Vergleichen im "Preisdschungel" lohnt sich, Achtung Zusatzkosten!

Sommerzeit heißt für viele junge Menschen nicht nur Ferialjob, sondern auch Führerschein. Zeitgerecht vor Beginn der Sommerferien haben die Konsumentenschützer der AK deshalb die Führerscheinpreise für die Gruppe B aller 29 Fahrschulen im Bundesland Salzburg erhoben. Fazit: Der Teufel liegt im Detail - es ist ein wahrer Preisdschungel – auch bedingt dadurch, dass es drei verschiedene praktische Ausbildungsarten gibt. Sowohl bei der Vollausbildung in der Fahrschule, als auch bei der dualen Ausbildung („Übungstaferl“) und L17 sind teils beträchtliche Preisunterschiede zwischen den einzelnen Fahrschulen bemerkbar. Erhebungsleiter Christian Obermoser, AK-Abteilung für Konsumentenberatung: „Wichtig für die Konsumentinnen und Konsumenten ist es, nicht nur die Preise für Ausbildungspakete zu vergleichen, sondern die Gesamtkosten richtig abzuschätzen, da ja auch noch Mehrkosten wie zusätzliche Fahrstunden, Verwaltungsabgabe, diverse Ausstellungsgebühren oder Zusatzkosten wie etwa für den Erste-Hilfe-Kurs dazukommen.“

Kostenstruktur hängt von Ausbildungsart ab

Wie bereits erwähnt, gibt es drei verschieden Arten, die praktische Führerscheinausbildung zu absolvieren – und somit auch drei verschiedene Kostenmodelle, die es zusätzlich erschweren, einen Überblick über die Preise zu bekommen.

Vollausbildung

Hier wird die gesamte praktische Ausbildung in der Fahrschule absolviert. Das sind 12 Unterrichtseinheiten plus Hauptschulung. Die Hauptschulung ist dabei individuell zu gestalten, bis der Fahrschüler sämtliche vorausgesetzten Kenntnisse und Fähigkeiten besitzt. Obermoser: „Es kann daher nicht im Vorhinein geklärt werden, wie viele zusätzliche Fahrstunden ein Schüler benötigt, daher haben wir in unserer Analyse keinen Gesamtpreis, sondern einen Mindestpreis dargestellt – die Kosten für die Hauptschulung kommen eben dann noch individuell dazu.“

Bereits bei den Mindestkosten für die Vollausbildung offenbaren sich nennenswerte Preisunterschiede von bis zu über 18 Prozent – das sind rund 235 Euro. Im Schnitt beträgt der Mindestpreis 1.486,42 Euro. Dazu kommen die Kosten für die – jeweils individuelle – Hauptschulung. Pro Fahreinheit (FE) sind zwischen 50 und 65 Euro zu berappen – also auch hier lohnt sich ein Preisvergleich, kann man sich doch hier pro FE 15 Euro (30 Prozent) ersparen.

Konsumentenschützer Obermoser zu einem interessanten Detail am Rande: „Bereits über die Hälfte der Fahrschulen (16 von 29) bieten die FE in der Hauptschulung lediglich zu je 45 Minuten an (anstatt der Norm von 50 Minuten). Wenn man diesen Umstand berücksichtigt und den Preis für 45 Minuten hochrechnet, ergibt sich sogar ein Preisunterschied von 36,26 Prozent.“  

Duale Ausbildung

Bei der dualen Ausbildung wird die Hauptschulung mit privaten Übungsfahrten („L-Taferl“) absolviert. Die Fahrschulausbildung beschränkt sich somit auf die 12 UE sowie einer zusätzlichen theoretischen Einweisung der Begleitperson. Allerdings sind mindestens 1.000 Kilometer mit dem eigenen Auto zu absolvieren und zu protokollieren, was mit Kosten und Aufwand für die Begleitperson einhergeht.

Hier liegen die Mindestkosten zwischen 1.310 und 1.528,60 Euro – Preisdifferenz 16,69 Prozent oder rund 218 Euro.

L17 Ausbildung

Neben insgesamt 17 Fahreinheiten und der theoretischen Einweisung der Begleitperson sind bei dieser Ausbildungsform insgesamt 3.000 Kilometer private Übungsfahrten zu absolvieren. Kein unwesentlicher Aufwand für die Begleitperson, da diese außerdem noch bei fünf Fahreinheiten mit dabei sein muss. Nach bestandener Prüfung folgt noch die zweite Ausbildungsphase mit zwei Perfektionsfahrten (eine bei L17) und dem Fahrsicherheitstraining.

Auch bei den Perfektionsfahrtenkosten sind beträchtliche Unterschiede zu verzeichnen: Bis zu fast 60 Prozent oder 35 Euro können hier gespart werden.

Irreführende Verwaltungsabgabe

Was den Preisdschungel noch verwachsener und damit undurchsichtiger macht, ist die so genannte Verwaltungsabgabe. Sowohl der Begriff selbst, als auch die Ausgestaltung der Preislisten erweckt für die Konsumenten den Eindruck, es handle sich um eine behördliche Abgabe.

