Laufende Fremdwährungs-Kredite

Was tun bei Forderungen der Bank?

In den letzten Monaten sind einige richtungsweisende Urteile zu Fremdwährungskrediten ergangen. Banken haben beispielsweise unter Berufung auf einzelne Kreditvertragsklauseln versucht, einseitig Zinssatzerhöhungen vorzunehmen. Begründet wurde dies mit gestiegenen Refinanzierungskosten bzw. Liquiditätskostenzuschlägen. Manche Klauseln sahen auch vor, dass bei einer ungünstigen Wechselkursentwicklung (in der Regel Kursanstieg von zumindest 10 Prozent) auch Konvertierungen in den Euro vorgenommen werden können, wenn nicht zusätzliche Sicherheiten beigebracht werden. Die Gerichte haben viele dieser Klauseln mittlerweile als unzulässig beurteilt. Eine endgültige Klärung durch den Obersten Gerichtshof (OGH) steht allerdings noch aus.

Lassen Sie sich durch Forderungen/Wünsche Ihrer Bank nach Konvertierung in Euro, Beibringung zusätzlicher Sicherheiten usw. nicht unter Druck setzen – eine Fälligstellung des Kredites ist nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Grundsätzlich gilt: Solange Sie Ihren finanziellen Verpflichtungen vereinbarungsgemäß nachkommen und keine Verschlechterung Ihrer Einkommens- und Vermögenssituation eingetreten ist, die eine Bedienung des Kredites als gefährdet erscheinen lässt, ist kein Grund für eine Kreditfälligstellung gegeben. 

Sie sollen aber auf jeden Fall Ihre aktuelle Finanz- und Risikosituation analysieren um eine für sie bestmögliche Entscheidung treffen zu können.

  • Zu welchem Kurs wurde der Kredit ausgenützt? Wie steht der Kurs aktuell? Ergibt sich daraus ein Kursgewinn/-verlust? Gab es in der Vergangenheit bereits Gewinnmitnahmen? Was haben Sie sich durch das günstigere Zinsniveau der Fremdwährung bislang gespart? 

  • Welcher Zinssatz käme bei einer Konvertierung in Euro zur Anwendung? Welche monatlichen Belastungen würden sich durch den Euro-Kredit ergeben? Kann der Kredit (von einem endfälligen Kredit) auf einen Ratenkredit umgestellt werden und welche Kosten sind damit verbunden? Welche Unterstützung bietet Ihnen Ihre Bank an (z.B. Stundungsmöglichkeiten, Laufzeitverlängerung usw.)? 

  • Bei einem endfälligen Kredit mit Tilgungsträger: Welchen aktuellen Wert hat Ihr Tilgungsträger? Liegt die Ertragsentwicklung im Plan oder ist bei Laufzeitende aller Voraussicht nach mit einem Guthaben zu rechnen, das nicht ausreicht, um den Kredit vollständig abdecken zu können (Finanzierungslücke)? Wie können Sie gegebenenfalls die erwartete Finanzierungslücke schließen (zusätzliche Ansparungen, Sonderzahlungen, Laufzeitverlängerung usw.)? Was soll mit dem Tilgungsträger nach einer Konvertierung geschehen (Auflösen, Prämienfreistellung, Prämienreduktion) und welche Kosten fallen dabei an?

  • Wie wurden Sie damals bei der Kreditaufnahme beraten? Welche Rolle spielte dabei auch die kreditgebende Bank? Wenn man Sie ermutigt hat einen Fremdwährungskredit aufzunehmen, dann sprechen Sie das in der Bank auch an, vor allem in Verbindung mit etwaigen Schadenersatzleistungen oder besonders guten Konditionen bei einer etwaigen Konvertierung.

Tipp

Wenn es im Gespräch mit der Bank zu keinem akzeptablen Ergebnis kommt, dann reichen Sie bei der Bank schriftlich eine Beschwerde ein und nennen Ihre Forderung. Kommt es zu einer schriftlichen Ablehnung, dann wenden Sie sich an die Verbraucherschlichtungsstelle - www.verbraucherschlichtung.or.at. Diese versucht außergerichtliche Lösungen zu erzielen.

Aus der Fülle der zu klärenden Fragen wird ersichtlich, dass eine allgemeine Empfehlung für oder gegen eine Konvertierung in Euro schwerlich abgegeben werden kann. Vielmehr ist jeder einzelne Fall individuell zu prüfen, um im Gespräch mit der Bank eine "optimale" Lösung entwickeln zu können. Sollten Sie über eine Rechtsschutzversicherung verfügen, raten wir Ihnen, mit dieser Kontakt aufzunehmen und die Deckung prüfen zu lassen.

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