30.12.2021

Energiekosten gingen 2021 durch die Decke

Ein Jahres-Plus von 30 und 35 Prozent bei Benzin und Diesel und damit der teuerste Treibstoff-Dezember. 2.000 Liter Heizöl kosten gleich um fast 40 Prozent (rund 500 Euro) mehr als vor einem Jahr, die Pellets sind um über 22 Prozent teurer geworden. Mehrkosten von durchschnittlich bis zu 65 Prozent bei Strom und 122 Prozent beim Gas. Vor dem Hintergrund der pandemiebedingten Einkommenseinbußen vieler Haushalte und der in Salzburg ohnehin hohen Lebenshaltungskosten, appelliert AK-Präsident und ÖGB-Landesvorsitzender Peter Eder an den heimischen Energie-Platzhirsch Salzburg AG von spürbaren Preiserhöhungen - wie etwa bei der Wien Energie - im kommenden Jahr Abstand zu nehmen. Außerdem fordert Eder einen Abschaltverzicht über den Jänner hinaus und das Recht auf Ratenzahlungen von bis zu 24 Monaten.

Lange Gesichter beim Zücken der Geldbörse - ob beim Autoauftanken, dem Auffüllen des Heizöltanks, der Ergänzung des Pelletslagers oder bei der monatlichen Strom- und Gasrechnung: Die Preise für Energie sind für die Salzburgerinnen und Salzburger heuer durch die Decke gegangen. Das zeigt eine aktuelle Analyse der Konsumentenschützer der Salzburger Arbeiterkammer.

Teuerster Treibstoff-Dezember

Noch nie war das Preisniveau bei einem Dezember so hoch wie 2021: Für 50 Liter Superbenzin zahlt man landesweit im Durchschnitt um 30,31 Prozent oder 17,05 Euro mehr als noch vor einem Jahr. 50 Liter Diesel sind im Jahresvergleich um 35,57 Prozent oder 18,85 Euro teurer geworden. Die günstigste Tank-Region im Bezirksvergleich ist übrigens die Stadt Salzburg, gefolgt vom Pinzgau. Am teuersten ist der Treibstoff – wenig überraschend aufgrund des nach wie vor fehlenden Preiswettbewerbes – im Lungau.

Ein Allzeit-Preishoch herrscht auch auf den Autobahn-Tankstellen: Bei Super beträgt der Unterschied zu den Zapfsäulen abseits der Schnellstraßen +24,93 Prozent (Mehrkosten für 50 Liter: 17,95 Euro) und bei Diesel +27,14 Prozent (Mehrkosten für 50 Liter: 19,20 Euro).

Saftiges Preisplus auch bei Heizöl und Pellets

Die Teuerung beim Heizöl im Vergleich zum Dezember 2020: Bei Abnahmemengen von 1.000 Litern lag die Steigerung bei 24,13 Prozent (Mehrkosten: 173,50 Euro). Bei Abnahme von 2.000 Litern 39,46 Prozent (Mehrkosten: 494,00 Euro) und bei 3.000 Litern 43,40 Prozent (Mehrkosten: 784,80 Euro).

Auch wer mit Pellets heizt, musste heuer eine spürbare Preissteigerung hinnehmen: Zwischen Jänner und Dezember 2021 hat der Preis für 6 Tonnen um 22,36 Prozent oder um 319 Euro angezogen.

Deutliche Erhöhungen bei privaten Strom- und Gasanbietern

Seit dem Einstieg privater, bzw. alternativer Strom- und Gasanbieter blieben die Preise lange Zeit relativ stabil. Doch heuer hat sich Vieles geändert – leider nicht zum Positiven, wie AK-Konsumentenschützer Stefan Göweil berichtet: „Viele Tarife verschwanden und werden nicht mehr angeboten. Altkunden wurden entweder gleich gekündigt oder ein neuer, deutlich teurerer Tarif angeboten. War der Kunde oder die Kundin damit nicht einverstanden, erfolgte die Kündigung. Daneben wurden für die neuen Tarifmodelle (oftmals wurde nur der Name geändert und der Preis massiv erhöht) entweder überhaupt keine Wechselrabatte mehr angeboten oder nur mehr deutlich reduziert, etwa statt 6 Monate Freienergie nur mehr 3 Monate.“

Im Jahr 2021 stiegen die Durchschnittspreise unter Einberechnung der Rabatte um 65,21 Prozent und ohne Rabatte um 55,29 Prozent. Lag der durchschnittliche Bruttopreisniveau (ohne Rabatte) für einen Jahresverbrauch von 3.500 kWh 2020 bei 754 Euro, so liegt er dzt. bei 1.170 Euro.

