7.9.2016
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"Verstecktes Schulgeld" belastet jede dritte Familie stark

„Was kostet die Schule“ fragte die AK – und hat jetzt die Antworten: Durchschnittlich 857 Euro – exklusive Zusatzkosten wie etwa Nachmittagsbetreuung oder Hort - kostet ein Schulkind. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Schultypen reichen von der Volksschule mit 461 Euro bis zur AHS-Oberstufe mit 1.488 Euro. Das ist für etwa ein Drittel der Studienteilnehmer eine starke finanzielle Belastung – vor allem für Mehrkind-Familien. Deshalb fordert die AK unter anderem ein Schulkosten-Monitoring, um die Schulen für mehr Kostenbewusstsein zu sensibilisieren. AK-Präsident Siegfried Pichler: „Die Ausbildung der Kinder darf nicht vom Geldbörsel der Eltern abhängen - dieses versteckte Schulgeld benachteiligt Wenigverdiener und gefährdet die Chancengleichheit massiv.“    

Je nach Schultyp müssen Eltern pro Jahr und Kind zum Schulbesuch im Schnitt zwischen 461 für die Volksschule bis zu 1.488 Euro für die AHS-Oberstufe zuschießen. Durchschnittlich kostet ein Schulkind den Eltern also 857 Euro jährlich, schulische Nachmittagsbetreuung oder Hort nicht eingerechnet. Die Kostentreiber dabei sind vor allem mehrtätige Schulveranstaltungen wie Sprachreisen oder Skikurse sowie Beiträge und Selbstbehalte. Die klassischen Schreib- und Papierwaren rangieren erst an dritter Stelle. Rund 30 Prozent der Familien empfinden dies als eine starke, über 50 Prozent der Studienteilnehmer als eine mittelmäßige finanzielle Belastung. 14 Prozent der Erhebungsteilnehmer mussten eine Beihilfe oder ein Unterstützungssystem in Anspruch nehmen, um sämtliche zusätzliche Schulkosten bestreiten zu können.

Das sind die Hauptergebnisse der großen Schulkosten-Erhebung „Was kostet die Schule“, die die Salzburger Arbeiterkammer unter Mitarbeit der Salzburger Elternverbände und des Salzburger Landesschulrats zwischen Juli 2015 und Juni 2016 durchgeführt hat. 262 Haushalte mit 437 Kindern haben bei dieser Erhebung mitgemacht. 

Grafik zur Schulkostenerhebung 2015/2016 © AK Salzburg, AK Salzburg


Hintergrund: Die Arbeiterkammer möchte mit dieser Studie einerseits zu einer Versachlichung dieser Thematik beitragen und andererseits einen Anstoß zu mehr Kostenbewusstsein und natürlich in weiterer Folge auch Kostenreduktion/Entlastung der Haushaltsbudgets liefern. „Dass neben den Kosten für Schulartikel noch weitere finanzielle Aufwendungen für Eltern von Schulkindern entstehen, ist ja kein Geheimnis“, sagt Hilla Lindhuber, AK-Abteilungsleiterin für Bildung, Jugend & Kultur, die diese Erhebung geleitet hat, „aber mit dieser Erhebung wollten wir endlich einmal Kostenwahrheit und Kostenklarheit schaffen – wieviel kostet jetzt die gesetzlich ja an und für sich kostenlose öffentliche Schule wirklich?“ Und es zeigt sich, dass die Kosten von Schultyp zu Schultyp immer höher werden.

Rund 1.300 Euro zahlen Salzburgs Familien im Schnitt Schulgeld

Die Erhebung ergibt eine durchschnittliche Belastung pro Haushalt (Familie) mit Schulkindern von 1.278 Euro – im teuren Salzburg eine große finanzielle Belastung, vor allem für Wenigverdiener. Damit die Schule billiger wird, verlangt die AK unter anderem ein Schulkosten-Monitoring, durch das die Ausgaben der Eltern systematisch beleuchtet und gesenkt werden können und der Besuch von Ganztagsschulen soll für die Familien kostenlos sein. Mit einer Schulfinanzierung nach einem Chancen-Index sollen unterschiedliche familiäre Voraussetzungen der Schulkinder ausgeglichen werden.

Fast jede dritte Familie durch Schulkosten stark belastet

Die Kosten für den Schulbesuch der Kinder empfinden 29 Prozent der Familien als finanziell eher bis stark belastend. 54 Prozent der Familien gaben eine mittelmäßige finanzielle Belastung an. Familien mit niedrigem Haushaltseinkommen empfinden die Schulkosten zu 40 Prozent als eher bis stark belastend.
Und: 67 Prozent der Eltern verzeichneten in den letzten Jahren eine Zunahme der schulbedingten Kosten. 

