Erfolgsgeschichte "Lehre mit Matura": Die Sozialpartner als Bildungspartner

Anfang Juli feierten knapp 70 Lehrlinge ihre Matura. Das Förderungsprogramm „Lehre mit Matura“ ermöglicht seit 2008, die Berufsausbildung und gleichzeitig gratis die allgemeine Hochschulreife zu absolvieren. Dieses Modell ist in Salzburg so erfolgreich wie in keinem anderen Bundesland. Das Bundesministerium für Bildung fördert sämtliche Ausgaben für Vorbereitungskurse, Unterlagen und Prüfungsgebühren. 15 Prozent aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Lehre mit Matura in Österreich kommen aus Salzburg. Mehr als jeder sechste Lehrling im Bundesland holt sich neben der Berufsausbildung noch die Allgemeine Hochschulreife. Das waren im vergangenen Wintersemester 1.450 von 8.232 Auszubildenden.  

Lehre mit Matura-Absolventen 2017 © AK/Neumayr, AK Salzburg
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Die frischgebackenen Maturantinnen und Maturanten mit (v.l.) Landesschulrats-Präsident Johannes Plötzeneder, AK-Präsident Siegfried Pichler, der Vorsitzenden des Beirats für Aus- und Weiterbildung in der Wirtschaftskammer Michaela Hilber, AK-Direktor-Stellvertreterin Cornelia Schmidjell, der Obmann-Stellvertreterin des Salzburger Lehrlingsfördervereins und AK-Abteilungsleiterin für Jugend, Bildung, Kultur Hilla Lindhuber, dem jüngst in Pension gegangenen AK-Direktor Gerhard Schmidt und WK-Direktor-Stellvertreter Manfred Pammer.

„Lehre mit Matura bietet jungen Menschen eine berufliche Perspektive über die Lehrausbildung hinaus. Sie ermöglicht nicht nur ein Studium. Sie eröffnet neue und noch mehr Chancen, fördert Begabungen. Kurzum: Sie fördert soziale Mobilität, weil Bildung damit weniger von der Herkunft der Jugendlichen abhängt“, so AK-Direktor-Stellvertreterin Cornelia Schmidjell: „Die (Aus-)Bildung der Bevölkerung, speziell der Jugend, und lebenslanges Lernen sind das größte Potenzial für die Weiterentwicklung unserer Demokratie und für den Wirtschaftsstandort Österreich. Deshalb ist es für die gesamte Gesellschaft und für die Unternehmen ungemein wichtig, Wege für eine möglichst breite Bildung, die Wissen, Verstehen und Handlungskompetenz vermittelt, zu schaffen. Die Lehre mit Matura ist ein hervorragendes Beispiel dafür.“

Unschlagbare Kombination, die auch die Zentralmatura packt

„Die Kombination einer Berufsausbildung mit der Matura ist unschlagbar. Die Zahlen und Rückmeldungen der Teilnehmer beweisen, dass ‚Lehre mit Matura‘ bestens eingeführt und in dieser Form ideal ist“, betont WKS-Direktor-Stellvertreter Manfred Pammer anlässlich der Zeugnisverleihung 2017 im Parkhotel Brunauer in Salzburg. 

Besonders erfreulich ist für Pammer, dass durch die Einführung der Zentralmatura nun bewiesen ist, dass „Lehre mit Matura“ absolut konkurrenzfähig zur herkömmlichen Schulmatura ist. Nach dem österreichweiten Start der Zentralmatura an den AHS und BHS im Vorjahr, wurde heuer erstmals auch die Berufsreifeprüfung an den Erwachsenenbildungseinrichtungen standardisiert durchgeführt. Wie die ersten Ergebnisse in Mathematik zeigen, haben die Salzburger Absolventinnen und Absolventen der Berufsreifeprüfung mehr als erfolgreich abgeschnitten. Insgesamt gab es nach der Kompensationsprüfung nur 7,3 Prozent Durchfaller. Bei den Salzburger AHS lag diese Quote im vergangenen Jahr bei 9,7Prozent. „Damit ist erwiesen, dass die Berufsreifeprüfung absolut konkurrenzfähig zur herkömmlichen Schulmatura ist und keinesfalls als Matura zweiter Klasse betitelt werden kann“, betont Manfred Pammer.

Im kommenden Jahr wird in Salzburg das 10-Jahre-Jubiläum von „Lehre mit Matura“ gefeiert und es soll der tausendste Maturant sein Abschlusszeugnis erhalten. „Zu Beginn hat keiner von uns mit einem derartigen Erfolg gerechnet. Günstigste Prognosen sind von einer Teilnehmerquote von 3 bis 5 Prozent aller Lehrlinge in Salzburg ausgegangen. Dass es nun derartig viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer geworden sind macht uns sehr stolz und bestätigt uns darin, dass unsere Ausbildungsangebote maßgeschneidert auf die Bedürfnisse der jungen Menschen abgestimmt sind“, sagt Pammer.

