9.1.2017
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Nanotechnologien in der Arbeit - eine Gefahr?

„Es gibt sehr viel Platz am unteren Ende“. 1960 veröffentlichte der Physiker Richard Feynman unter diesem Titel seine Vision von der Miniaturisierung im Bereich der Atome und Moleküle, also der Entdeckung noch kleinerer physikalischer Bausteine. In den 1980er Jahren wurde mit der Erfindung des Rastertunnelmikroskop und der Entdeckung der Nanoform des Kohlenstoffes dieses „untere Ende“ näher ausgelotet.

Was sind Nanomaterialien?

Nanomaterialien sind ca. 1 bis 100 Nanometer (1 Milliardstel Meter, „nm“) groß. Stoffe, die Nanomaterialien beinhalten haben dadurch andere Eigenschaften, als Stoffe ohne Nanobestandteile (etwa können sie wasser- oder schmutzabweisender oder stabiler sein). Nanomaterialien können entweder natürlich vorkommen oder aber bewusst künstlich hergestellt werden. Der Einsatzbereich von Nanomaterialien ist sehr weitreichend: von  der Elektronik und Informationstechnik über Filterverfahren in der Abwasserbehandlung, bis in die Textil-, Kosmetik- und Lebensmittelindustrie, Materialforschung und Werkstofftechnik oder der Medizin.

Beispiele für Nano-Arbeitsstoffe sind zum Beispiel Carbon Black (Industrieruß), das künstlich erzeugt wird und heute vor allem in der Gummiindustrie, etwa für Autoreifen verwendet wird. Des Weiteren wird Ruß in der Elektrotechnik und als Schwarzpigment in Druckfarben, Tuschen, Lacken und für Kunststoffe eingesetzt. In der IT-Branche werden mit Hilfe der Nanomaterialien immer kleinere elektronische und optische Bauelemente entwickelt, die mehr Leistung und Speicherkapazitäten ermöglichen. Auch im Bereich der Oberflächenfunktionalisierung und -veredelung sind bereits zahlreiche Anwendungen am Markt. Dazu zählen z. B. Fassadenfarben, Fliesen und besonders schmutzabweisende Glasscheiben. In der Textil-Herstellung und im Lebensmittelbereich werden ebenfalls Nanomaterialien verwendet: Relativ häufig sind Nanomaterialien in Sportbekleidung zu finden: Nanosilber wird als antibakterielle Ausrüstung eingesetzt, wasserabweisende Materialien enthalten Kunststoff-Nanofasern.  Sowohl in Lebensmittelverpackungen als auch in Lebensmittel selbst werden Nanomaterialien verwendet und auch in der Kosmetik (z. B.: in Zahncremen) kommt es zum Einsatz von Nanomaterialien.

Achtung

Nanomaterialien müssen auf der Verpackung der Produkte nicht deklariert werden, daher sind die Informationen lückenhaft. Manche Firmen geben den Einsatz von Nanomaterialien an, manche nicht. Auch nicht jeder Arbeitnehmer ist sich bewusst, dass er mit Nanomaterialien arbeitet.

Gesundheitliche Risiken umstritten!

Nanomaterialien werden heute in sehr vielen Branchen zur Produktherstellung verwendet bzw. sind in vielen Produkten enthalten. In Zukunft wird sich der Einsatz von Nanomaterialien noch wesentlich verstärken. Der Einsatz von Nanotechnologie ist allerdings auch umstritten, vor allem deshalb, weil die Risiken für Umwelt und Gesundheit nicht abzuschätzen sind. Nach Ansicht des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) hinkt die Erforschung der Risiken und Nebenwirkungen der Vermarktung von Nano-Produkten noch stark hinterher. Es braucht also Förderungen für die Forschung. Gleichzeitig muss auch das bereits bestehende Gesundheitsrisiko für Arbeitnehmer und Konsumenten berücksichtigt werden! 

Vorsorgeprinzip ist zu beachten!

Aus diesem Grund gilt beim Umgang mit Nanomaterialien das Vorsorgeprinzip. Laut Europäischer Kommission ist „eine Berufung auf das Vorsorgeprinzip dann möglich, wenn ein Phänomen, Produkt oder Verfahren potenzielle Gefahren birgt, die durch eine objektive wissenschaftliche Bewertung ermittelt wurden, wenn sich das Risiko nicht mit hinreichender Sicherheit bestimmen lässt.“ Ein Vorsorgeprinzip soll potenzielle Schäden von vornherein vermeiden, auch wenn ihre Art, ihr Ausmaß oder ihre Eintrittswahrscheinlichkeit ungewiss sind. Bei Nanomaterialien  fehlen oft noch wissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse. Da aber nach derzeitigem Wissen ernste Gesundheitsschäden nicht auszuschließen sind, sind sie wie gesundheitsgefährdende Stoffe zu behandeln, das heißt: die Exposition muss vermieden bzw. soweit wie nur möglich eingeschränkt werden. Es gilt möglichst weitreichende Schutzmaßnahmen zur Minimierung zu ergreifen, bis ihr Risikopotenzial bekannt ist. Verantwortlich hierfür ist der Arbeitgeber. Im Zuge der Evaluierung gilt es auch Nanomaterialien zu beachten und geeignete Maßnahmen festzulegen. Hierzu sind Sicherheitsfachkräfte und Arbeitsmediziner als Berater beizuziehen. 

Leitfaden des Arbeitsinspektorats

Das Zentralarbeitsinspektorat hat für den Umgang mit Nanomaterialien bei der Arbeit einen Leitfaden erstellt. Dieser Leitfaden für ein Risikomanagement von Nanomaterialien am Arbeitsplatz gibt eine schrittweise Handlungsanleitung für deren „Evaluierung“ und das Risikomanagement. ER beinhaltet zudem detailliertere Themenblätter, ein Glossar und Informationsquellen, die vor allem für Sicherheitsvertrauenspersonen sehr hilfreich sind.

Der Leitfaden ist auf der Homepage der Arbeitsinspektion gratis runterzuladen. Hier der Link

Achtung

Der ZAI-Leitfaden zielt nur auf Stoffe, Gemische oder Erzeugnisse, die aus bewusst erzeugten Nanomaterialien bestehen bzw. solche enthalten, und nicht auf natürliche oder bei Prozessen zufällig anfallende Stoffe wie Schweißrauche.

 

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