Tatsächlich ist es aber so, dass diese Abgabe individuell von jeder Fahrschule selbst festgelegt wird, aber nicht an die Behörde abgeführt wird. Begründet wird diese Abgabe mit erhöhtem Verwaltungs- und Beratungsaufwand seitens der Fahrschulen. Obermoser: „Im Sinne der Konsumentinnen und Konsumenten sollten derartige Posten in die allgemeinen Paketangebote eingepreist werden und nicht als irgendwelche Zusatzgebühren“, kritisiert der Konsumentenschützer, „ denn das ist irreführend! So entsteht der Eindruck, es handle sich um eine Behördenabgabe und die Fahrschule hätte darauf keinen Einfluss. Fakt ist jedoch, dass die Gebühren durchaus variieren, und zwei Fahrschulen nach wie vor gänzlich auf eine solche verzichten.“

Durchfallen kostet – Prüfungsgarantie spart Geld

Schlechte Vorbereitung kann einen teuer zu stehen kommen. Der erste Antritt zur theoretischen und praktischen Prüfung ist im Paket enthalten (ausgenommen Behördengebühren) - muss man die Prüfung jedoch wiederholen, dann kostet das ordentlich: Im Schnitt 161 Euro für Theorie und rund 135 Euro für Praxis. Die AK empfiehlt deshalb, nach so genannten Prüfungsgarantien zu fragen: Fahrschulen bieten in der Regel – wiederum unter verschiedensten Bedingungen - eine Prüfungsgarantie an, insbesondere bei der Theoretischen Prüfung. Bei Erreichen bestimmter Ergebnisse verzichtet die Fahrschule darauf, im Falle eines Scheiterns zusätzliche Gebühren zu verlangen. Ebenso bieten manche Fahrschulen an, etwa bei der Buchung einer Mindestanzahl von Fahrstunden in der Hauptschulung (nur Vollausbildung), auf die praktische Wiederholungsgebühr zu verzichten. Aber Vorsicht:  Die behördlichen Prüfungsgebühren fallen bei jedem Antreten an.

Sparen lässt sich auch bei den Prüfungsfragen weiß Obermoser: „Über reine Prüfungsfragen kann man sich auch im Internet kostenlos informieren. Zusätzliche Lernunterlagen werden aber auch von den Fahrschulen geboten, von Lernbüchern bis hin zu kompletten Elearning- Plattformen, Kostenpunkt zwischen 27 und 69 Euro, das macht einen Preisunterschied von bis zu 155 Prozent.“ 

Fahrschulunabhängige Zusatzkosten nicht vergessen

Um den Konsumentinnen und Konsumenten eine Vorstellung über die zu erwartenden Gesamtkosten geben zu können, haben die AK-Konsumentenschützer auch sämtliche weiteren Gebühren (zB Erste-Hilfe-Kurs oder Erstausstellungsgebühr Führerschein) erhoben. Wiederum je nach praktischer Ausbildungsart variieren diese fahrschulunabhängigen Kosten zwischen 431 und 480 Euro.

Tipp

Als Orientierungshilfe finden Sie sämtliche Preise – aufgeschlüsselt nach Ausbildungsart und den diversen Fahrschule - rechts außen im Downloadbereich.

Kritikpunkt Preisauszeichnung

Kritik üben die Konsumentenschützer an der Online-Preisauszeichnung: Gleich fünf Fahrschulen bieten überhaupt keine Preisinformationen auf ihren Webseiten an. Die restlichen 24 informieren zwar über die Paketpreise, nicht jedoch über den Preis für die zusätzlichen Fahrstunden - etwa in der Hauptschulung. Drei Anbieter verzichten zudem darauf, die Verwaltungsabgabe im Netz anzuführen. Die wenigsten informieren über Kosten der Perfektionsfahrten (2. Phase) und die etwaigen Kosten für Lernunterlagen. Gebühren für den Wiederantritt zu gescheiterten Prüfungen konnten in keinem Fall online recherchiert werden. „Hier fordern wir seit einiger Zeit eine Verpflichtung, sämtliche Preisauszeichnungspflichten auch auf den Onlineauftritt auszuweiten, um damit den Kunden die Chance für einen echten Preisvergleich zu ermöglichen, was derzeit so nicht möglich ist“, kritisiert Obermoser.

AK-Tipps für Konsumenten

  • Für die Kostenkalkulation gilt es, sämtliche Kosten miteinzubeziehen, neben dem eigentlichen Paketpreis insbesondere die Kosten für die Hauptschulung, Verwaltungsabgabe sowie die zweite Ausbildungsphase.

  • Für die Hauptschulung bei der Vollausbildung bieten einige Fahrschulen günstigere Pakete an, nachfragen lohnt sich!

  • Fragen Sie nach Prüfungsgarantien (keine zusätzlichen Fahrschulkosten bei Wiederantritt), die meisten Fahrschulen bieten eine solche für die Theorieprüfung, manche aber auch für die Praktische Prüfung. Damit können hohe Kosten im Ernstfall vermieden werden.

  • Für die zweite Ausbildungsphase bieten manche Fahrschulen auch günstigere Pakete an, wenn das Fahrsicherheitstraining mitgebucht wird, nachfragen lohnt sich!

  • Seit 1.3.2016 gibt es neue Prüfungsfragen, achten Sie darauf aktuelle Lernunterlagen zu verwenden.

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