Das macht die Lehre mit Matura aus:

  •  Neben der Lehre wird die vollwertige Matura erworben…
  •  …und gleichzeitig im Traumberuf eigenes Geld verdient.
  •  Den Absolventinnen und Absolventen sind alle weiteren Bildungswege offen.
  •  Kurse, Kursunterlagen und Prüfungen sind für alle Lehrlinge kostenlos.
  •  Geprüft wird in Deutsch, Mathematik, Englisch und in einem Fachbereich, der sich nach dem Lehrberuf richtet.
  •  Das Ausbildungsmodell besteht aus insgesamt 900 Lehreinheiten.
  •  Die Chancen am Arbeitsmarkt steigen enorm.
  •  Der Einstieg ist in allen Lehrberufen ab dem 1. Lehrjahr möglich.
  •  Die Kurse können in der Freizeit oder mit Einverständnis des Lehrbetriebs auch innerhalb der Arbeitszeit besucht werden.

AK und WK sorgen gemeinsam für Bildung

Für die administrative Abwicklung der „Lehre mit Matura“, insbesondere der Förderungen ist der von Arbeiterkammer und Wirtschaftskammer gegründete „Lehrlingsförderungsverein Salzburg“ zuständig. Die Geschäftsführung in der Lehrlingsstelle der WKS koordiniert die Lehrgänge bei den Bildungsanbietern BFI und WIFI. Kurse werden sowohl in der Stadt Salzburg wie auch in den Bezirken angeboten.

„Die Lehre mit Matura ist ein wichtiger Schritt zur Gleichbehandlung von Lehrlingen mit AHS- und BHS-Schülerinnen und -Schülern. Und sie erhöht die Attraktivität der dualen Berufsausbildung. Die Unternehmen wiederum profitieren von Top-Ausgebildeten Fachkräften. Diese Vorteile übersteigen die knapp 6.000 Euro bei weitem, mit denen im Schnitt  jede und jeder gefördert wird, die oder der die Matura ´mitnimmt´“, sagt Hilla Lindhuber, stellvertretende Obfrau des Lehrlingsfördervereins und Leiterin der Abteilung für Bildung, Jugend und Kultur in der Arbeiterkammer Salzburg.

Optimale Betreuung beim Lernen – Belastungen minimieren

Die Lehre mit Matura ermöglicht jungen Facharbeitern als hochqualifizierte Mitarbeiter leichter in Führungsposition aufzusteigen oder sich an Unis und FHs weiter zu spezialisieren. Aber: Man darf die Mehrfachbelastung von Lehre, Berufsschule und Maturakursen nicht unterschätzen. „Mit Coachings und Lernbetreuung begleiten wir die Jugendlichen auf dem Weg zum Ziel – der Matura“, betont Rudolf Eidenhammer, Leiter der Bildungspolitischen Abteilung in der WKS. Alle interessierten Lehrlinge nehmen im Vorfeld an einem Beratungsverfahren teil, bei dem Schulwissen, Motivation sowie die individuellen Voraussetzungen für die Ausbildung besprochen werden. Begleitend zu den Maturakursen werden Lernateliers am BFI angeboten, die die Schülerinnen und Schüler in sensiblen Fächern zusätzlich fördern und unterstützen.

Seit 2008 holten sich 854 Lehrlinge die Matura

Insgesamt haben bisher 4.235 Salzburger Lehrlinge das Fördermodell in Anspruch genommen. Fast gleich viele Frauen wie Männer. Knapp ein Drittel der Teilnehmerinnen und Teilnehmer kommt aus dem handwerklichen oder Gewerbebereich. Ein weiteres knappes Drittel zu fast gleichen Teilen aus Handel und Industrie. 9 Prozent aus dem Tourismus und 5 Prozent aus dem Bereich Information und Consulting. 4 Prozent der „Lehrmaturanten“ sind im Banken- und Versicherungswesen tätig. 

Bisher haben 854 Lehrlinge sämtliche Prüfungen abgelegt und sich damit die Matura geholt. „Diese jungen Menschen haben neben ihrer fundierten Ausbildung als Fachkraft einen weiteren Grundstein für ein erfolgreiches Berufsleben und lebensbegleitendes Lernen gelegt. Das braucht viel Einsatz und Zeit. Ich gratuliere allen Absolventinnen und Absolventen zu dieser Leistung. Respekt! Und ich bedanke mich bei den Partnern der „Lehre mit Matura“, die an diesem gemeinsamen Erfolg mitwirken: Der Wirtschaftskammer, dem BFI und dem WIFI, der Schulaufsicht und -verwaltung sowie den Betrieben und Lehrkräften, die die jungen Menschen so gut begleiten!“, so Cornelia Schmidjell.

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