir fordern

Unser Ziel als AK ist, dass Menschen in allen Lebensphasen ein Recht auf die Vermittlung digitaler Fertigkeiten haben. Deshalb fordern wir:

  • Die öffentliche Hand muss in die Vermittlung digitaler Fähigkeiten investieren – angefangen im Kindergarten und in der Schule, aber auch in allen anderen Lebensphasen. Angebote zur Erwachsenenbildung müssen ausgebaut werden –nicht abgebaut, wie wir es aktuell beobachten.
  • Der Zugang zum Internet und die Nutzung von Computern müssen allen Teilen der Bevölkerung möglich sein. Die Bibliotheken können sich als Eintrittsort zur digitalen Welt und allen darin befindlichen Datenquellen weiterentwickeln.
  • Wir müssen die neuen Potentiale im Bildungsbereich aktiv ausschöpfen - zum Beispiel im Bereich der Open Education, also beim kostenfreien Zugang zu Lernsoftware und digitalen Lehrmitteln. 

Weiterlesen und informieren 

Basisbildung

Digitale Kompetenzen bei Erwachsenen

Wie gut sind Schlüsselkompetenzen wie Lesen bei den österreichischen Erwachsenen ausgebildet? Die Statistik Austria hat es abgetestet und dabei ein besonderes Augenmerk auf das Problemlösen im Kontext neuer Technologien gelegt. Die ausführliche Studie finden Sie hier! 

Videos

Welche Qualifikationen brauchen wir für die digitale Arbeitswelt? Wifo-Expertin Julia Bock-Schappelwein erklärt’s im Videoblog.


Warum die Digitale Revolution des Lernens gescheitert ist, erklärt Bildungsexperte Jöran Muuß-Mehrholz in seinem Vortrag.


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