Fruchtsäfte im AK-Test: Smoothies suggerieren oft Falsches

Hinweis: Der Inhalt ist aktuell - die angegebenen Preise nicht mehr.

Fruchtsäfte gelten als gesund. Die Auswahl im Supermarkt ist enorm. Reine Säfte, Nektare, Fruchtgetränke und Smoothies machen es den Konsumenten nicht leicht, den Durchblick zu behalten. Die AK nahm 138 Produkte aller Kategorien unter die Lupe. Ergebnisse: Die Kennzeichnung passt. Aber manchmal wird sehr blumig geworben und damit falsche Erwartungen geweckt – das allein rechtfertigt keine Preise von bis zu zehn Euro pro Liter. Außerdem werden teils unnötig Vitamine zugesetzt. AK-Präsident Siegfried Pichler: „Zusätzlich zur richtigen Kennzeichnung braucht es auch ehrliche Information und nicht nur fruchtige Werbebotschaften!“

Fruchtsäfte gelten als gesunde Durstlöscher. Die Österreicherinnen und Österreicher können zwischen weit über 100 Produkten im Supermarktregal wählen. Der Verbrauch pro Kopf liegt hierzulande mit 27,18 Litern pro Jahr im europäischen Spitzenfeld. 2014 wurden 233 Millionen Liter an fruchtigen Getränken konsumiert. Am beliebtesten sind reine (100 Prozent) Säfte. Sie machen 48 Prozent des gesamten Verbrauchs aus. Der Rest sind Nektare und Fruchterfrischungsgetränke. Die AK unterzog 138 Produkte einem eingehenden Test, darunter auch die in Mode gekommenen Smoothies. Eine Auswahl von 28 Produkten  wurde zusätzlich chemisch auf Zucker- und Vitamin C-Gehalt geprüft.

Ergebnis 1: Die Kennzeichnung der Produkte passt

Die umfangreichen Kennzeichnungsbestimmungen werden von den Herstellern durch die Bank eingehalten. „Das ist sehr positiv. Die Konsumenten können sich gut über das Produkt informieren. Aber nur, wenn sie nicht nur auf die fruchtige Vorderseite der Verpackung, sondern auch auf den teilweise sehr klein gedruckten Inhalt schauen!“, sagt AK-Konsumentenschützer Stefan Göweil. Auch die chemische Analyse ergab, dass sich alle Werte in der zulässigen Schwankungsbreite bewegen. Bei den Orangensäften und Smoothies lag der Zuckergehalt mit etwas über zwei Prozent mehr minimal über den deklarierten Werten. Bei Multivitaminprodukten sogar im Schnitt knapp darunter. Beim Vitamin C werden teils deutlich höhere Werte gefunden als angegeben. O-Saft: 33 Prozent mehr. Multi: 80 Prozent mehr. Smoothies: 24 Prozent mehr als angegeben. Den größten Vitamin C-Gehalt haben übrigens Orangensäfte – Smoothies liegen im Schnitt 64 Prozent darunter!

Ergebnis 2: Werbeversprechen schönen die Tatsachen

Vor allem die Hersteller von Smoothies  wecken häufig Erwartungen bei den Konsumenten, die nicht gehalten werden. Fruchtige Werbeversprechen am Etikett gibt es aber auch bei Multivitaminsäften, Mehrfruchtnektaren und Mehrfruchterfrischungsgetränken. Oft ist ein Hauptbestandteil der relativ günstige Apfelsaft, es ist aber kein Apfel am Etikett:  Ist die Frucht dort nicht abgebildet oder angeschrieben, muss man nicht angeben, wie groß ihr Anteil am gesamten Getränk ist – Interessanterweise steht Apfelsaft aber sehr oft an erster Stelle der Zutaten. Deutlich geringer ist dagegen der Anteil an Mark- und -Saft der anderen versprochenen Früchte. Insbesondere Getränke wie „Amarena-Kirsche“, „Mandarine“, „Cranberry“, „Banane“ oder „Pink Guave“ und Co. locken auf der Vorderseite der Verpackung mit exotischen Früchten. Die sind als Mark oder Konzentrat auch drinnen, machen aber teils nur eineb sehr geringen Anteil des Getränks aus. Dazu kommen in der Regel Wasser und Zucker.

