Gift gegen Schädlinge: AK gibt grünes Licht für Beeren-Genuss

Gerade im Sommer versüßen Erdbeeren, Himbeeren und Heidelbeeren vielen Salzburgerinnen und Salzburgern den Tag. Sie passen perfekt ins Müsli, zum Eis oder können einfach so verspeist werden. Im Gegensatz zu früher gibt es die Beeren nicht nur im Frühjahr oder Sommer, sondern das ganze Jahr über. Das funktioniert nur, weil die Früchte meist im großen Stil auf riesigen Plantagen in ganz Europa angebaut und dann nach Österreich transportiert werden.

Dabei kommen oft Pestizide – als Schutz gegen Schädlinge – zum Einsatz. Die Konsumentenberatung der Arbeiterkammer Salzburg hat in Zusammenarbeit mit einem Lebensmittel-Labor 15 Beeren-Produkte (darunter auch vier Bioprodukte) auf über 500 Pestizide getestet. 

7 von 15 Produkten pestizidfrei

Von den erhobenen Produkten wiesen sieben keine Spuren von Pestiziden auf. Bei den restlichen Proben konnten entweder ein Pestizid (2 Proben) oder ein Pestizid-Mix aus bis zu 5 verschiedenen Stoffen gefunden werden (6 Proben). „Insgesamt fiel der Test positiv aus“, sagt Konsumentenschützer Stefan Göweil. „Keine Beere hat den von der EU festgelegten Höchstwert überschritten. Sogar die Produkte, die mit fünf verschiedenen Substanzen „bearbeitet“ wurden, kamen in Summe bei weitem nicht an die Grenzwerte heran.“

Apropos Grenzwert: Für den AK-Experten ist es verwirrend bzw. nicht nachvollziehbar, warum unterschiedliche Grenzwerte für ein und denselben Wirkstoff festgelegt sind. So beträgt beispielsweise der Höchstwert für das Pestizid „Fludioxonil“ bei Himbeeren 5 mg/kg, bei Erdbeeren 4 mg/kg und bei Heidelbeeren 2 mg/kg.

Im Früchtevergleich schnitten Heidelbeeren am besten ab. Lediglich ein einziges Produkt wies Spuren von Pestiziden auf. Wie der AK-Test zeigt, werden bei Erdbeeren am häufigsten Schädlingsbekämpfungsmittel eingesetzt. Nur zwei von sieben Produkten waren frei von jeglichen Substanzen. Insgesamt enthielten fünf Proben das Pestizid „Thiacloprid“ – das als sehr bienengefährlich eingestuft ist. Die EU-Kommission erwägt sogar ein Verbot solcher Mittel. 

Keine Spuren von Glyphosat

Im Rahmen des Tests wurden die Beeren auch auf Glyphosat untersucht. Das Unkraut-Vernichtungsmittel gilt als sehr umstritten: 2015 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft. Dennoch ist es noch immer weltweit das am meisten eingesetzte Herbizid in der Landwirtschaft. Erfreulicherweise enthielten die getesteten Beeren keine Spuren von Glyphosat.

Bio-Beeren die beste Wahl

„Wer pestizidfreie Beeren essen möchte, der sollte biologisch fair produzierte Produkte kaufen“, sagt Göweil. „In keiner einzigen Bio-Beere wurden Pestizide festgestellt.“ Dieses Ergebnis gilt aber nur für Erdbeeren und Heidelbeeren. Denn Bio-Himbeeren konnten für die Erhebung nicht gefunden werden.

Nicht billig und selten heimisch

Im Rahmen des AK-Tests wurden zusätzlich auch die Preise erhoben. Es zeigen sich teils große Preisspannen. Vor allem für Bio- oder Essfertig-Produkte müssen die Konsumentinnen und Konsumenten tief in die Tasche greifen:

  • Erdbeeren: Der Kilopreis bewegt sich im Schnitt zwischen 9 Euro für Bio-Ware und 4 Euro beim Diskonter. Dazwischen liegen die Straßenstände mit 7 Euro pro Kilo. Die Produkte kommen zum Großteil aus Österreich. Die Herkunft war bei den Straßenständen nicht klar ersichtlich.
  • Himbeeren: Naschfertige Himbeeren (bereits gewaschen) sind mit einem Kilopreis von 21 Euro am teuersten. Im Schnitt kosten Himbeeren 15 Euro pro Kilo. Kein einziges Produkt kam aus Österreich. Herkunftsländer: Spanien und Portugal.

  • Heidelbeeren: Bio-Ware ist um knapp 16 Euro pro Kilo zu haben. Naschfertige Beeren kosten 21 Euro, Kulturheidelbeeren nur 9 Euro pro Kilo. Auch hier konnte kein heimisches Produkt gefunden werden. 

TIPPS und Forderungen

  • „Abwaschen sollte man das Obst vor dem Verzehr auf alle Fälle“, sagt Stefan Göweil. „Schon alleine wegen Staub, Schmutz und Keimen.“ Für Pestizide stellt das Waschen nur bedingt eine Lösung dar, da viele solcher Substanzen „systemisch“ wirken – also nicht an der Oberfläche sondern in der Pflanze selbst und deshalb häufig auch im Inneren der Frucht zu finden sind.

  • Wer also keine Pestizide zu sich nehmen will, sollte Bio-Beeren kaufen.

  • Die Arbeiterkammer Salzburg fordert vom Gesetzgeber einheitliche Höchstwerte für Pestizid-Gemische. So sollen die erlaubten Grenzwerte insgesamt minimiert werden – zum Schutz der Konsumentinnen und Konsumenten.

fälle aus der praxis

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