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Zucker und blumige Versprechen statt Wellness und Gesundheit

Von Rechts wegen sind sie Limonaden. Trotzdem stehen „Near Water“ und Wellness-Getränke im Geschäft meist beim Mineralwasser. Sie sind zwar nicht prinzipiell gesund, aber immer noch besser als klassische Limonaden. Doch muss man bedenken, dass schon ein Liter solcher Getränke in der Regel 40 Prozent des empfohlenen Tagesbedarfs an Zucker eines Erwachsenen und den gesamten empfohlenen Konsum eines Kindes abdeckt. Und: „Die Hersteller halten sich bei den Angaben an das Gesetz, ihre Werbebotschaften sind aber nicht selten irreführend“, sagt Stefan Göweil, Experte der Arbeiterkammer, die diese Modegetränke auch chemisch analysieren ließ.

85 Prozent der Haushalte kaufen Mineralwasser – darunter immer mehr „Mineralwasser“ mit Geschmack, so genanntes Near Water. Schätzungen zu Folge findet diese Produktgruppe mittlerweile den Weg zu 50 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher. Der Begriff umfasst Getränke auf Wasserbasis mit Kräuter oder Fruchtgeschmack. Die AK-Konsumentenschützer testeten jetzt 60 davon auf die Seriosität der Werbebotschaften, Nährwertangaben und die Kennzeichnung – insbesondere der Zutaten. Prinzipiell enthalten die Erfrischungsgetränke üblicherweise Wasser, Zucker oder künstliche Süßstoffe, kleine Mengen Fruchtsaft (aus Konzentrat), Aromen sowie Säuerungsmittel (Zitronensäure) und Antioxidationsmittel (Ascorbinsäure). „Near Water“ ist natürlich nicht so kräftig in Geschmack und Farbe wie klassische Limonaden. Das „Wellness-Getränk soll seine Nähe zum reinen Mineralwasser bezeugen. Im Markt findet sich die Produktgruppe beim Wasser und nicht, wie es richtig wäre, bei den Limonaden.

Bei Angaben schummeln die Hersteller nicht

Da diese Getränke immer mehr in Mode kommen, wollten die AK-Experten wissen:

  • stimmen die Angaben über den Zuckergehalt
  • ist tatsächlich Fruchtsaft drinnen, wo Fruchtsaft draufsteht
  • wird tatsächlich Mineralwasser verwendet

    Zehn Produkte wurden einer chemischen Analyse unterzogen. Das Ergebnis ist positiv: die Angaben der Hersteller, zum Beispiel die Verwendung natürlichen Mineralwassers, aber auch die Menge der einzelnen Inhaltsstoffe, sind richtig „Kunden können sich also in der Regel auf die Produktkennzeichnung verlassen“, sagt AK-Konsumentenschützer Stefan Göweil.

Wenn man aber noch genauer hinschaut, ist nicht alles rosig:

10 Tropfen Fruchtsaft auf einen Liter

Jetzt zu den Fakten: 37 von 60 erhobenen Produkten gaben als Basis natürliches Mineralwasser an, 23 nur Wasser. Einen Zuckerzusatz geben 59 von 60 an. Nur ein einziges Produkt kommt ohne zusätzliche Süße aus. In 53 Fällen gaben die Hersteller Fruktose als Zuckerart an. Bei sechs Produkten stand nur „Zucker“ in der Zutatenliste. Zusätzliche Süßstoffe fanden sich nur mehr in neun der 60 Getränke. „Künstliche Süße passt offensichtlich nicht zum Wellness-Image“, sagt Stefan Göweil. Die Fruchsaftanteile betragen in der Regel ein bis zwei Prozent. Manchmal waren es aber 0,1 Prozent, also gerade einmal 10 Tropfen Fruchtsaft auf einen Liter.
Da wundert es nicht, dass ausnahmslos alle Hersteller zusätzliche Aromen einsetzen, 45 davon ein „natürliches Aroma“ ohne Angabe der Quelle. Dessen Ursprung muss zwar ein Aromaextrakt oder natürliche Aromastoffe sein. Aber der Erdbeergeschmack kommt, auch wenn es sich um ein „natürliches Aroma“ handelt, nicht immer aus Erdbeeren. 15 Hersteller gaben nur den Begriff Aroma oder Aromen an. Das deutet darauf hin, dass ein Aromamix verwendet wird, in dem auch synthetische Geschmacksstoffe enthalten sein können.

