9.8.2017
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Strahlen: Schwammerl völlig unbedenklich

Besorgte Anfragen haben die Konsumentenschützer der Arbeiterkammer Salzburg dazu veranlasst, Eierschwammerl auf ihren Gehalt an Radioaktivität zu untersuchen. Denn nach dem Reaktorunglück von Tschernobyl im Jahr 1986 hat das Abregnen verstrahlter Wolken auch radioaktiven Fall-Out in österreichische Gebiete gebracht. Konkret wurden die auch Pfifferlinge genannten Pilze auf die radioaktiven Elemente Cäsium und Jod getestet. AK-Konsumentenschützer Stefan Göweil, der diese Erhebung geleitet hat, kann die Salzburger Konsumentinnen und Konsumenten beruhigen: „Alle 15 genommenen Eierschwammerl-Proben sowie eine Steinpilz-Probe waren völlig unbedenklich. Die ermittelten Strahlungswerte liegen weit unter den Grenzwerten.“

Zur Erhebung  

„Im Gegensatz zu Obst, Gemüse und Getreide können Pilze, Beeren und Wildfleisch in betroffenen Regionen noch Belastungen aufweisen. Der unbearbeitete Waldboden speichert - im Gegensatz zu Wiesen- und Ackerboden -  Cäsium und Jod“, so der AK-Experte zum Hintergrund der Erhebung. Konzentriert hat sich der AK-Konsumentenschutz auf die Eierschwammerln (insgesamt 15 Proben zu mindestens 500 Gramm), da die Steinpilzsaison erst im Anrollen ist (nur eine Probe gefunden). Eingekauft wurde in Supermärkten und auf einem Wochenmarkt (Schranne). Auf der Schranne waren übrigens ausschließlich heimische Produkte zu bekommen – je zweimal aus dem Lungau und Niederösterreich (davon einmal Steinpilze) und je eine Probe aus Kärnten und der Steiermark. Bei den Supermärkten dominiert zurzeit ausländische Ware: Von 10 Proben war nur eine aus Österreich, der Rest aus Litauen (5x), Polen (2x), und je eine Probe aus Russland sowie Weißrussland.

Gute Nachricht: Die Verstrahlung ist unbedenklich

Was die Verstrahlung eines Nahrungsmittels wie Pilze betrifft, schreibt die EU für das radioaktive Isotop Cäsium 137 (Halbwertszeit 30 Jahre) einen Grenzwert von 600 Becquerel pro Kilogramm vor. „Dieser Wert wurde bei sämtlichen Eierschwammerln und auch bei den Steinpilzen nicht einmal annähernd erreicht“, kann Göweil die Salzburgerinnen und Salzburger beruhigen, „alle getesteten Produkte lagen unter 100 Becquerel.“

Auch die ermittelte Jodbelastung gibt keinen Anlass zur Sorge: Für Jod 131 (Halbwertszeit 8 Tage) galt nach der Katastrophe von Fukushima ein Grenzwert für Pilze bis zu 2.000 Becquerel pro Kilo (dieser Wert ist aufgrund der geringen Halbwertszeit mittlerweile aber nicht mehr in Kraft). Alle Proben lagen unter 50 Becquerel. „Eine höhere Jodbelastung hätte auf ein erst kürzlich stattgefundenes Ereignis hingedeutet“, sagt der AK-Konsumentenschützer.

Erfreulich: Dem Genuss von Eierschwammerln steht aus gesundheitlicher Sicht also nichts im Weg.

Schwammerl sind teuer

Nicht neu, aber trotzdem erwähnenswert: Ein günstiges Vergnügen sind frische Eierschwammerl nicht. Die AK-Erhebung ergab einen durchschnittlichen Kilopreis von 14,54 Euro. Die Spanne ist allerdings groß:
Der billigste Kilopreis lag bei 8,99 Euro, der teuerste bei 18 Euro. Auf der Schranne liegt der Kilopreis übrigens im Schnitt 1,90 Euro über jenem in den Supermärkten und Diskontern. Wobei man die kurzen Wege zwischen heimischen Wäldern und Verkaufsstand merkt: Hier punktet die Schranne einfach mit Qualität und Frische.

In einer ganz anderen Preis-Liga spielen aber die Steinpilze: Die einzige gefundene Probe hatte einen Kilopreis von 48 Euro. „Da die Steinpilzsaison erst begonnen hat, bleibt zu hoffen, dass der Preis für Steinpilze noch sinkt“, so Göweil.

Rund ums Eierschwammerl

Die AK-Konsumentenschützer haben rund ums Eierschwammerl (Cantharellus cibarius) oder auch echter Pfifferling, einige interessante Aspekte und Tipps parat:

Kann man Eierschwammerl oder Steinpilze wie Champions züchten?

Die Antwort lautet Nein. Der Grund liegt in der Symbiose zwischen Pilzen und Pflanzen. Eierschwammerl haben nicht nur kein Chlorophyll für die Fotosynthese. Ihnen fehlen, anders als etwa Champignons, auch Enzyme, um komplexe Kohlenhydrate abzubauen. Sie beziehen daher alle Nährstoffe, die sie zum Wachstum brauchen, von Bäumen - zumeist Fichten. Im Gegenzug bieten sie dem Baum über ihr feines Wurzelwerk, das Mycel, eine bessere Wasserversorgung – so profitieren beide Partner vom Zusammenleben.

Sie haben Fragen zu Pilzen - essbar oder giftig?

Dafür gibt es seit August im „Haus der Natur“ eine Pilzberatung.
Öffnungszeiten: jeden Montag zwischen 15 und 17 Uhr. Keine Anmeldung erforderlich. Sie wird bis 23. Oktober 2017 angeboten.

Wichtig für Pilzsammler: Die Salzburger Pilzschutzverordnung

Darin ist festgelegt, dass das Sammeln, Befördern oder Besitz von mehr als 2 kg Pilzen pro Person und Tag im Sammelbereich oder Nahbereich verboten ist.

Viele nützliche Tipps enthält auch die Broschüre „Pilzschutz in Salzburg der Naturschutzbehörde des Landes. Entweder bestellen oder downloaden.


Glyphosat & Co: Beeren im Pestizid-Check

Unsere Konsumentenschützer haben Erdbeeren, Himbeeren und Heidelbeeren auf Pestizid-Rückstände untersucht.

Nuss-Nougat-Cremes auf dem Prüfstand

Die AK hat 15 Nuss-Nougat Cremes auf gesundheitlich bedenkliche Stoffe getestet. Fazit: In allen wurden Spuren davon gefunden.

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