24.03.2020

Covid 2019 – FAQ für Berufstätige im Gesundheits- und Pflege­bereich

Die Arbeiterkammer dankt allen, die derzeit in etwa Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen und Mobilen Diensten dazu beitragen, dass Menschen in dieser besonderen Situation gut versorgt werden. Ihr leistet großartige Arbeit! Danke!

Wir haben - ergänzend zu den allgemeinen Infos unter www.jobundcorona.at - einige Informationen speziell für diese Berufsgruppen zusammengefasst. Diese Informationen werden regelmäßig aktualisiert. 

Welche Änderungen ergeben sich generell bei Gesundheits- und Pflege­berufen?

Für die Dauer der Pandemie wurden Sonderregelungen auf Basis des 2. COVID-19-Gesetzes in einzelnen Berufsrechten geschaffen.

Sanitäterinnen und Sanitäter

Für die Dauer der Pandemie können auch Personen die Tätigkeiten von Sanitäterinnen und Sanitätern beruflich ausüben, die kein entsprechendes Berufsmodul absolviert haben - Sanitätergesetz (SanG) § 14 Abs 4

Für die Dauer der Pandemie dürfen vorübergehend auch all jene Personen als Sanitäter oder Sanitäterin tätig sein, denen die vorgeschriebene Fortbildung und Rezertifizierung fehlt. Das gilt vorübergehend auch für Personen, die bereits mehr als 100 Fortbildungsstunden im Rückstand sind. (SanG § 26 Abs 4).
Sanitäter/-innen dürfen Abstriche aus Nase und Rachen durchführen, um die Testung auf zum Beispiel das Corona-Virus zu ermöglichen (SanG § 9 Abs 1).

Medizinisch-technische Dienste (MTD-Berufe)

Darunter fallen:

  • Biomedizinische Analytiker/-innen
  • Diätologen/-innen
  • Ergotherapeuten/-innen
  • Logopäden/-innen
  • Orthoptiker/-innen
  • Physiotherapeuten/-innen
  • Radiologietechnologen/-innen

Personen, die für ihre MTD-Ausbildung im Ausland eine Anerkennung oder eine Nostrifikation erhalten haben, müssen zumeist vorgeschriebene Auflagen, wie etwa Ergänzungsausbildungen, erfüllen, bevor sie in Österreich tätig werden können. Für die Dauer einer Pandemie dürfen sie das auch dann, wenn die verlangten Ergänzungsausbildungen noch nicht abgeschlossen sind.

Auch in den medizinisch-technischen Laboratoriumsdiensten gibt es für die Dauer einer Pandemie Sonderregelungen. 

So können Laboruntersuchungen vom Fachpersonal vorübergehend auch ohne ärztliche Anordnung durchgeführt werden. Und um ausreichend Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den medizinischen Laboren sicherzustellen, dürfen während einer Pandemie auch Menschen medizinische Laboruntersuchungen machen, die ein geeignetes naturwissenschaftliches oder veterinärmedizinisches Studium abgeschlossen haben MTD-Gesetz (MTD-G) § 4 Abs 5

Gesundheits- und Krankenpflege

Für die Dauer einer Pandemie dürfen Personen ohne pflegerische Ausbildung und ohne die Qualifikation „Unterstützung in der Basisversorgung“, kurz UBV, unterstützende Tätigkeiten bei der Basisversorgung durchführen. Dabei ist auf die entsprechende Dokumentation zu achten und sicherzustellen, dass alle Informationen über Veränderungen des Zustandes des begleiteten Menschen an die anordnende Pflegeperson weitergegeben werden.
Gesundheits- und Krankenpflegegesetz (GuKG) § 3a Abs 7

Personen, die für ihre Pflegeausbildung im Ausland eine Anerkennung oder eine Nostrifikation erhalten haben, müssen zumeist vorgeschriebenen Auflagen, wie zum Beispiel Ergänzungsausbildungen erfüllen, bevor sie in Österreich tätig werden können. Für die Dauer einer Pandemie dürfen sie das auch dann, wenn die verlangten Ergänzungsausbildungen noch nicht abgeschlossen sind.

Das gilt sowohl für den gehobenen Dienst für Gesundheits- und Krankenpflege als auch für die Pflegeassistenzberufe.

Muss ich mich weiterhin registrieren lassen?

Für die Dauer der Pandemie Covid-19 gibt es bei der Registrierung Änderungen. So dürfen  auch Personen des gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege, Pflegeassistenzberufe und Personen des gehobenen medizinisch-technischen Dienstes (MTD-Berufe), welche nicht im Gesundheitsberuferegister (GBR) eingetragen sind, den Beruf ausüben. Dies gilt dann, wenn ein entsprechender Qualifikationsnachweis erbracht werden kann oder Qualifikationen, die im Ausland erworben wurden, anerkannt (nostrifiziert) sind. 

