15 getestete Peelings sind frei von Mikroplastik - aber nicht von Chemie

Mikroplastik ist in aller Munde. Gerade haben Forscher nachgewiesen: Die winzigen Teilchen setzen sich auch im menschlichen Darm fest. Damit teilen wir das Schicksal vieler Tiere, die durch die schwer abbaubaren Stoffe belastet sind - besonders im Ozean. Laut Studien landen jährlich rund 8 Millionen Tonnen Plastik im Meer.

„Nur das freiwillige „EU-Ecolabel“ und das „Österreichische Umweltzeichen“ sowie der Deutsche „Blaue Engel“ schließen Mikroplastik aus. Sie wurden aber für noch kein Kosmetik- bzw. Peelingprodukt beantragt. Gerade die enthalten oft Plastik. Und: Es gibt im Kosmetikbereich kaum gesetzliche Vorgaben, um die Umwelt weniger zu belasten“, sagt unser Konsumentenschützer Stefan Göweil. Darum schauten wir nach, ob auch Natur- und Biokosmetik-Peelings „unter die Haut“ gehen.

Naturkosmetik kaum normiert – aber plastikfrei

Dazu kauften die Tester 15 Körperpeelings. Keines davon enthielt laut Inhaltsstoffe-Angabe auf der Verpackung Mikroplastik. Die EU schreibt vor, dass im Fall des Falles darauf hingewiesen werden muss.  

„Der Test war besonders spannend, weil Naturkosmetik im Grunde überhaupt nicht definiert ist. Die Kriterien, was darunter fällt und was nicht sind oft willkürlich“, so Stefan Göweil. Erfreulich: Das mit dem Produkt-Test betraute Umweltbundesamt fand in keinem Produkt festes Mikroplastik. Dafür tatsächlich die angegebenen exotischen Peeling-Inhaltsstoffe wie Meersalz, „Heilerde“, Magnesium-Aluminium-Silikat bis hin zu gemahlenen Arabica-Bohnen. Aber: In vielen Produkten ist Chemie enthalten. „Es handelt sich oft um nachgebaute oder rein chemische Substanzen, zum Beispiel Konservierungsmittel. Alle Naturkosmetik-Produkte brauchen daher klarere Standards, was hinein darf und was nicht“, so Göweil.

Peter Eder: „Plastik-Kosmetik sollte verboten werden“

AK-Präsident Peter Eder: „Die Konsumenten dürfen sich in Punkto Produktsicherheit freuen. Naturkosmetik ist plastikfrei. Aber es braucht wie bei Bio-Lebensmitteln gesetzliche Standards und Gütesiegel, was hinein darf – und klare Regeln, was Naturkosmetik ist. Denn dass manche „Naturprodukte“ Chemiebomber sind, grenzt an Täuschung. Und auch im Online-Handel sollten die Inhaltsstoffe wie beim Kauf im Geschäft immer angegeben sein – das ist oft nicht so. Mikroplastik gehört in Kosmetika ebenso verboten wie Plastiksackerln an der Supermarktkassa. Es ist im Grunde nicht notwendig, weil es genug Alternativen gibt. Absurd ist jedenfalls, dass von 15 mikroplastikfreien Produkten ganze 11 in Plastik verpackt sind.“

Weitere Facts zu Mikroplastik

Mikroplastik sind kleine Partikel in der Größe von bis zu 5 Millimetern. Die Teilchen entstehen entweder durch Verschleiß größerer Kunststoffteile oder von Kleidung die Plastik enthält. Oder sie werden als „Mikroperlen“ in der Kosmetikindustrie verwendet. In Peelings. In Hautgels. In Zahnpasta, Duschgel oder Waschpasten. Das alles landet im Wasser. Kläranlagen können nur einen Teil davon herausfiltern – und der Klärschlamm landet teils wieder auf den Feldern. Je höher Tiere in der Nahrungskette stehen, desto mehr Mikroplastik sammelt sich in ihren Körpern an. Und der Mensch steht an der Spitze dieser Pyramide. Wie gesundheitsschädlich diese Entwicklung für unseren Organismus ist, lässt sich derzeit noch nicht abschätzen. Zudem muss Mikroplastik auf Verpackungen nicht angegeben werden. Flüssiges Plastik beziehungsweise flüssige Polymere dienen nicht dem Peeling. Sie sollen nicht „abreiben“, sondern bewirken, dass Wirkstoffe in einem dauerhaften Kunststofffilm möglichst lange auf der Haut bleiben. Auch das kann potenziell ebenso schädlich auf Mensch und Umwelt wirken wie „hartes“ Mikroplastik.

Stefan Göweil: „Der umfassende Einsatz von Plastik in der Kosmetik ist sehr problematisch. Das zeigt unser Produkt-Test sehr gut, auch wenn die Inhalte frei von Mikrokunststoffen sind. Nur ein Produkt war in Metall und 3 in Glas abgefüllt – der Rest in Plastik.“ 

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