Vergoldetes Wasser: "Near Water" 3 mal teurer als Mineral

Einen Vitaminzusatz gab es nur in fünf Produkten. Konservierungsmittel wurden nur in zwei Produkten verwendet. Der Durchschnittspreis für einen Liter „Near Water“ beträgt 1,15 Euro. Die Spanne reicht jedoch von 0,39 bis 1,98 Euro. Ein Liter Mineralwasser kostet im Schnitt 0,38 Euro: Die Wellness-Drinks sind also um durchschnittlich 203 Prozent teurer. Sie werden außerdem ausschließlich in PET-Einwegflaschen angeboten. Pfandflaschen verschwanden leider fast völlig vom Markt.

Der Zuckergehalt ist alles andere als vernachlässigbar

Ein Riesenproblem stellt für den Konsumentenschützer die 100ml Angabe bei den Nährwerten dar: „Kein Mensch trinkt nur 100ml“, sagt Göweil. Alle Getränke werden in Füllmengen zwischen 0,5 und 1,5 Liter verkauft. „Im Schnitt liegt der Zuckergehalt je Liter bei 37,65 Gramm“, so Göweil weiter. Zur einfacheren Vorstellung: Das sind 10 Stück Würfelzucker. Ein Liter der „Wellness-Drinks“ deckt in der Regel bereits 40 Prozent der täglich empfohlenen Zuckeraufnahme eines Erwachsenen (Annahme ist ein Gesamttagesenergiebedarf von 2000 kcal, die World Health Organisation –WHO empfiehlt maximal 10 Prozent dieses Bedarfs als Zucker). Kinder erreichen die für sie empfohlene Tagesmenge beim Trinken eines Liters bereits zu 100 Prozent! Der Höchstwert beim Zucker betrug 65 Gramm je Liter, 18 Stück Zucker. Dabei handelt es sich allerdings um ein deklariertes Sportlergetränk. Im Einzelfall fallen zwischen acht und 13 Stück ins Wellness-Wasser. „Das Gefährliche bei „Near Water“ ist, dass viele den Zuckergehalt als vernachlässigbar einschätzen. Das ist er aber nicht“, warnt Göweil. Für den AK-Experten gehören die vermeintlichen Wellness Getränke, die das zuckerlose Mineralwasser ersetzen sollen, auf keinen Fall neben dieses. An heißen Tagen ist Wasser mit etwas Fruchtsaft oder einem Spritzer Zitrone günstiger und gesünder. Zumal Stoffe wie die Zitronensäure, die in Lebensmitteln öfter zum Einsatz kommt zwar unbedenklich sind, aber den Zahnschmelz schädigen können.

Werbebotschaften schönfärben die Realität

Und auch die Werbebotschaften grenzen ans Dubiose. Viele Produkte werben mit dem Begriff „kalorienarm“, tasten sich aber nahe an den Grenzwert von 20 kcal je 100ml heran. Im Schnitt hat ein „Near Water“ 16,5 kcal. Und dass bei gerade mal 1 bis 2 Prozent Saftanteil viele der Getränke Fruchtabbildungen verwenden, obwohl der Geschmack durch Aromen vorgegeben wird, grenzt ebenfalls an Täuschung. Ob man bei manchem Wässerchen „Schluck für Schluck relaxt“, die „Schönheit erweckt“ oder „neuer Schwung“ gebracht wird sei dahin gestellt. Aber wer will nicht, dass „der Alltag vitalisiert“ wird? Dazu kommen Namenskreationen wie „Traube Marula“, in denen dann eigentlich nur Traubensaft und keine Marulafrucht ist. Oder ein Jostabeeren-Getränk, das zwar separates Johannis- und Stachelbeersaftkonzentrat enthält, aber nichts von einer Jostabeere. „Near Water ist besser als eine Zuckerlimonade“, sagt Stefan Göweil. „Aber die Produkte enthalten trotzdem relativ viel Zucker. Das ist nun mal kein Mineralwasser.“ Die AK fordert daher, dass sie deshalb auch nicht bei den Mineralwässern angeboten werden. Die Konsumenten gehören außerdem vor irreführenden Bezeichnungen und Bildern besser geschützt. Die besten Durstlöscher für die heiße Jahreszeit bleiben Leitungs- oder Mineralwasser, ungesüßte Kräuter- oder Früchtetees und verdünnte Obst- und Gemüsesäfte.

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