Salzburg im Österreich-Schnitt

An der Erhebung beteiligten sich neben Salzburg auch die Länderkammern Wien, Niederösterreich, Burgenland und Tirol. Zusammengezählt konnten in den fünf Bundesländern Langzeitdaten von 1.294 Haushalten mit 2.123 Kindern ausgewertet werden. Im Durchschnitt über alle beteiligten Bundesländer fallen über alle Schultypen 855 Euro an schulbedingten Ausgaben pro Schulkind und Schuljahr an. „Salzburg gehört von den Lebenshaltungskosten, vor allem was das Wohnen betrifft, zu den teuersten Pflastern. Gleichzeit rangiert unser Bundesland aber bei den Einkommen im hinteren Drittel Österreichs“, gibt Lindhuber zu Bedenken – ein Umstand, der die finanzielle Situation für Salzburger Familien noch weiter verschärft. Das zeigt sich unter anderem darin, dass eines von 30 Kindern aus finanziellen Gründen seine Wunschausbildung nicht absolvieren kann.

Höherer Schultyp - höhere Kosten

Die Auswertung der Daten hat klar gezeigt – wie bereits erwähnt -, dass mit höheren Schultypen höhere Kosten einhergehen.  Für ein Kind in der Volksschule fallen im Laufe eines Schuljahres durchschnittlich 461 Euro schulbedingte Kosten an. Größte Ausgabenkategorien sind hier allgemeine Schreibwaren und Schulmaterialien mit 130 Euro, gefolgt von Beiträgen und Selbstbehalten (86 Euro). Interessant: Bei Schulanfängerinnen und –anfängern betragen die Kosten für allgemeine Schreibwaren und Materialien im Schnitt 236 Euro. Dies ist zu einem guten Teil durch erstmalige Anschaffungen im Zuge des ersten Schulbesuches (Schultasche, Schreibset etc.) bedingt. 

Unterstufen halten sich die Kostenwaage

Die schulbedingten Kosten  für den Besuch einer Neuen Mittelschule halten sich im Vergleich zur AHS-Unterstufe sowohl in den einzelnen Kostenfaktoren als auch im Gesamten in etwa die Waage. Durchschnittlich entstehen für Eltern von Unterstufenschülern Kosten von rund 850 Euro. Deutlich ins Gewicht fallen hier schon mehrtägige Schulveranstaltungen, gefolgt von allgemeinen Materialien und Schreibwaren, Bekleidung und Schuhen sowie Beiträgen und Selbstbehalten. Auch die Nachhilfe wird in der Mittelstufe bereits ein Thema und damit ein Kostenfaktor für die Eltern.

Oberstufen belasten Familienbudgets am meisten

„Richtig ins Geld geht’s dann, wenn die Kinder ihre Pflichtschulausbildung abgeschlossen haben und weiterführende Schulen besuchen“, berichtet Studien-Coautorin Sabine Stadler, „1.157 Euro geben Eltern im Schnitt pro Schuljahr für ein Kind an einer BMHS aus, 1.488 Euro sind es sogar an AHS-Oberstufen.“ Kostenreiber sind auch hier mehrtägige Schulveranstaltungen: in der AHS-Oberstufe durchschnittlich 446 Euro und in den BMHS 299 Euro.
Also was tun, damit der Schulbesuch für alle leistbar bleibt?

Einige Forderungen der AK

  • ERHÖHTES KOSTENBEWUSSTSEIN AN SCHULEN SCHAFFEN
    Schulverwaltung und Lehrerschaft müssen dafür gewonnen werden, ein besseres Verständnis für die ungleiche Finanzkraft der Eltern zu entwickeln. Durch bescheidenere Materialanforderungen aber auch zentraler Beschaffung  kann viel Geld gespart werden. Die Arbeiterkammer fordert die Schulleitungen auf, gemeinsam mit den Lehrkräften und Elternvertretungen einen Schulkosten-Monitoring-Prozess zu starten. Dabei sollen alle Ausgaben der Eltern beobachtet und gemeinsam mit den Lehrkräften Wege gefunden werden, die Ausgaben für Schulveranstaltungen, Unterrichts- und Schulmaterialen zu reduzieren.

  • WIRKSAMKEIT DER SCHÜLERBEIHILFEN ERHÖHEN
    Die Schulbeihilfe sollte es schon ab der 9. Schulstufe geben, mit einer jährlichen Wertsicherung. Gleichzeitig muss die Information über die Beihilfenförderung verstärkt werden. Denn immerhin fühlen sich über 50 Prozent der befragten Eltern schlecht über Beihilfen und Unterstützungssysteme informiert.

  • GEBÜHRENFREIE GANZTAGESSCHULE
    Die gebührenfrei ganztägige Schule muss flächendeckend eingeführt werden. Dadurch können die Ausgaben für Nachhilfe und Nachmittagsbetreuung stark reduziert werden.

  • CHANCEN-INDEX FÜR MEHR GERECHTIGKEIT
    Einführung eines Chancen- Index für mehr Chancengerechtigkeit bei der Schulfinanzierung: Dieser Index bietet den Schulen die notwendigen Ressourcen für die spezifischen Herausforderungen am Standort. Mit einem Chancen-Index werden damit auch zielgerichtet einkommensschwache Eltern entlastet, da die Schulen mehr Ressourcen für Förderunterricht und Material zur Verfügung haben.

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