Smoothies mischt man sich am besten selber

Fraglich ist der tatsächliche Nutzen der 22 getesteten Smoothies. Sie sind teurer, im Gegensatz zu den anderen Getränken nur drei bis vier Wochen haltbar und die Verpackungsgrößen kleiner. Geworben wird mit einer schnellen Portion Frucht oder Gemüse – den Kriterien der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, wie ein Smoothie sein sollte, aber nur selten voll entsprochen: Ein Smoothie sollte einen hohen Anteil an Stücken oder Pürees enthalten und durch Entzug von Wasser nicht konzentriert worden sein. Außerdem: Kein zugesetzter Zucker, keine Zusatzstoffe und keine Extra-Vitaminisierung. Zucker wurde tatsächlich nie zugesetzt. Bis auf ein Produkt auch keine Vitamine.  Dafür findet man sehr selten echtes Fruchtfleisch – meist nur Säfte, Mark oder Püree von Früchten. Immerhin: Keiner war aus Konzentrat, das nährstoffarmer als Direktsäfte ist. Stefan Göweil: „Problematisch ist, dass Smoothies und deren Inhaltsstoffe lebensmittelrechtlich nicht definiert sind. Das sollte der Gesetzgeber ändern.“

Gerade bei Smoothies ist die Diskrepanz zwischen Werbung am Etikett und der Zutatenliste teils gravierend: Der Clever Mango-Maracuja Smoothie besteht zum Beispiel aus 19 Prozent Mangopüree und 7,2 Prozent Maracujasaft. 38 Prozent sind Apfelsaft, der Rest von Banane und Orange. Das ist bei anderen Produkten dieser Geschmacksrichtung übrigens ähnlich. Im Innocent Brombeere, Erdbeere und Johannisbeere stellen selbige nur 17 Prozent des gesamten Getränkeinhalts. Hauptbestandteil ist meist der günstige Apfelsaft – erwähnt wird er auf der Vorderseite freilich nicht. Die positiven Ausnahmen gibt es ausgerechnet bei Hofer und Lidl – kein Apfelsaft. Die angelobten Zutaten stehen auch hinten ganz vorne, haben also den größten Anteil am Getränk.

Mit 3,56 bis 9,97 Euro pro Liter sind Smoothies im Schnitt etwa dreimal so teuer wie alle anderen Säfte. „Ob höhere Nährwertqualität oder bessere Qualität das rechtfertigt, darf in Zweifel gezogen werden. Am besten macht man sich seinen Smoothie im Mixer selbst. Da ist dann genau der Fruchtanteil drinnen, den man möchte“, sagt Stefan Göweil. Beispiel: Der teuerste Smoothie „Vitaminator“ (Apfel, Ingwer, Erdbeere, Kiwi) von Rauch  kostet 2,99 Euro für 300 Milliliter – und besteht zu 69 Prozent aus Apfelsaft.  Das gibt es aber auch bei den Saftgetränken. Das Produkt „Frutti di Bosco“ enthält Aromen und acht zugesetzte Vitamine – aber nur zwei Prozent Waldbeeren…

Die Preise sagen nicht immer etwas über die Qualität aus

Auch bei den Preisen ist mit schönen Werbebotschaften oft ein saftiger Aufschlag verbunden. So wird  manch gekühlter Direktsaft am selben Platz im Kühlregal und im ähnlichen Design wie Smoothies angeboten – obwohl es sich dabei „nur“ um einen 100-prozentigen Orangensaft handelt. „Der deutlich höhere Preis für alle gekühlten Saft-Produkte ist für uns prinzipiell nicht nachvollziehbar“, so AK-Experte Göweil. Der Verdacht liegt nahe, dass man eine höhere Qualität suggerieren will. So kommt zum Beispiel der 100 Prozent Premium-Direkt Orangensaft von Innocent (0,33 Liter) auf einen Literpreis von 5,42 Euro – und ist doch nur ein Orangensaft. Grob zusammengefasst sind Orangen- und Apfelsäfte mit rund 1,50 Euro pro Liter im Schnitt am günstigsten. Multivitaminsäfte liegen im Schnitt bei 1,77 Euro – Mehrfruchtgetränke und Nektare bei zwei Euro.  Smoothies sind mit im Schnitt 4,50 Euro pro Liter etwa dreimal so teuer wie 100prozentige Säfte.

Ergebnis 3: Alle Getränke sind zuckerreich und gehören verdünnt

Säfte enthalten von Natur aus Zucker. 100prozentiger Orangensaft zum Beispiel 25 Würfel pro Liter. Nektare enthalten in der Regel noch mehr – weil der mit Wasser verdünnte Saft im Gegensatz zum reinen Direkt- oder Konzentratsaft nachgesüßt werden darf, was meistens auch passiert. Aromen fanden sich ebenfalls in zwei der getesteten Nektare, nie aber im reinen Saft.

Übrigens: Apfelsaft (100 Prozent) hat noch mehr Zucker: 29 Würfel pro Liter. Auch hier enthielten die Nektare mehr, wenn nur Zucker beigesetzt wurde – ein Produkt enthielt weniger Zucker, dafür aber Süßstoff. Positiv: Keine Aromazusätze. Einen ähnlichen Zuckergehalt hatten auch Multivitaminsäfte.

