27.5.2020

Stornokosten wegen Corona nicht auf Konsumenten abwälzen

Gesundheitliche und finanzielle Unsicherheiten rund um gebuchte Urlaubsreisen sorgen für eine neue Anfragenflut bei der Arbeiterkammer Salzburg: Risikopatienten, die um ihre Gesundheit fürchten und noch nicht kostenlos stornieren können, Menschen in Kurzarbeit, die sich Stornokosten nicht leisten können oder verärgerte Konsumenten, die sich nicht mit Gutscheinen abspeisen lassen wollen. AK-Präsident Peter Eder: „Hunderte Euro an Stornokosten, weil man aus gesundheitlichen Gründen die Reise nicht antreten will, kann in Zeiten von Rekordarbeitslosigkeit und Kurzarbeit keiner brauchen. Die Bundesregierung muss Lösungen finden, damit Stornokosten wegen Corona nicht an den Konsumenten hängenbleiben.“ Außerdem muss Klarheit rund um die schon inflationär wirkenden Gutscheinangebote zahlreicher Reiseveranstalter geschaffen werden.  

Reisen und Covid19: Seit Beginn der Coronakrise ein Dauerbrenner in der AK-Konsumentenberatung. Mit den voranschreitenden Grenzöffnungen und mit Blick auf die bald beginnende Hauptreisezeit hat jetzt die nächste Anfragenflut begonnen, wie folgende Fälle aus der Beratung zeigen.

Frau L. ist Alleinerzieherin, derzeit in Kurzarbeit und hat große finanzielle Sorgen, weil sie Fixkosten wie Miete oder Lebensmittel kaum bestreiten kann. Sie hat vor der Krise für Ende Juni ein Hotel in Kroatien gebucht. Aus Sorge um die Gesundheit ihrer 5-jährigen Tochter, will sie aber nicht reisen. Ihr drohen hohe Stornokosten, die ihr ohnehin knappes Budget weiter strapazieren würden.

Oder Frau A., Risikopatientin: Sie hat eine Pauschalreise für sich und ihre Familie im August nach Mallorca gebucht und eine Anzahlung von 800 Euro geleistet. Sie möchte aus verständlichen Gründen den Urlaub kostenlos stornieren. Frau A. muss bis kurz vor Reiseantritt zuwarten, um gegebenenfalls kostenlos stornieren zu können. Planungs- und Kostensicherheit sehen anders aus.

Oder ein Salzburger Ehepaar, das um seinen Osterurlaub in Sardinien umgefallen ist, weil der Reiseveranstalter die Reise abgesagt hat. Statt den Reisepreis von 1.900 Euro zurückzuzahlen, hat der Reiseveranstalter lediglich einen Gutschein angeboten.

AK: Stornokosten ersetzen

AK-Präsident und ÖGB-Landesvorsitzender Peter Eder: „Bei der hohen Zahl an Arbeitslosen und Menschen in Kurzarbeit, sind Stornokosten eine finanzielle Belastung, die keiner brauchen kann. Die Bundesregierung ist gefordert, für dieses Problem eine Lösung zu finden. Sei es, dass es bilaterale Abkommen mit den jeweiligen Ländern gibt, dass diese Kosten den Reisenden ersetzt werden, sei es einen noch zu schaffenden Fonds, woraus unbürokratisch Stornokosten ersetzt werden, wenn wegen der Corona Krise die Reise nicht angetreten wurde.“

Gutscheine: Konsumenten als Kreditgeber

Um eigene Liquidität aufrechtzuerhalten, bieten nahezu alle Reiseveranstaltungsunternehmen Gutscheine an, wenn die Reise nicht durchgeführt werden kann. Das österreichische Recht sieht in diesem Fall aber die Rückzahlung des Reisepreises vor. Das Grundproblem, das für viel Unsicherheit sorgt: Die Konsumenten haben die Leistung (Bezahlung des Reisepreises) bereits erbracht, während die Leistung des Unternehmens auf unbestimmte Zeit verschoben wird.

Gutscheine werfen mehrere Fragen auf, wie Konsumentenschützer Thomas Flöckner erklärt: „Wer kann heute sagen, ob er in ein oder 2 Jahren diese Reise überhaupt antreten kann oder will? Oder: Wenn die Reisepreise – wie zu erwarten ist, in den kommenden Jahren steigen, habe ich ein Verlustgeschäft gemacht, weil ich zum Gutschein eine Aufzahlung leisten muss. Außerdem könnten Gutscheine im Falle der Insolvenz des Reisveranstalters vollkommen wertlos werden. Es ist nicht einzusehen, warum die Konsumentinnen und Konsumenten dieses Risiko tragen sollen.“

fälle aus der praxis

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