Ich bin schwanger, darf/muss ich weiter­arbeiten?

Laut Arbeitsinspektorat gibt es anhand der bisherigen Forschung keinen Hinweis darauf, dass eine besondere Gefährdung von Schwangeren vorliegt. Empfohlen wird aber generell, dass schwangere Kollegen/-innen – wo möglich - aus dem direkten Kundenkontakt abgezogen werden.

Für aktuelle Infos siehe www.arbeitsinspektion.gv.at

Aktuell wird an Lösungen gearbeitet. Wir informieren Sie laufend. Einige Arbeitergeber haben bereits zum Schutz schwangerer (gravider) Kolleginnen spezielle Lösungen geschaffen wie etwa Dienstfreistellung oder Versetzungen. Bitte erkundigen Sie sich bei Ihrem Betriebsrat und Arbeitgeber.

Ich bin in Berufs­ausbildung. Wie geht es weiter?

Grundsätzlich wird von 16. März bis 3. April die theoretische Ausbildung in Form eines Präsenzunterrichts ausgesetzt. Lehrinhalte sowie Leistungsfeststellungen können nur auf elektronischem Weg übermittelt werden. 

Unter gewissen Ausnahmen kann jedoch eine Abschlussprüfung trotzdem stattfinden. Dies gilt zum Beispiel für Absolventen/-innen, die eine unmittelbare Berufsausübung anstreben oder für Abschlussprüfungen von Gesundheits- und Krankenpflegeberufen, um die medizinische und pflegerische Versorgung sicherzustellen.

Auch die praktische Ausbildung wird in dem Zeitraum ausgesetzt. Auch hier gibt es wieder Ausnahmen, wenn die Auszubildenden im Rahmen ihrer Praktika die medizinische und pflegerische Versorgung sicherstellen. Dabei gelten folgende Voraussetzungen:

  • Soweit die Tätigkeit für die Aufrechterhaltung der medizinischen oder pflegerischen Versorgung unabdingbar ist
  • Zustimmung der Auszubildenden und der Praktikumsstelle
  • Gewährleistung der erhöhten Schutz- und Hygienemaßnahmen im Zusammenhang mit dem Coronavirus

Für weitere Informationen siehe: „Erlass, Information über Durchführung von Ausbildungen in Gesundheitsberufen im Zusammenhang mit dem Coronavirus“ unter https://www.sozialministerium.at/Rechtliches 

Für weitere Fragen zu Ihrer Ausbildung kontaktieren Sie bitte Ihre Ausbildungsstätte.

Was tun bei Kinder­betreuungs­pflichten?

Angeboten wird eine Betreuung für Kinder unter 14 Jahren für all jene, deren Eltern außer Haus erwerbstätig sind und ihre Kinder so nicht betreuen können. Dies gilt für alle Berufe, die unabkömmlich sind und zur Aufrechterhaltung der Funktionsfähigkeit unserer Gesellschaft beitragen. 

Geregelt ist dies durch den Begriff „versorgungskritische Bereiche“  im Arbeitsvertragsrechts-Anpassungsgesetz (AVRAG ) § 18

Dazu zählen nicht nur Krankenhäuser, sondern auch Alten- und Pflegeheime und Mobile Dienste. Jeglichem medizinischen Personal und den Pflegekräften steht demnach eine Kinderbetreuung zu. 

Wir empfehlen, die Bestätigung durch den Arbeitgeber (formloses Schreiben), dass dies hier der Fall ist. 

=> Zur Vereinbarung von Sonderbetreuungszeit auf www.jobundcorona.at

Darf ich auch als Unter­stützung bei anderen Trägern arbeiten?

Sonderregelungen sind in Vorbereitung. Bitte nehmen Sie Kontakt mit Ihrem Betriebsrat/Arbeitgeber auf.

Gibt es Auswirkungen bei Zivildienern in diesem Bereich?

Ja, die gibt es: Verlängerung des Zivildienstes sowie Zurückholen von Zivildienern zur Unterstützung der Gesundheitsberufe bei pflegefernen Tätigkeiten.

Was ändert sich sonst noch in meinem Arbeits­feld?

Das 2. Covid-2019-Gesetz enthält Änderungen für den Einsatz von Ärzten/-innen, Apotheken, Meldepflichten, Datenübermittlung, Bereitstellung von Hilfsmitteln, Ausstellung von Rezepten.
=> Weitere Informationen siehe 2. COVID-19-Gesetz

Wo bekomme ich weitere Informationen?


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