Am meisten Zucker hatten Fruchterfrischungsgetränke: Im Schnitt 31 Würfel. „Prinzipiell sollten, insbesondere wenn es ums Durstlöschen, geht alle Säfte mit Wasser aufgespritzt werden. Die Nektare und Saftgetränke, die ja in der Regel sogar mehr Zucker, aber viel weniger Frucht enthalten würden dann freilich nach fast gar nichts mehr schmecken. Deshalb werden teils Aromen zugesetzt“, so Stefan Göweil. Smoothies enthalten ähnlich viel Zucker wie Apfel- und Multivitaminsäfte und werden in der Regel nicht nachgezuckert.

Ergebnis 4: Teils werden unnötig viele Vitamine beigemischt 

Wer Vitamine am Etikett anpreist, der muss den Gehalt auch angeben. Bei keinem Orangensaft wurde extra Vitamin C zugesetzt. Die enthaltenen Dosen decken bei 100 Millilitern  28 bis 40 Prozent des Tagesbedarfs. Bei vier Apfelsäften wurden Vitamine zugesetzt: 40 bis 52 Prozent des Bedarfs. Vor allem bei Multisäften werden in der Regel gleich bis zu zehn Vitamine zugesetzt. „Warum wird noch einmal damit angereichert, wenn von Natur aus Vitamine enthalten sind?“, fragt Stefan Göweil. Teils kommen Stoffe hinein, die in keiner der verarbeiteten Früchte enthalten sind. Experten sehen diesen Trend zu Säften, die wie Apotheken-Präparate wirken, eher kritisch. Vor allem von zu viel Beta Carotin (Provitamin A) wird mittlerweile sogar abgeraten. „Österreich ist kein Vitaminmangel-Land. Bei normaler Ernährung braucht man keine Zusätze“, stellt AK-Experte Göweil klar. Teils hat man mit einem Glas Saft schon die Referenzwerte erreicht – und das als Erwachsener. Kinder überschreiten ihren Bedarf daher um ein Vielfaches. Bei sonstigen Fruchtsäften und Getränken wird in der Regel nur Vitamin C zugesetzt – und auch das nur in 16 von 60 untersuchten Produkten. Aber: fast jedes fünfte Produkt dieser Gruppe enthält Aromen für mehr Geschmack.

AK-Tipps für Konsumenten rund ums Thema Saft

  • Der Konsum von Säften ist nur eine sinnvolle Ergänzung, aber kein Ersatz für den Verzehr von Obst und Gemüse. Vor allem Kinder sollten sie verdünnt trinken.

  • „Fruchtsäfte“ müssen zu 100 Prozent aus Frucht bestehen und dürfen zusätzlich zum natürlichen Zucker nicht gezuckert werden.

  • Fruchtnektare dürfen mit bis zu 20 Prozent des Gesamtgewichts an Extrazucker oder mit Süßstoff versehen werden und müssen je nach Frucht zwischen 25 und 50 Prozent Frucht enthalten.

  • Fruchterfrischungsgetränke müssen je nach Frucht zehn bis 30 Prozent Saft enthalten. Oft kommen Extrazucker und teils Aromen dazu.

  • Nektare und Fruchterfrischungsgetränke sind keine wirkliche Alternative zu Säften. Besonders bei exotischen Früchten sollte man vorsichtig sein: Wenig Saft, viel Zucker und mitunter Aromen. Am besten man mischt selbst

  • Direktsaft bzw. direkt gepressten Saft erkennt man nicht am Fruchtfleisch, sondern es muss bei den Inhaltsstoffen angegeben sein. Er verliert durch die Verarbeitung weniger Nährstoffe als Saft aus Konzentrat.  

AK-Präsident Siegfried Pichler: „Es ist gut, dass sich alle Hersteller an die Kennzeichnungspflicht halten. Auch Konservierungsmittel oder künstliche Farbstoffe kommen nicht vor. Die Konsumenten können sich darauf verlassen, dass die Qualität bei allen Produkten prinzipiell passt und sie an die Informationen kommen, die sie brauchen – wenn sie wissen, wo sie schauen müssen. Aber die Produzenten könnten mehr ehrliche Information statt fruchtigen Werbebotschaften anbieten und so einen gesunden Konsum fördern. Denn aktuell wird den Verbrauchern mit der Werbung nicht selten etwas suggeriert, was so einfach nicht stimmt. Rechtlich mag das gerade noch in Ordnung sein. Moralisch muss die Gesundheit genauso zählen wie der Produktabsatz. Und Säfte und Saftgetränke sind eben nur in Maßen und ergänzend zu einer ausgewogenen Ernährung gesund!“

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