Die Entwicklung des mittleren Preisniveaus im Erdgasbereich gestaltete sich Ende 2021 ähnlich wie im Strombereich. Ab Mitte 2021 begann das Preisniveau zu steigen. Mit Stand Anfang Dezember stieg das Preisniveau bei Produkten mit Einmalrabatten um 122 Prozent und ohne Rabatte um 97 Prozent. Lag der durchschnittliche Bruttopreisniveau (ohne Rabatte) für einen Jahresverbrauch von 10.000 kWh 2020 bei 681 Euro, so liegt er dzt. bei 1.344 Euro.

Salzburg AG – Ruhe vor dem Sturm?

Nicht unerwähnt darf bleiben, dass oben genannte Erhöhungen bei Strom und Gas nur 2 von 10 Salzburger Haushalten betreffen. 80 Prozent der Salzburgerinnen und Salzburger sind Energiekunden der Salzburg AG, die Preiserhöhungen heuer sehr moderat gestaltet hat. So sind im Sommer 2021 die Preise für Strom um etwa 2 Euro brutto pro Monat angehoben worden, beim Gas war monatlich sogar eine leichte Preisreduktion zu verzeichnen. „Die Salzburg AG wurde also und ist aktuell noch immer der günstigste Anbieter für Strom und Gas im Bundesland Salzburg. Eine solche Situation gab es seit Beginn der Liberalisierung des Energiemarktes 2001 noch nie“, berichtet AK-Experte Göweil.

Ob das im kommenden Jahr so bleiben wird, ist fragwürdig. Denn ähnlich strukturierte Unternehmen, wie etwa die Wien Energie, haben für das Jahr 2022 Preiserhöhungen von 40 Prozent angekündigt. Die Salzburg AG gibt sich diesbezüglich bislang zugeknöpft. „Würde die Salzburg AG beim reinen Arbeitspreis (Energiepreis) beim Standardtarif für Erdgas in ähnlichen Kategorien an der Preisschraube drehen, ergäbe das für einen Haushalt mit einem Verbrauch von 10.000 kWh eine Mehrbelastung von 160 Euro im Jahr“, rechnet Göweil vor.

Beim Strom würden sich allfällige Preiserhöhungen zumindest im kommenden Jahr wohl kaum in den Geldbörsen der Kundinnen und Kunden niederschlagen, da die Ökostrom-Förderung für 2022 ausgesetzt ist. „Wie es danach weitergehen wird, kann zum jetzigen Zeitpunkt keiner sagen. Würden solche Erhöhungen auch von Seite der Salzburg AG kommen, ist ein dauerhaft hohes Preisniveau für die Zukunft zu befürchten“, erklärt der Konsumentenschützer.

Eder-Appell: „Von Preiserhöhungen absehen“

„Angesichts der pandemiebedingten Einkommenseinbußen vieler Salzburger Haushalte und der generell hohen Lebenshaltungskosten, Stichwort Wohnen, in unserem Bundesland, appelliere ich an die Salzburg AG, von spürbaren Preiserhöhungen im kommenden Jahr abzusehen“, so AK-Präsident Peter Eder, „Versorgungssicherheit und humane Preisgestaltung müssen in diesen schwierigen Zeiten Vorrang vor dem Streben nach möglichst hohen Dividenden haben.“

Weitere AK-Forderungen

Um einkommensschwachen Haushalten unter die Arme zu greifen, fordert die Arbeiterkammer:

  • Vereinbarungen mit allen Energieversorgern über einen Abschaltverzicht während der gesamten kalten Jahreszeit. Darüber hinaus begleitende Maßnahmen unter Einbeziehung von Sozialvereinen wie etwa der Caritas und der Energieberatung des Landes, um sozial verträgliche Lösungen zum Rückbau entstandener Schuldenberge zu finden.
  • Ein Recht auf Ratenzahlung über einen Zeitraum von bis zu 24 Monaten, damit ausstehende Beträge auch zurückgezahlt werden können.
  • Spürbare Aufstockung und gesetzliche Verankerung des Heizkostenzuschusses des Landes, der seit 2008 nicht valorisiert wurde.
  • Temporär befristete Reduktion der Umsatzsteuer für Strom und Gas auf den Mindeststeuersatz (10 Prozent), wie dies auch die EU-Kommission in ihrer „Tool-Box“ zu hohen Energiepreisen vorschlägt.
  • „Eine Reduktion der Umsatzsteuer in dieser Höhe würde Haushalten eine Entlastung um 60 bis 100 Euro bei Gas und 70 bis 100 Euro bei Strom bringen“, gibt Göweil zu bedenken.
  •  Konsumentenfreundliche Standardtarife: Jeder Energieversorger muss einen Tarif mit mittelfristig stabilen Tarifen anbieten, der nicht direkt an die Entwicklung der Groß- oder Börsenpreise gekoppelt ist. 

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